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75 Jahre alt, fast komplett neu: So sieht Dresdens neue Scheune aus

Scheune Dresden
Die Scheune in der Dresdner Neustadt wird am 18.9.2025 wiedereröffnet. (Bild: Thomas Wolf)
Von: Thomas Wolf
Noch wird geschraubt, eingeräumt und an der Bühnentechnik gearbeitet. Doch der Neustart der Dresdner Scheune rückt näher: Beim ersten Presse-Rundgang zeigte sich, was Besucher ab dem 18. September erwartet – und warum das Kulturzentrum inzwischen rund elf Millionen Euro kostet.

Im Café stapeln sich noch die Akustikplatten, im Konzertsaal wird die Bühnentechnik aufgebaut und vor dem Gebäude sind die Außenanlagen noch nicht fertig. Gleichzeitig sitzen die ersten Mitarbeiter bereits in ihren neuen Büros. Die Scheune in der Dresdner Neustadt befindet sich auf den letzten Metern vor ihrer Wiedereröffnung.

Am Freitag, 18. September 2026, soll das Kulturzentrum nach dem jahrelangen Umbau wieder regulär öffnen. Bei einem ersten Presse-Rundgang am Dienstag, 28. Juli, gewährten die Landeshauptstadt Dresden und der Scheune e.V. einen Blick in das fast fertige Gebäude. Aus dem alten Kulturhaus ist ein deutlich größeres, technisch modernes und weitgehend barrierefreies Veranstaltungszentrum geworden.

„Bau heißt immer, auf den letzten Metern ist da noch richtig viel zu tun“, sagte Jens Lerch vom Amt für Hochbau und Immobilienverwaltung beim Rundgang. Die Strukturen seien inzwischen aber vollständig erkennbar. Der Scheune e.V. hat mit dem Einzug bereits begonnen und seine Büros im Gebäude bezogen.

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Elf Millionen Euro für die neue Scheune

Nach Angaben der Stadt werden insgesamt rund elf Millionen Euro in den Umbau, die Erweiterung und die technische Ausstattung investiert. Damit liegt die aktuelle Summe über den noch im Februar 2026 kommunizierten Kosten von 9,5 Millionen Euro für das Gebäude. Hinzu kamen damals rund 390.000 Euro Fördermittel für die Gestaltung der Außenanlagen. Die Sachsen News hatte über die Planungen, die Nachhaltigkeit und den vorgesehenen Abschluss der Bauarbeiten berichtet.

Ein Grund für die zusätzlichen Kosten waren Überraschungen in der alten Bausubstanz. So konnten einzelne Wände nicht wie geplant erhalten werden. Untersuchungen ergaben, dass der historische, stark sandhaltige Mörtel nicht mehr ausreichend tragfähig war. Die Wände mussten deshalb abgetragen und an derselben Stelle neu aufgebaut werden.

Auch unter dem Gebäude warteten unerwartete Hindernisse. Bei einer vorherigen Probeschürfung war zunächst normaler Boden gefunden worden. Nur rund einen Meter daneben stießen die Bauleute später jedoch auf umfangreiche Trümmerschichten. In dem aufgeschütteten Untergrund befinden sich Überreste der früheren Bebauung der Dresdner Neustadt.

Der Umbau war vor allem notwendig geworden, weil das 1951 errichtete und in den 1990er-Jahren teilweise sanierte Gebäude die heutigen Anforderungen an Brandschutz, Statik und Barrierefreiheit nicht mehr erfüllte. Seit Oktober 2022 wurde die Scheune grundlegend umgebaut und erweitert. Sie erhielt unter anderem einen neuen, unterkellerten Anbau an der Nordseite und wurde an den Längsseiten vergrößert.

Für Kulturbürgermeisterin Anne-Kathrin Klepsch besitzt das Projekt deshalb nicht nur eine bauliche Bedeutung. „Aber mir ist das natürlich als Kulturbürgermeisterin auch seit vielen Jahren eine Herzensangelegenheit, die Zukunft der Scheune mit dem Ersatzneubau zu begleiten.“

Konzertsaal für bis zu 550 Besucher

Das Herzstück des Gebäudes ist der neue große Konzertsaal. Er bietet auf rund 220 Quadratmetern Platz für etwa 540 bis 550 stehende Besucher. Die Spielfläche ist rund 92 Quadratmeter groß. Zusammen mit den weiteren Veranstaltungsbereichen ist das Gebäude für insgesamt ungefähr 750 Menschen ausgelegt.

Eine technische Besonderheit befindet sich über den Köpfen der Besucher. In früheren Planungen waren noch Stützen im Konzertsaal vorgesehen. Durch eine neue Stahlkonstruktion im Dach konnten diese entfallen. Die Decke hängt nun am Dachtragwerk. Dadurch bleibt der Raum offen und die Sicht auf die Bühne wird nicht durch Säulen beeinträchtigt.


