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Neun Straßenbäume für Dresden: Louisenstraße wird ab 2027 dauerhaft grün

Ein langes, flaches Holz-Pflanzbeet mit ersten Keimlingen steht auf dem Asphalt der Louisenstraße. Bunte Baken und weitere Beete verengen die Fahrbahn vor den bunten Häuserfronten und Graffitis der Dresdner Neustadt.
Kritikpunkt Falschparker: Die flachen Holzbeete und Schilder sollen den Straßenraum verengen, werden laut Stadt aber oft umparkt. Trotzdem bleiben die Elemente vorerst stehen, bis 2027 die finale Umbauplanung für den Stadtrat folgt. Foto: CdH
Fünf Monate Testphase, 901 Stimmen, ein klares Votum: Rund 80 Prozent der Befragten wollen die umgestaltete Louisenstraße dauerhaft. Bei einem Ziel aber sieht die Mehrheit die Stadt noch nicht am Ziel. Die Pflanz- und Sitzelemente bleiben trotzdem.

Dresden. Mehr Grün, mehr Sitzgelegenheiten, mehr Platz zum Verweilen: Die probeweise Umgestaltung der Louisenstraße in der Äußeren Neustadt kommt bei den Menschen gut an. Rund 80 Prozent der 901 Teilnehmer einer begleitenden Online-Befragung befürworten die Veränderungen und wünschen sich, dass sie dauerhaft bleiben. Die Stadt will die Pflanz- und Sitzelemente sowie die Fahrradbügel deshalb vor Ort lassen und die Straße zusätzlich mit Bäumen begrünen. Die Testphase zwischen Alaunstraße und Görlitzer/Rothenburger Straße lief von Juni bis zum 31. Oktober.

„Die Ergebnisse der Testphase zeigen deutlich, dass wir mit diesem Ansatz auf dem richtigen Weg sind“, sagt Baubürgermeister Stephan Kühn. Straßen sollten nicht nur den Verkehr aufnehmen, sondern Orte sein, an denen man sich gerne aufhalte.

Was die Umfrage ergab

Rund zwei Drittel der Befragten wohnen in der Äußeren Neustadt. Besonders hoch ist die Zustimmung bei den unter 30-Jährigen: 90 Prozent von ihnen befürworten die Umgestaltung, bei den Neustadt-Bewohnern sind es 82, bei überwiegend zu Fuß Gehenden 83 Prozent. Auch bei den einzelnen Zielen zeigt sich ein klares Muster: Die zusätzliche Begrünung (83 Prozent) und die bessere Aufenthaltsqualität (82 Prozent) kommen sehr gut an, der Fußverkehr immerhin bei 63 Prozent.

Fünf Personen (Daniel Hein, Stephan Kühn, André Barth, Klara Gaunitz, André Zschoge v.l.n.r.) sitzen hinter einem langen Tisch auf einer Pressekonferenz der Stadt Dresden. Im Hintergrund ist eine Präsentationsfolie „Louisenstraße im Wandel“ zu sehen.
Ergebnisse zur Louisenstraße: Stadtsprecher Daniel Hein, Baubürgermeister Stephan Kühn, André Barth (Leiter Stadtbezirksamt Neustadt), Klara Gaunitz (Kinder- und Jugendbüro) und André Zschoge (Amt für Stadtplanung und Mobilität, v.l.n.r.) präsentierten die Umfrage. 80 Prozent loben das Grün, die erhoffte Verkehrsberuhigung blieb aber aus. Foto: CdH

Deutlich kritischer fällt das Urteil dort aus, wo es um den Verkehr geht: Mit den Bedingungen für den Radverkehr sind nur 38 Prozent zufrieden, mit der angestrebten Verringerung des Autoverkehrs nur 31 Prozent. Hier sieht die Mehrheit die Ziele noch nicht erreicht. In den offenen Rückmeldungen wünschen sich viele mehr Bäume und Schatten, bessere Pflege und Sauberkeit; auch Verkehrssicherheit, Verkehrsberuhigung und der Wegfall von Stellplätzen beschäftigen die Menschen.

Kinder und Jugendliche haben mitgebaut

Ein Schwerpunkt lag auf der Beteiligung junger Menschen, die Klara Gaunitz vom Kinder- und Jugendbüro Dresden vorstellte. Schon seit 2024 ist das Thema fester Bestandteil des Projekts. 2025 gestalteten Kinder und Jugendliche unter dem Motto „Bau Dein Ding“ in einer Sommerferien-Aktion den Vorplatz des Louisengrüns, einen ehemaligen Car-Sharing-Platz. Sie reichten Skizzen ein, stimmten über die Umsetzung ab und bauten die Elemente anschließend selbst: einen Sprühnebler, Sitzgelegenheiten mit Begrünung, Hängematten und einen Wasser-Matsch-Sandkasten.

