Begrünung der Louisenstraße: Dresden startet umstrittene Testphase
Dresden. Fünf Monate, rund 20 Parkplätze weniger und die Frage, ob es der Neustadt gefällt: Auf der Louisenstraße probt Dresden seit Freitag, 5. Juni, einen anderen Straßenraum. Statt parkender Autos sollen bis Ende Oktober Pflanzkübel, Bänke und Fahrradbügel den Abschnitt zwischen Alaunstraße und Rothenburger/Görlitzer Straße prägen, wie die Stadtverwaltung mitteilte. Das Vorhaben läuft unter dem Motto „Louisenstraße im Wandel".
Erprobt werde, wie sich Stadtklima, Mobilität und das Miteinander im Quartier verbessern ließen. Die mobilen Elemente stehen seit Mai auf den Seitenstreifen; befahrbar bleibt die Straße während der gesamten Phase in beide Richtungen.
Was auf der Straße steht
Vier Pflanzbeete markieren die Standorte für Straßenbäume, die 2027 folgen sollen. Hinzu kommen mehrere Pflanzkübel – teils mit Wasserspeicher für Hitzeperioden - sowie zwei Bänke mit integrierter Bepflanzung. Die Initiative „Gießkannenheld:innen" stellt zwei Wasserbehälter zum Gießen auf, dazu kommen drei zusätzliche Großmüllbehälter.
Auch die Mobilität soll profitieren: Sieben Fahrradbügel schaffen Platz für 14 Räder, zwei weitere sind für Lastenräder gedacht. Der angekündigte Umbau der Ampelkreuzung an der Rothenburger/Görlitzer Straße solle das Queren sicherer und barrierefreier machen.
Vereine und Studierende gestalten mit
Getragen wird der Test von der Nachbarschaft. Das Kinder- und Jugendbüro Dresden e. V. übernimmt die Bepflanzung und Betreuung von sechs Pflanzkübeln und führt auf der Vorfläche zum „Louisengrün" sein Projekt „Bau Dein Ding" fort. Der Stadtbezirksbeirat Neustadt finanziert Bänke und Kübel, die dauerhaft in der Straße verbleiben sollen.
Auch die TU Dresden ist beteiligt: Architekturstudierende entwarfen zwei Modelle für Stadtmobiliar. Eines soll nach derzeitiger Planung am Sonntag, 21. Juni, in der Louisenstraße aufgestellt werden, das zweite auf dem Dach der Sächsischen Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB).
Stimmen aus dem Rathaus
Baubürgermeister Stephan Kühn nannte die Testphase einen ersten Schritt zur baulichen Umgestaltung, die sich viele Neustädter seit Langem wünschten. Im kommenden Jahr solle der Abschnitt echte Straßenbäume erhalten, bewässert über ein Regenwasser-System. Er sei sicher, dass die Neugestaltung bei den Bewohnern gut ankomme.
Stadtbezirksamtsleiter André Barth verwies auf die Resonanz bei den Beteiligungsformaten. Das Engagement setze sich nun fort, indem sich zahlreiche Initiativen und Vereine einbrächten und Kinder Gießpatenschaften übernähmen.
Behutsamer Start statt Konfrontation
Ursprünglich sei der Test über einen längeren Abschnitt von der Königsbrücker bis zur Görlitzer/Rothenburger Straße geplant gewesen, sagte André Zschoge vom Stadtplanungsamt. Man habe ihn bewusst verkürzt: Ziel sei, Verständnis zu schaffen und keine Konfrontation zu suchen.
Auch beim Umgang mit Falschparkern setze die Stadt auf Augenmaß. Stünden Autos unberechtigt im Testbereich, werde zunächst sichergestellt, dass sie tatsächlich dort parkten, ehe abgeschleppt werde. Die Zufahrten der Anlieger würden freigehalten. Der Test solle ausdrücklich eine nicht-kommerzielle Aufenthaltsmöglichkeit bieten - ein Wunsch, den fast alle Beteiligten geäußert hätten.
Zustimmung und Kritik
Politisch bleibt das Projekt umstritten. Die Grünen-Stadträtin Ulla Wacker lud auch Kritiker ein, sich über den Sommer selbst ein Bild zu machen und Rückmeldung zu geben. Die CDU hatte den Beschluss des Stadtbezirksbeirats im Februar wegen der Kosten von rund 50.000 Euro kritisiert: Stadtbezirksbeirat Johannes Schwenk bemängelte fehlende Transparenz und verwies auf günstigere Kübel aus dem Baumarkt.
Dem hielt Zschoge entgegen, die Standorte seien anspruchsvoll und die überhitzte Straße verlange witterungsbeständige Sonderanfertigungen. Die rund 50.000 Euro deckten zudem nicht nur das Mobiliar ab, sondern auch die Pflanzen selbst und deren Pflege. Bei einem erfolgreichen Verlauf könnte der Test im kommenden Jahr wiederholt werden; die Kosten dürften dann niedriger ausfallen, weil sich die Module wiederverwenden ließen.
Grundlage des Projekts ist ein Stadtratsbeschluss vom 26. September 2019, der auf einen interfraktionellen Antrag der damaligen rot-grün-roten Kooperation aus dem Jahr 2018 zurückgeht. Das Konzept für die langfristige Umgestaltung erarbeitet das Amt für Stadtplanung und Mobilität mit dem Büro Rehwaldt Landschaftsarchitekten und SHP Verkehrsplanung; 2024 und 2025 brachten sich Anwohner, Gewerbe, Kultur sowie Kinder und Jugendliche ein.
Mitmachen bis Oktober
Eine Online-Umfrage des Amts für Stadtplanung und Mobilität begleitet die Testphase bis Ende Oktober. Rückmeldungen sind unter www.dresden.de/louisenstrasse möglich und sollen in die dauerhafte Planung einfließen.