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Dresdens Chip-Boom bricht jetzt alle Rekorde

Blick von oben auf eine große Eventhalle mit Stuhlreihen voller Publikum. Auf der grün-gelben Bühne steht ein Redner vor einer Präsentation mit dem Titel „Pillar III“. Links im Hintergrund sind Ausstellungsstände erkennbar.
Die Silicon Saxony Days locken über 2.000 Experten. Während die Wirtschaft bundesweit lahmt, wächst Sachsens IT- und Chipsektor auf 82.500 Jobs. Foto: NvdH
Von: Cornelius de Haas
Während Deutschland wirtschaftlich stagniert, wächst Sachsens Hightech-Sektor weiter. Zum Jubiläum der Silicon Saxony Days kommen mehr internationale Gäste als je zuvor - und die Beschäftigtenzahl knackt eine neue Marke. Doch hinter der Erfolgskulisse wächst auch der Druck.

Dresden. Während in Magdeburg Intels Milliardenprojekt still und leise beerdigt wurde, brummt es im Silicon Saxony wie selten zuvor: 82.500 Menschen arbeiten inzwischen in Sachsens Mikroelektronik- und Softwarewirtschaft - 1.500 mehr als noch ein Jahr zuvor. Und ausgerechnet jetzt, zum 25. Geburtstag des Clusters, reisen mehr als 2.000 Vertreterinnen und Vertreter aus 14 internationalen Delegationen nach Dresden, um drei Tage lang über Chips, KI und die Zukunft Europas zu diskutieren.

Der Kontrast zum Rest der deutschen Wirtschaft könnte kaum schärfer sein: Während viele Branchen weiter unter schwacher Konjunktur leiden, legte Sachsens Hightech-Sektor um knapp zwei Prozent zu - gleichmäßig verteilt auf Halbleiterindustrie und Softwarebranche.

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Nicht nur Chipfabriken: Der Mittelstand treibt das Wachstum

Das Plus von 1.500 Stellen kommt nicht allein aus den großen Fabrikhallen. Zunehmend sind es mittelständische Zulieferer und Dienstleister, die das Silicon-Saxony-Ökosystem verbreitern: Anbieter von Reinrauminfrastruktur, Spezialgasen, Messtechnik, Robotik und industriellen KI-Lösungen. Allein im vergangenen Jahr haben internationale Unternehmen wie Air Liquide, Exyte, Mitutoyo Europe, SMC Corporation oder EBARA Precision Machinery Europe ihre Präsenz in Sachsen ausgebaut oder neue Aktivitäten angekündigt.

Foto aus der Perspektive des Publikums in einer großen Eventhalle mit einer industriellen Stahlträger-Dachkonstruktion. Auf der Bühne steht neben der Aufschrift „SILICON SAXONY DAYS“ ein Redner im hellen Anzug neben einer großen Präsentationswand, die eine Grafik mit der Überschrift „Employment figures Saxony“ und statistische Daten zum Beschäftigungswachstum zeigt.
Wachstumstreiber im Silicon Saxony: Auftakt der internationalen „Silicon Saxony Days“ am 15. Juni 2026. Vor über 2.000 Branchenvertretern werden in Dresden zum 25. Cluster-Jubiläum neue Rekordzahlen präsentiert: Entgegen dem Bundestrend wächst der sächsische Hightech- und Softwaresektor auf mittlerweile 82.500 Beschäftigte. Foto: NvdH

Die Wachstumsimpulse beschränken sich damit längst nicht mehr auf die Chipfertigung selbst, sondern erfassen das gesamte industrielle Ökosystem - und machen den Standort nach Einschätzung des Clusters widerstandsfähiger gegen globale Schwankungen.