Scheune Dresden Grosser Saal mit Bühne (Bild: Thomas Wolf)

Akustikelemente an Wänden und Decke sollen den Klang verbessern. Hinzu kommen eine neue Lüftungsanlage, Rauchabzugsfenster und moderne Veranstaltungstechnik. Als Boden wurde erneut Parkett verwendet. Das robuste Industrieparkett soll den Belastungen durch Konzerte, Partys und andere Veranstaltungen dauerhaft standhalten.

Auch das Foyer ist größer geworden. Dort entsteht ein neuer Tresen, der auf die Versorgung von mehreren Hundert Gästen ausgelegt ist. Im Café blieben Teile der historischen Bausubstanz sichtbar. Alte Wandflächen, die frühere Fensterfront und Übergänge zwischen Bestand und Erweiterungsbau sollen weiterhin erkennen lassen, wie das Gebäude vor dem Umbau aussah.

Die Scheune wird künftig über einen Aufzug in allen Geschossen erreichbar sein. Auch die Veranstaltungsräume und der Backstage-Bereich können barrierefrei genutzt werden. Hörschleifen sollen Menschen mit Hörbeeinträchtigungen bei Veranstaltungen unterstützen. Lediglich im historischen Altkeller lassen sich aufgrund der bestehenden Höhenverhältnisse nicht alle heutigen Standards vollständig umsetzen.

Fünf schwierige Jahre ohne eigenes Haus

Für den Scheune e.V. endet mit der Wiedereröffnung eine lange Übergangszeit. Der Verein musste sein Programm über Jahre ohne das eigentliche Kulturhaus organisieren. Ein wichtiger Spielort war das sogenannte Blechschloss, ein modularer Containerbau auf dem Scheunevorplatz. Größere Konzerte, Lesungen und Veranstaltungsreihen wurden in andere Dresdner Einrichtungen verlegt.

Das Interim war nicht nur eine räumliche, sondern auch eine organisatorische Herausforderung. Der Verein musste sein Programm am Leben halten, Kooperationen mit anderen Kulturorten aufbauen und gleichzeitig dafür sorgen, dass die Scheune weiterhin mit ihrem Standort in der Neustadt verbunden blieb.

Das Blechschloss wurde im Frühjahr 2026 abgebaut. Damit verschwand auch der bisherige Standort der Kiezsprechstunde des Neustadtkümmerers. Die Sachsen News berichtete über den Abbau und die neuen Sprechstundenorte.

Nun muss der Scheune e.V. innerhalb weniger Wochen seine Technik, Möbel und Arbeitsbereiche einrichten. Gleichzeitig gehen die letzten Bauarbeiten weiter. Das führe im Alltag noch zu Überschneidungen, berichtete der Verein beim Rundgang: Teilweise seien Helfer zum Einräumen bestellt worden, während in den betreffenden Räumen noch Fußleisten oder andere Bauteile fehlten.

Trotzdem überwiegt die Vorfreude. „Wir freuen uns sehr, dass wir wieder einziehen können. Wir haben all die Jahre darauf hingefiebert und hoffen, dass es jetzt irgendwie reibungslos startet“, sagte Frank Schöne vom Scheune e.V.

Historie: Vom Jugendheim zum Neustädter Kultort

Die Scheune wurde 1951 auf den Grundmauern einer im Zweiten Weltkrieg zerstörten Turnhalle eröffnet. Das zunächst als Jugendheim der FDJ genutzte Gebäude trug den Namen „Martin Andersen Nexö“. Jugendliche aus der Neustadt waren am Aufbau beteiligt. In den ersten Jahren gab es dort unter anderem Koch-, Näh-, Film-, Foto- und Musikzirkel.

Später kamen Tanzabende, ein Songklub, ein Jazzforum und ein Rockpodium hinzu. Zu einem über Dresden hinaus bekannten Ort der alternativen Kultur entwickelte sich das Haus besonders in den 1980er-Jahren. Neben Lesungen und Kabarett fanden dort zunehmend Folk-, Punk- und andere Konzerte statt. Seit 2007 wird das Kulturzentrum vom Scheune e.V. betrieben.

Zum 75. Jahr ihres Bestehens startet die Scheune nun in eine neue Phase. Das Eröffnungswochenende ist vom 18. bis 20. September geplant. Am Freitag beginnt das Festival „SCHEUNE IS BACK“ mit einer Revue und einem noch geheim gehaltenen Special Act. Am Samstag folgt ein eintrittsfreies „Open House“, bei dem Besucher das Gebäude kennenlernen können. Am Sonntag sind unter anderem ein nachbarschaftliches Format, eine Kinderdisco und am Abend ein Konzert mit dem Rapper Grim104 angekündigt.

Thomas Wolf
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Thomas Wolf

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