Logo Die Sachsen News

Wie der Dresdner Kult-Imbiss "Curry & Co." auf den Farbanschlag reagiert

Curry-Imbiss
Aus dem Antifa-Umfeld wurde das „Verchromen“ des beliebten Lokals gefordert, kurz darauf flog die Farbe. Doch statt zu kapitulieren, drehen die Schwestern hinter Curry & Co. den Spieß jetzt mit einer Aktion um, die im Netz gefeiert wird.

Dresden. Mit Humor gegen Hass: Nach dem Farbanschlag auf Curry & Co. in der Dresdner Neustadt haben die Schwestern Simone und Susanne Meyer-Götz eine ziemlich eigenwillige Antwort gefunden. In einem neuen Instagram-Reel greifen sie ausgerechnet das Motiv auf, mit dem zuvor gegen ihren Imbiss mobilisiert worden war. „Verchromen“ sollte Curry & Co. ein Aufruf aus dem Antifa-Umfeld. Die Schwestern nehmen das jetzt wörtlich und machen aus ihrem Laden kurzerhand: Curry & Chrome.

Das Ganze wirkt im Video fast wie eine neue Marketingkampagne. Dahinter steckt allerdings eine ernste Geschichte. In der Nacht zum Sonntag hatten Unbekannte die Fassade des Curry-&-Co.-Imbisses an der Louisenstraße großflächig mit Farbe beschmiert. Außerdem hinterließen sie die Zahlenkombination „161“ und einen gegen die AfD gerichteten Schriftzug. Der Staatsschutz ermittelt.

Aus dem Farbanschlag wird „Curry & Chrome“

Statt die silbrige Optik nur als Erinnerung an den Angriff stehenzulassen, machen die Curry-Schwestern daraus nun ihre eigene Geschichte. Im Instagram-Reel legen sie selbst Hand an. Der Name „Curry & Chrome“ ist dabei mehr als ein Wortspiel. Die Botschaft ist ziemlich eindeutig: Wer den Laden mit Farbe treffen wollte, bekommt nicht die gewünschte Reaktion.

Gerade diese Mischung aus Trotz und Humor dürfte vielen Stammkunden gefallen. Curry & Co. gehört seit mehr als 20 Jahren zur Louisenstraße. Simone und Susanne Meyer-Götz betreiben den Imbiss gemeinsam. Die Filiale liegt mitten in der Äußeren Neustadt, einem der bekanntesten Dresdner Szeneviertel. 

Politischer Streit ging dem Angriff voraus

Ausgangspunkt der Auseinandersetzung war ein Auftritt von Simone Meyer-Götz in der MDR-Sendung „Fakt ist!“. Die Unternehmerin ist zugleich stellvertretende Vorsitzende der Dresdner CDU. In der Diskussion über den Umgang mit der AfD sprach sie über politische Schnittmengen zwischen Parteien und kritisierte die Debatte um den Begriff „Brandmauer“.

Danach wurde Meyer-Götz in sozialen Netzwerken massiv angegriffen. Auch ihre Adresse wurde verbreitet. Bereits vor dem Farbanschlag hatte sich deshalb der Staatsschutz eingeschaltet. DIE SACHSEN NEWS berichtete darüber im Artikel „Keine 48 Stunden nach MDR-Auftritt: Staatsschutz kontaktiert Dresdner CDU-Vize“.

Meyer-Götz erklärte nach dem Angriff gegenüber TAG24, ihre Aussagen seien „völlig aus dem Kontext und ausschließlich auf den Begriff der Brandmauer zurechtgestutzt wurden“. Zu den Sorgen aus ihrem Umfeld sagte sie: „Freunde rufen mich besorgt an, und wenn sie mich nicht gleich erreichen, meine Schwester. Viele machen sich Sorgen. Das ist doch alles absurd!“

Polizei schaut jetzt häufiger bei Curry & Co. vorbei

Die Polizei will den Imbiss künftig stärker im Blick behalten. Polizeisprecher Marko Laske sagte gegenüber TAG24: „Im Zuge des täglichen Streifendienstes werden wir besonderes Augenmerk auf dieses Lokal legen“. Nach Angaben der Polizei verweist auch die am Gebäude hinterlassene Zahlenkombination „161“ auf das linke Spektrum. Der Staatsschutz ermittelt sowohl wegen der vorangegangenen Veröffentlichung der Adresse als auch wegen des Angriffs auf das Lokal.

Wer die Farbe angebracht hat, ist bislang öffentlich nicht geklärt. Auch ein konkreter Tatverdächtiger wurde bisher nicht genannt. Die politische Zuordnung ergibt sich bislang aus den hinterlassenen Zeichen, dem Schriftzug und den Ermittlungen des Staatsschutzes.

Die Curry-Schwestern lassen sich ihren Laden nicht nehmen

Für Simone und Susanne Meyer-Götz steht fest, dass Curry & Co. an der Louisenstraße weiterläuft. Gegenüber TAG24 sagte Simone Meyer-Götz nach dem Angriff: „Wir leben hier. Die Neustadt ist unser Zuhause.“

Und offenbar gehört dazu auch, sich nicht vorschreiben zu lassen, wie der eigene Laden auszusehen hat. Wer Curry & Co. „verchromen“ wollte, hat den Schwestern damit jedenfalls unfreiwillig eine neue Steilvorlage geliefert.

Curry & Chrome dürfte als dauerhafter Firmenname eher unwahrscheinlich sein. Als Antwort auf einen Farbanschlag funktioniert er dafür umso besser.