Neun Straßenbäume für Dresden: Louisenstraße wird ab 2027 dauerhaft grün
Dresden. Mehr Grün, mehr Sitzgelegenheiten, mehr Platz zum Verweilen: Die probeweise Umgestaltung der Louisenstraße in der Äußeren Neustadt kommt bei den Menschen gut an. Rund 80 Prozent der 901 Teilnehmer einer begleitenden Online-Befragung befürworten die Veränderungen und wünschen sich, dass sie dauerhaft bleiben. Die Stadt will die Pflanz- und Sitzelemente sowie die Fahrradbügel deshalb vor Ort lassen und die Straße zusätzlich mit Bäumen begrünen. Die Testphase zwischen Alaunstraße und Görlitzer/Rothenburger Straße lief von Juni bis zum 31. Oktober.
„Die Ergebnisse der Testphase zeigen deutlich, dass wir mit diesem Ansatz auf dem richtigen Weg sind“, sagt Baubürgermeister Stephan Kühn. Straßen sollten nicht nur den Verkehr aufnehmen, sondern Orte sein, an denen man sich gerne aufhalte.
Was die Umfrage ergab
Rund zwei Drittel der Befragten wohnen in der Äußeren Neustadt. Besonders hoch ist die Zustimmung bei den unter 30-Jährigen: 90 Prozent von ihnen befürworten die Umgestaltung, bei den Neustadt-Bewohnern sind es 82, bei überwiegend zu Fuß Gehenden 83 Prozent. Auch bei den einzelnen Zielen zeigt sich ein klares Muster: Die zusätzliche Begrünung (83 Prozent) und die bessere Aufenthaltsqualität (82 Prozent) kommen sehr gut an, der Fußverkehr immerhin bei 63 Prozent.
Deutlich kritischer fällt das Urteil dort aus, wo es um den Verkehr geht: Mit den Bedingungen für den Radverkehr sind nur 38 Prozent zufrieden, mit der angestrebten Verringerung des Autoverkehrs nur 31 Prozent. Hier sieht die Mehrheit die Ziele noch nicht erreicht. In den offenen Rückmeldungen wünschen sich viele mehr Bäume und Schatten, bessere Pflege und Sauberkeit; auch Verkehrssicherheit, Verkehrsberuhigung und der Wegfall von Stellplätzen beschäftigen die Menschen.
Kinder und Jugendliche haben mitgebaut
Ein Schwerpunkt lag auf der Beteiligung junger Menschen, die Klara Gaunitz vom Kinder- und Jugendbüro Dresden vorstellte. Schon seit 2024 ist das Thema fester Bestandteil des Projekts. 2025 gestalteten Kinder und Jugendliche unter dem Motto „Bau Dein Ding“ in einer Sommerferien-Aktion den Vorplatz des Louisengrüns, einen ehemaligen Car-Sharing-Platz. Sie reichten Skizzen ein, stimmten über die Umsetzung ab und bauten die Elemente anschließend selbst: einen Sprühnebler, Sitzgelegenheiten mit Begrünung, Hängematten und einen Wasser-Matsch-Sandkasten.
In der Testphase 2026 pflegten Jugendliche aus der Nachbarschaft sechs Pflanzkübel. Begleitet wurde das von Akteuren wie der mobilen Jugendarbeit Neustadt, dem Kinder- und Jugendhaus Louise, dem Abenteuerspielplatz Panama und der Schulsozialarbeit.
Ein Ärgernis: Autos zwischen den Elementen
Was ihn ein wenig ärgere, sei das Parken zwischen den neuen Elementen, sagte Stadtbezirksamtsleiter André Barth. Der Gemeindliche Vollzugsdienst kontrolliere zwar, könne aber nicht rund um die Uhr vor Ort sein – so werde die Wirkung der gewonnenen Freiflächen teilweise wieder aufgehoben.
Dass die Elemente beschmiert wurden, sieht die Stadt dagegen gelassen: In der Neustadt habe niemand erwartet, dass alles im Auslieferungszustand bleibe. Auf hilfreiche Hinweise aus der Nachbarschaft hin habe man die Anordnung einzelner Elemente bereits angepasst, so Barth – „genau dafür haben wir ja mit mobilen Elementen und einer Testphase gearbeitet“.
Neun Straßenbäume für 2027
Die mobilen Pflanz- und Sitzelemente und die Fahrradbügel sollen dauerhaft bleiben; einzelne hat die Stadt bereits neu angeordnet, auch um die vorhandenen Stellflächen besser zu berücksichtigen. Im zweiten Halbjahr 2027 kommen neun Straßenbäume dazu, gepflanzt in große Baumgruben mit Regenwasserbewirtschaftung, um die Neustadt an heißen Tagen abzukühlen.
Die Pflege der Pflanzen durch Anwohner und Jugendliche will die Stadt über Patenschaften stärken. Ein zweiter Baustein, die im Juli eingeführte Ampelschaltung mit „Diagonalgrün“ an der Kreuzung Alaunstraße/Görlitzer/Rothenburger Straße, wird noch bis Jahresende getestet; Anfang 2027 entscheidet die Stadt anhand der Messdaten, ob sie dauerhaft bleibt.
Wie es weitergeht
Mit den Ergebnissen bereitet die Stadt die eigentliche bauliche Umgestaltung vor; das Konzept erarbeitet das Amt für Stadtplanung und Mobilität mit den Büros Rehwaldt Landschaftsarchitektur und SHP Verkehrsplanung. Grundlage ist ein Stadtratsbeschluss von 2019, über die bauliche Umsetzung entscheidet am Ende der Stadtrat. Angestoßen hatte das Projekt der Stadtbezirksbeirat Neustadt, der 50.000 Euro für Bänke und Pflanzkübel beisteuerte.
SPD: Aus dem Test müssen dauerhafte Verbesserungen werden
Die SPD dringt darauf, die Erfahrungen konsequent in die dauerhafte Planung zu übernehmen. Landtagsabgeordnete Sophie Koch hob die Bedeutung konsumfreier Treffpunkte für junge Menschen hervor: Wie groß der Bedarf sei, zeigten die gut angenommenen Sitzbänke vor dem Gymnasium Dreikönigschule. „Wir dürfen junge Menschen nicht nur dann wahrnehmen, wenn es Konflikte gibt.“
Stadträtin und Co-Vorsitzende Julia Hartl forderte mehr Bäume, mehr Raum für Außengastronomie und mehr Orte zum Verweilen - eine schönere Gestaltung allein reiche aber nicht: „Die Louisenstraße ist keine Abkürzung für den Durchgangsverkehr, sondern ein Ort zum Leben.“ Stadtbezirksbeirat Felix Göhler nannte das Beteiligungsverfahren „beispielhaft“.