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Streit um die Carolabrücke: Jetzt fordert der VCD einen Planungsstopp

Zweiteilige Collage: Links Pflasterstein-Uferpromenade mit Blick über die Elbe auf ein Ausflugsschiff und Gebäude. Rechts abgesperrter Bereich mit Bauzaun, Bannern und Überresten eines Brückenkopfs am Elbufer.
Streit um den Neubau an der Elbe: Während der VCD wegen Radweg-Führung und Verbreiterung der neuen Carolabrücke ein Moratorium fordert, stehen am Dresdner Ufer noch die Spuren des Brückeneinsturzes und der Aufräumarbeiten. Fotos: CdH
Nach der Kritik des ADFC geht der VCD einen Schritt weiter: Der Verband fordert einen Stopp der Planungen für die neue Carolabrücke. Auslöser sind ein breiteres Bauwerk und ein Radweg, der an der Seite bleiben muss.

Dresden. Der Streit um die neue Carolabrücke wird größer. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) fordert einen Stopp der Planungen. Die Dresdner Ortsgruppe verlangt ein Moratorium und, falls dem gewählten Entwurf nur vergaberechtliche und keine technischen Gründe entgegenstehen, die Rückabwicklung der Vergabe. „Diese Brücke geht an den Verkehrsbedürfnissen vorbei”, erklärt VCD-Sprecher Karsten Imbrock in einer Mitteilung.

Hintergrund sind zwei Änderungen am Siegerentwurf von FHECOR/TSSB, über die der Bauausschuss Ende September informiert wurde. Sie betreffen die Breite der Brücke und die Führung des Radwegs.

Von 32,50 auf 33,95 Meter: Warum die Brücke wächst

Mit 32,50 Metern war der Entwurf von FHECOR/TSSB der schmalste der vier Wettbewerbsbeiträge, schmaler sogar als die eingestürzte alte Brücke. Genau damit war geworben worden: weniger Baumasse, weniger Kosten, kleinerer Eingriff. Nun plant die Stadt mit 33,95 Metern, 1,45 Meter mehr, wie TAG24 aus dem Ausschuss berichtet.

Der Grund sind die Regeln der Technik. Radwege müssen, damit man überholen kann, mindestens 2,30 Meter breit sein. Zwischen Straßenbahn und Rad- beziehungsweise Fußweg muss ein Geländer hin, sonst geben die Dresdner Verkehrsbetriebe die Straßenbahnfahrten über die Brücke aus Sicherheitsgründen nicht frei. Dazu kommt mehr Abstand zu den Masten. Weitere Anpassungen schließt die Stadt nicht aus.

Der Radweg bleibt an der Seite, das ist der eigentliche Zankapfel

Die zweite Änderung wiegt für die Kritiker schwerer. Der Radweg Richtung Altstadt sollte von der Seite in die Mitte zwischen Straßenbahn und Autospuren wandern, damit Radfahrer nicht zweimal die Gleise queren müssen. Das ist vorerst vom Tisch. Nach Angaben der Stadt ist eine Umplanung vergaberechtlich bedenklich, weil die Lage des Radwegs ein Wertungskriterium des Wettbewerbs war.

Genau hier setzt der VCD an. Dass sich die Brücke für technische Vorgaben verbreitern lasse, der Radweg aber aus Vergabegründen nicht verlegt werden könne, sei nicht hinnehmbar. Der Verband wirft der Stadt außerdem vor, sie habe die Anforderungen den Planungsteams nicht einheitlich mitgeteilt, ohne das zu belegen.

Der ADFC kritisiert, fordert aber keinen Stopp

Der ADFC teilt die Kritik an der Seitenlage, geht aber weniger weit. Sie bringe zwei zusätzliche Gleisquerungen, lange Wartezeiten und mehr Konflikte zwischen Rad- und Fußverkehr, sagte Sprecher Jonas Geyer der Sächsischen Zeitung. Die vergaberechtlichen Bedenken müssten überprüft werden. Er beruft sich auf einen Stadtratsbeschluss vom 19. Juni 2025, der verlangt, genau solche Konfliktpunkte aufzulösen. Einen Planungsstopp verlangt der ADFC nicht.

Dass die Mittellage die bessere Lösung ist, sehen ohnehin nicht alle so. Team-Zastrow-Stadtrat Holger Zastrow hält die Seitenlage für vorteilhaft, viele Radfahrer führen lieber am Rand als zwischen Autos und Bahn. BSW-Stadtrat Ralf Böhme nannte einen Radweg mitten im Verkehr „psychologisch nicht zumutbar”. Der Streit dreht sich also nicht nur um Technik, sondern auch darum, was für Radfahrer angenehmer ist.

Opposition spricht von „Seifenblase”, Mehrheit bleibt gelassen

Für die Gegner des Entwurfs bestätigt die Verbreiterung alte Warnungen. Das Werben mit der geringsten Breite sei „nur eine Seifenblase” gewesen, sagte SPD-Stadtrat Stefan Engel der Sächsischen Zeitung, kaum fünf Wochen nach dem Beschluss sei die Brücke schon breiter. Linke-Fraktionschef André Schollbach sieht Versäumnisse der Verwaltung: Solche Unzulänglichkeiten hätten vor der Entscheidung auf den Tisch gehört. Außerhalb des Stadtrats meldete sich nach der Entscheidung auch die Architekturpublizistin Ursula Baus zu Wort. Sie warf der Ratsmehrheit vor, sich hinter dem Bürgervotum carolaVOTE zu verstecken (mehr dazu hier).

Die Mehrheit, die den Entwurf trug, bleibt dabei. CDU, Team Zastrow, FDP/FB und AfD hatten Anfang September geschlossen dafür gestimmt. CDU-Stadtrat Veit Böhm nannte die Verbreiterung zunächst nur eine Aufforderung an das Planungsbüro, eine andere Lösung sei weiter möglich. Die von seiner Fraktion gewünschte Radweg-Verlegung wolle man im weiteren Verfahren trotzdem weiterverfolgen.

Stadt sieht keine Verzögerung, zur Kostenfrage schweigt sie

Die Stadt bleibt bei ihrer Linie. Die Planung liege im Zeitplan, die Anpassungen führten zu keiner Verzögerung, die vertraglich vereinbarte Baukostenobergrenze gelte weiter. Was die Verbreiterung für das rund 140 Millionen Euro teure Projekt bedeutet, sagt sie nicht. Engel wie Schollbach dringen darauf, dass die Verwaltung die Kosten offenlegt, bevor sie aus dem Ruder laufen.

Offen ist auch, wie die Stadt die Widersprüche erklärt. Eine Presseanfrage dieser Redaktion zu Breite, Kosten und der vergaberechtlichen Begründung blieb bis zur Veröffentlichung unbeantwortet.