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Protest am Carolaplatz: ADFC Dresden kämpft für sichereren Radweg

Der ADFC Dresden spannt am Carolaplatz ein breites Banner auf, das Symbole für Autos, Fahrräder, Straßenbahnen und Fußgänger zeigt. Im Vordergrund sind mehrere abgestellte Fahrräder und Straßenbahngleise im Sonnenschein zu sehen.
Protest am Carolaplatz: Der ADFC Dresden fordert mit einer Banner-Aktion eine andere Radwegführung für die neue Carolabrücke. Der Verband plädiert für eine Mittellage statt der geplanten Seitenführung. Foto: CdH
Vor der nächsten Sitzung des Bauausschusses demonstriert der ADFC für einen Radweg in der Mitte der neuen Carolabrücke. Zweimal die Straßenbahngleise queren oder sicher geradeaus? Der Fahrrad-Verband fordert vom Stadtrat einen sofortigen Kurswechsel bei der Brückenplanung.

Dresden. Am Dienstagmorgen stand der ADFC Dresden mit etwa 40 Unterstützern am Carolaplatz und spannte ein Banner über die künftige Brückenbreite auf. Es zeigt, wie sich der Verband die neue Carolabrücke wünscht, mit einem Radweg Richtung Altstadt in der Mitte, zwischen Straßenbahn und Autospuren, statt am Rand. Dazu verschickte der ADFC vor der nächsten Sitzung des Bauausschusses einen offenen Brief an alle Fraktionen des Stadtrates. „Verkehrssicherheit darf bei der Planung nicht zur Verhandlungsmasse werden”, sagt Nils Larsen, Vorstandsmitglied des ADFC Dresden.

Worum der Streit an der Carolabrücke geht

Der Siegerentwurf des Büros FHECOR/TSSB führt den Radweg seitlich am Brückenrand. Wer von der Neustadt in die Altstadt fährt, müsste damit zweimal die Straßenbahngleise queren. Die drei unterlegenen Entwürfe hatten den Radweg zwischen Bahn und Fahrbahn vorgesehen, also in Mittellage. Genau diese Führung will der ADFC, weil sie ohne Gleisquerung auskommt und Rad- und Fußverkehr trennt. Zwei zusätzliche Gleisquerungen schaffen aus Sicht des Verbands neue Konfliktpunkte, dazu drohen Stürze, etwa wenn Reifen in den Schienen verkanten. Der Verband beruft sich auf einen Stadtratsbeschluss vom 19. Juni 2025 (V0339/25), der verlangt, solche Konfliktpunkte aufzulösen. Nach dem jetzigen Planungsstand bleiben die Querungen bestehen.

Ein zweites Argument betrifft die Linienführung. Die Seitenlage passe nicht zur rund drei Kilometer langen Radachse zwischen Albertplatz und Hauptbahnhof, deren übrige Führung bereits östlich der Straßenbahn verlaufe, so der ADFC.

Von der Rechtsfrage zur politischen Frage

Lange hieß es, der Radweg könne aus vergaberechtlichen Gründen nicht in die Mitte wandern, weil seine Lage ein Wertungskriterium des Wettbewerbs war. Auf Anfrage von DieSachsenNews relativiert die Stadt das inzwischen. Das Vergabeverfahren sei abgeschlossen, Klagen oder Nachprüfungen lägen nicht vor. Maßgeblich sei nicht das Vergaberecht, sondern der Stadtratsbeschluss vom 3. September, mit dem der Entwurf als Vorzugsvariante festgelegt wurde.

Fällt das rechtliche Argument weg, bleibt die Seitenlage eine politische Entscheidung, die der Rat jederzeit ändern könnte. Der ADFC verweist darauf, dass auch FHECOR/TSSB selbst eine Verlegung in die Mitte für möglich erklärt habe.

Ein Appell an die Fraktionen

Bei der Aktion am Carolaplatz warb ADFC-Sprecher Jonas Geyer dafür, die Frage sachlich zu entscheiden. Es gehe um die Sache, nicht um gekränkte Egos, sagte er mit Blick auf die teils emotional geführte Brückendebatte. Der Verband fordert die Fraktionen auf, gemeinsam einen interfraktionellen Antrag im Bauausschuss einzubringen, der die Mittellage als Vorzugsvariante festlegt. Nach eigener Kenntnis sieht der ADFC dafür eine klare Mehrheit im Rat.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) geht weiter und verlangt einen Planungsstopp. Die Kritik an der Seitenlage teilen allerdings nicht alle. Team-Zastrow-Stadtrat Holger Zastrow und BSW-Stadtrat Ralf Böhme halten einen Radweg am Rand für die angenehmere Lösung.

Breiter wird die Brücke ohnehin, von 32,50 auf 33,95 Meter. Nötig machen das die Mindestbreite der Radwege, ein Geländer zur Straßenbahn und der Abstand zu den Masten. Weitere Zuwächse sind möglich, Tragwerk und Pfeiler sind noch nicht durchgerechnet. Vertraglich festgeschrieben sind 130 Millionen Euro. Ob die breitere Brücke für dieses Geld zu bauen ist, sagt die Stadt nicht.

Stand jetzt: Am 4. November wird nur informiert

Trotz des Drucks taucht die Carolabrücke auf der Einladung zur Sitzung des Bauausschusses am 4. November nur ganz am Ende auf, als Punkt 24.1 unter „Informationen und Sonstiges”. Eine eigene Beschlussvorlage zur Radwegführung fehlt. Nach jetziger Aktenlage berät der Ausschuss an diesem Tag also nicht über den Querschnitt, er lässt sich informieren. Das kann sich noch ändern.

Die nächste bindende Entscheidung dürfte erst der Baubeschluss im Mai oder Juni 2027 bringen. Baubeginn ist für das zweite Quartal 2028 geplant, fertig sein soll die neue Carolabrücke bis 2031.