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Keine 48 Stunden nach MDR-Auftritt: Staatsschutz kontaktiert Dresdner CDU-Vize

Simone Meyer-Götz mit kurzen dunklen Haaren und grauem Oberteil sitzt in einem Fernsehstudio. Sie blickt konzentriert zur Seite und gestikuliert lebhaft mit der rechten Hand mit rot lackierten Fingernägeln, vor ihr steht ein Glas Wasser auf dem Tisch.
Nach ihrem Auftritt im MDR-Talk „Fakt ist!“ gerät Dresdens Vize-CDU-Chefin Simone Meyer-Götz unter Druck: Weil im Netz ihre Adresse verbreitet wurde, nahm der Staatsschutz Kontakt auf. Hier gestikuliert sie während der Sendung im TV-Studio. Screenshot: DieSachsenNews
Ein TV-Talk bei „Fakt ist!“ über die AfD-Brandmauer hatte für Simone Meyer-Götz schwere Konsequenzen: Nachdem ihre private Adresse im Netz verbreitet wurde, hat der Polizeiliche Staatsschutz der Politikerin Personenschutz angeboten.

Dresden. Am Mittwochabend diskutierte Simone Meyer-Götz im MDR-Studio noch über die Brandmauer zur AfD. Zwei Tage später meldet sich bei der stellvertretenden Dresdner CDU-Kreisvorsitzenden nach eigenen Angaben der Polizeiliche Staatsschutz und bietet ihr persönlichen Schutz an.

Hintergrund ist nach ihrer Schilderung, dass ihre private Adresse in einem antifaschistischen Umfeld verbreitet worden sein soll. In sozialen Netzwerken hatte sich die Debatte zuvor deutlich verschärft. Mehrere Beiträge ordnen Meyer-Götz politisch rechts ein, teilweise wird auch ihre Familie einbezogen.

Staatsschutz meldet sich nach der zugespitzten Debatte

Ob von der Veröffentlichung der Adresse eine konkrete Gefahr ausgeht und wer sie verbreitet hat, ist bislang nicht öffentlich geklärt. Eine offizielle Mitteilung der Polizei zu dem Fall liegt nicht vor.

In Sachsen ist der Staatsschutz für die Verhütung, Gefahrenabwehr und Verfolgung politisch motivierter Straftaten aus allen Richtungen zuständig. Beim Landeskriminalamt Sachsen sind Staatsschutz und Personenschutz organisatorisch verbunden.

Vom TV-Studio zur Sicherheitsfrage in 48 Stunden

Am Mittwochabend saß Meyer-Götz als eine von drei Gästen im Dresdner MDR-Studio und diskutierte über die Konsequenzen aus den jüngsten Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Der MDR hatte die Sendung auch mit der Frage angekündigt, ob es bei „Brandmauern und Unvereinbarkeitsbeschlüssen" bleibe. Neben Meyer-Götz diskutierten die Politikwissenschaftlerin Marianne Kneuer von der TU Dresden und die Chefredakteurin der Sächsischen Zeitung, Annette Binninger.

Weniger als 48 Stunden später beschäftigt ihre persönliche Sicherheit den Staatsschutz.

Was Meyer-Götz bei „Fakt ist!" tatsächlich sagte

Im Mittelpunkt stehen ihre Aussagen über den Umgang mit der AfD und die sogenannte Brandmauer. Die Dresdner Neuesten Nachrichten titelten am Donnerstag in ihrem Online-Auftritt zunächst, Meyer-Götz werbe für einen „lockeren Umgang" mit der AfD, und änderten die Überschrift am Freitag in „anderen Umgang". Ein wörtlicher Satz mit der Formulierung „lockerer Umgang" ist im Text nicht belegt. Zitiert wird Meyer-Götz mit den Worten: „Uns fehlt die Lockerheit. Wir verschwenden Energie. Wir sind so kompliziert geworden".

Inhaltlich kritisierte sie die Schwierigkeiten, die aus ihrer Sicht entstehen, wenn Anträge einer Partei Zustimmung von der AfD bekommen. Sie sprach sich dafür aus, politische Schnittmengen zu prüfen und dort Grenzen zu ziehen, wo Unterschiede bestehen.

Ein Account sammelt, die Kommentare feiern

Meyer-Götz selbst führt die Entwicklung im Netz auf den Bericht der Dresdner Neuesten Nachrichten über ihren Auftritt zurück. Ausgangspunkt der Zuspitzung war unter anderem ein Beitrag des Instagram-Accounts „thisissaxony", der mit antifaschistischer Symbolik auftritt. Er ordnet Meyer-Götz über ihr familiäres und geschäftliches Umfeld politisch nach rechts ein und machte dabei auch Adressen der Familie öffentlich. Der Betreiber forderte andere Nutzer auf, den Beitrag zu sichern, „bevor hier eine anwaltliche Unterlassung eintrudelt". In den Kommentaren wurde die Zusammenstellung als „Recherche" gefeiert. Die dort erhobenen Behauptungen sind nicht belegt.

Meyer-Götz reagiert auf die Vorwürfe zu ihrer Familie

Auf eine öffentliche Anfrage zu angeblichen AfD-Bezügen in ihrem Umfeld antwortete Meyer-Götz auf Instagram. Ihr Vater sei „vor über elf Jahren aus der AfD ausgetreten, weil er die damalige Entwicklung der Partei nicht mittragen wollte und konnte". Dieser Teil fehle in der heutigen Darstellung häufig. Inzwischen ist er seit mehreren Jahren selbst Mitglied der CDU.

Unterschiedliche politische Überzeugungen innerhalb einer Familie bedeuteten nicht, dass diese ihre eigene Haltung seien. „Mein Vater ist mein Vater. Wir diskutieren, wir sind nicht immer einer Meinung – und ich liebe ihn. Punkt." Sie sei bewusst Mitglied der CDU und bei einzelnen Punkten kritisch, weil sie die Partei stärken wolle. Bei ihrer Familie ziehe sie eine Grenze: „Mit mir kann man gerne hart in der Sache ins Gericht gehen", mit den Menschen, die sie liebe, nicht.

Die CDU und ihr Streit über die Brandmauer

Die Bundes-CDU hält an ihrer Abgrenzung fest. Parteichef Friedrich Merz betont, zwischen Union und AfD lägen fundamentale Unterschiede, die eine Zusammenarbeit ausschlössen. Ein Kreisverbandssprecher sagte den DNN: „Auch wir müssen uns in Dresden der Beschlusslage der CDU Deutschland beugen." Zugleich verwies er auf unterschiedliche Sichtweisen in der Dresdner Mitgliedschaft.

Die Debatte über den Umgang der CDU mit der AfD ist älter als der Fernsehauftritt. Im Juli hatte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sie in der eigenen Partei erneut angestoßen.

Meyer-Götz' Rolle in der Dresdner CDU

Meyer-Götz gehört seit Juni 2025 als eine von drei Stellvertretern dem engeren Vorstand der CDU Dresden an. Sie wurde mit 58,79 Prozent zur stellvertretenden Kreisvorsitzenden gewählt. Heute koordiniert sie mit Moritz Fischer die Arbeitskreise des Kreisverbandes und arbeitet selbst in den Bereichen Stadtentwicklung sowie Kultur, Bildung, Soziales und Sport mit. Auf Kreisparteitagen der Dresdner CDU setzte sie sich für den Christopher Street Day in Dresden ein.