„Made WITH Taiwan“: Wie Dresden Europas Chip-Abhängigkeit verringert
Dresden. Ein Slogan aus Berlin soll zeigen, wohin die Zusammenarbeit mit Taiwan führen soll: „Made WITH Taiwan“ statt „Made IN Taiwan“. Mit dieser Formel warb Taiwans Vizeaußenminister François Wu bei einem Treffen mit dem Parlamentarischen Freundeskreis Berlin-Taipei. Für den Dresdner CDU-Bundestagsabgeordneten Markus Reichel, stellvertretender Vorsitzender des Freundeskreises, ist seine Stadt das beste Beispiel, wie aus dieser Idee konkrete Industrie wird.
„Taiwan ist für uns weit mehr als ein wichtiger Handelspartner“, sagt Reichel. „Mit der Ansiedlung von TSMC in Dresden wird aus internationaler Zusammenarbeit eine ganz konkrete Zukunftsperspektive für unsere Region.“ Hinter der Botschaft steckt die Idee, Technologie gemeinsam zu entwickeln und zu produzieren, statt fertige Produkte zu importieren.
TSMC, Infineon, GlobalFoundries: das Dresdner Halbleiter-Ökosystem
Konkret meint Reichel die Investition des taiwanischen Halbleiterkonzerns TSMC in das Gemeinschaftsunternehmen ESMC (European Semiconductor Manufacturing Company). Sie soll Dresden als einen der größten Mikroelektronikstandorte Europas festigen. Zusammen mit Infineon und GlobalFoundries sowie zahlreichen mittelständischen Zulieferern, Forschungseinrichtungen und Technologiefirmen wächst in und um Dresden ein eng vernetztes Halbleiter-Umfeld. Wie präsent die taiwanische Verbindung inzwischen ist, zeigt sich bis auf die Straße: Seit dem Sommer rollt eine DVB-Straßenbahn im ESMC-Design durch die Stadt.
Für Reichel geht es dabei um mehr als einzelne Werke. „Made WITH Taiwan bedeutet für mich: Wir wollen nicht nur fertige Produkte importieren, sondern gemeinsam entwickeln, produzieren und Wertschöpfung schaffen. Genau das geschieht in Dresden“, so der Abgeordnete. Davon profitierten die Unternehmen, der Mittelstand und die Menschen vor Ort.
Grundstein in Prohlis: ein Campus für die Fachkräfte von morgen
Den regionalen Bezug liefert ein Termin dieser Woche. Am Montag, 2. November, wurde in Dresden-Prohlis der Grundstein für das neue Berufsschulzentrum für Elektrotechnik gelegt. Nach Angaben Reichels fließen rund 102 Millionen Euro in den Campus, an dem künftig etwa 2.250 Schülerinnen und Schüler ausgebildet werden sollen, unter anderem in Mikrotechnologie, Mechatronik, Elektrotechnik und Informatik. Die Europäische Union beteilige sich mit 77,5 Millionen Euro.
Beide Ereignisse gehören für Reichel zusammen. „In Berlin sprechen wir mit Taiwan über die Zukunft der Halbleiterindustrie. Und in Dresden-Prohlis legen wir in derselben Woche den Grundstein für die Ausbildung der Fachkräfte, die diese Zukunft gestalten werden“, sagt er. Erfolgreiche Wirtschaftspolitik heiße, internationale Investitionen zu gewinnen, regionale Unternehmen einzubinden und zugleich in die nötigen Fachkräfte zu investieren.
Warum die Berufsausbildung so wichtig wird
Reichel legt den Schwerpunkt bewusst auf die berufliche Bildung. Die wachsende Chipindustrie brauche nicht allein Ingenieure und Wissenschaftler, sondern ebenso gut ausgebildete Mikrotechnologen, Mechatroniker und Elektroniker. Wie groß der Personalhunger ist, zeigten zuletzt TSMC und Infineon mit einer gemeinsamen Job-Offensive. Die duale Ausbildung und die enge Verzahnung von Schulen und Unternehmen zählt Reichel zu den wichtigsten Standortvorteilen der Region.
„Wir dürfen die wirtschaftliche Entwicklung nicht allein an der Höhe von Investitionen messen“, sagt er. „Entscheidend ist, was daraus für unsere Region entsteht: sichere und qualifizierte Arbeitsplätze, Chancen für junge Menschen und neue Aufträge für unseren Mittelstand.“ Der Campus in Prohlis zeige, dass die Chipindustrie weit über die Fabrikstandorte im Dresdner Norden hinauswirke.
Strategische Frage für Deutschland und Europa
Über Dresden hinaus sieht Reichel die Zusammenarbeit mit Taiwan als strategische Aufgabe. Gerade bei Schlüsseltechnologien wie Halbleitern brauche Europa verlässliche Partner, widerstandsfähige Lieferketten und eigene industrielle Kompetenz. „Dresden zeigt, wie aus internationaler Partnerschaft regionale Stärke wird“, sagt er. Mit dem Berufsschulcampus investiere man nun auch in die nächste Generation, die diese Partnerschaft mit Leben füllen solle.