In der Testphase 2026 pflegten Jugendliche aus der Nachbarschaft sechs Pflanzkübel. Begleitet wurde das von Akteuren wie der mobilen Jugendarbeit Neustadt, dem Kinder- und Jugendhaus Louise, dem Abenteuerspielplatz Panama und der Schulsozialarbeit.

Ein Ärgernis: Autos zwischen den Elementen

Was ihn ein wenig ärgere, sei das Parken zwischen den neuen Elementen, sagte Stadtbezirksamtsleiter André Barth. Der Gemeindliche Vollzugsdienst kontrolliere zwar, könne aber nicht rund um die Uhr vor Ort sein – so werde die Wirkung der gewonnenen Freiflächen teilweise wieder aufgehoben.

Dass die Elemente beschmiert wurden, sieht die Stadt dagegen gelassen: In der Neustadt habe niemand erwartet, dass alles im Auslieferungszustand bleibe. Auf hilfreiche Hinweise aus der Nachbarschaft hin habe man die Anordnung einzelner Elemente bereits angepasst, so Barth – „genau dafür haben wir ja mit mobilen Elementen und einer Testphase gearbeitet“.

Neun Straßenbäume für 2027

Die mobilen Pflanz- und Sitzelemente und die Fahrradbügel sollen dauerhaft bleiben; einzelne hat die Stadt bereits neu angeordnet, auch um die vorhandenen Stellflächen besser zu berücksichtigen. Im zweiten Halbjahr 2027 kommen neun Straßenbäume dazu, gepflanzt in große Baumgruben mit Regenwasserbewirtschaftung, um die Neustadt an heißen Tagen abzukühlen.

Blick entlang der Louisenstraße in Dresden-Neustadt. Am linken Fahrbahnrand steht ein bunt bemaltes Pflanzgefäß mit Holzbank, dahinter rollt der Autoverkehr an Gründerzeit-Fassaden und Gastronomie-Geschäften vorbei.
Grün hui, Verkehrsberuhigung pfui: Das neue Begrünungselement mit Sitzbank auf der Louisenstraße sorgt für mehr Aufenthaltsqualität. Der Autoverkehr rollt jedoch weiter durch die Neustadt – 2027 sollen hier echte Bäume gepflanzt werden. Foto: CdH

Die Pflege der Pflanzen durch Anwohner und Jugendliche will die Stadt über Patenschaften stärken. Ein zweiter Baustein, die im Juli eingeführte Ampelschaltung mit „Diagonalgrün“ an der Kreuzung Alaunstraße/Görlitzer/Rothenburger Straße, wird noch bis Jahresende getestet; Anfang 2027 entscheidet die Stadt anhand der Messdaten, ob sie dauerhaft bleibt.

Wie es weitergeht

Mit den Ergebnissen bereitet die Stadt die eigentliche bauliche Umgestaltung vor; das Konzept erarbeitet das Amt für Stadtplanung und Mobilität mit den Büros Rehwaldt Landschaftsarchitektur und SHP Verkehrsplanung. Grundlage ist ein Stadtratsbeschluss von 2019, über die bauliche Umsetzung entscheidet am Ende der Stadtrat. Angestoßen hatte das Projekt der Stadtbezirksbeirat Neustadt, der 50.000 Euro für Bänke und Pflanzkübel beisteuerte.

SPD: Aus dem Test müssen dauerhafte Verbesserungen werden

Die SPD dringt darauf, die Erfahrungen konsequent in die dauerhafte Planung zu übernehmen. Landtagsabgeordnete Sophie Koch hob die Bedeutung konsumfreier Treffpunkte für junge Menschen hervor: Wie groß der Bedarf sei, zeigten die gut angenommenen Sitzbänke vor dem Gymnasium Dreikönigschule. „Wir dürfen junge Menschen nicht nur dann wahrnehmen, wenn es Konflikte gibt.“

Stadträtin und Co-Vorsitzende Julia Hartl forderte mehr Bäume, mehr Raum für Außengastronomie und mehr Orte zum Verweilen - eine schönere Gestaltung allein reiche aber nicht: „Die Louisenstraße ist keine Abkürzung für den Durchgangsverkehr, sondern ein Ort zum Leben.“ Stadtbezirksbeirat Felix Göhler nannte das Beteiligungsverfahren „beispielhaft“.