Silicon Saxony Days: 25 Jahre Cluster, ein neues Format

Das Jubiläum fällt in ein besonderes Jahr: Silicon Saxony wurde am 19. Dezember 2000 gegründet und feiert sein 25-jähriges Bestehen mit einem Konferenzformat, das größer und internationaler ist als je zuvor. Taiwan ist in diesem Jahr Special Partner der Veranstaltung. Gleichzeitig unterzeichnen Sachsen und Finnland ein Memorandum of Understanding, und das Deutsche Taiwanische Wirtschaftsnetzwerk startet offiziell. Auch die europäische Halbleitergemeinschaft trifft sich in Dresden: Im Rahmen von IPCEI Connect kommen Vertreter zahlreicher europäischer Großprojekte entlang der Halbleiterwertschöpfungskette zusammen.

Für die Start-up-Szene gibt es ebenfalls Premieren: Rund 75 Startups präsentieren sich, darunter im Rahmen einer Robotics Challenge von Infineon. Erstmals werden in diesem Jahr auch die Silicon Saxony Startup Awards verliehen.

TSMC stellt ein, Infineon baut: Dresdens größte Baustellen nehmen Fahrt auf

Hinter den Konferenzsälen laufen in Dresden die größten Industriebauprojekte der Stadtgeschichte. Die ESMC – das Gemeinschaftswerk von TSMC, Bosch, Infineon und NXP - feierte im Januar 2026 Richtfest in Dresden-Klotzsche. Die Produktion soll Ende 2027 anlaufen; Fabrikleiter Christian Koitzsch bestätigte Mitte Juni gegenüber dem Handelsblatt, dass die Personalrekrutierung nun „massiv" hochgefahren wird. Aktuell arbeiten rund 100 Mitarbeiter am Standort, 40 davon kommen aus Taiwan. Das Zehn-Milliarden-Euro-Projekt steht damit im deutlichen Kontrast zum gescheiterten Intel-Werk in Magdeburg, das den Traum einer zweiten deutschen Chipmetropole vorerst beendete.

Auch Infineon liegt beim Bau eines weiteren Werks direkt neben den bestehenden Produktionslinien im Zeitplan - der Produktionsstart ist für Herbst 2026 geplant. Bis zu 1.000 zusätzliche Arbeitskräfte werden dort gesucht. Dass solche Großprojekte auch scheitern können, zeigt die Branchengeschichte: Die ehemalige Infineon-Sparte Qimonda brach krachend zusammen, Globalfoundries schickte seine Belegschaft mehrfach in Kurzarbeit.

Der blinde Fleck der Erfolgsmeldung: Wo kommen die Fachkräfte her?

Die Pressemitteilung von Silicon Saxony schweigt zu einem strukturellen Problem, das Branchenkenner seit Jahren beschäftigt: dem Fachkräftemangel. Die Nachfrage nach Spezialisten für Reinraumproduktion, Anlagentechnik und Halbleiterdesign wächst schneller als das Ausbildungsangebot. Dresden reagiert: Die Stadt baut derzeit Deutschlands größte und modernste Berufsschule, um mehr als 2.000 Elektro- und Elektronikspezialisten auszubilden.

Für TSMC und ESMC bedeutet das, dass ein erheblicher Teil der Belegschaft zunächst aus dem Ausland - vor allem aus Taiwan - geholt werden muss. Das stellt die Stadt vor Herausforderungen weit jenseits der Fabrikhallen: Dresden arbeitet mit ESMC zusammen, um Wohnraum, Schulplätze und ÖPNV-Anbindungen für die international zusammengesetzte Belegschaft zu schaffen. Der Wachstumskurs von Silicon Saxony ist real - aber er steht und fällt mit der Frage, ob der Standort schnell genug die Menschen findet, die die neuen Fabriken zum Laufen bringen.

Nachhaltigkeit als neues Thema: Zwei Gates für grüne Chipfertigung

Neben Halbleitern, KI und Digitalisierung rückt in diesem Jahr Nachhaltigkeit in den Fokus. Neu im Programm: das Sustainability Gate, das Fragen rund um Ressourceneffizienz, Kreislaufwirtschaft und nachhaltiges Elektronikdesign bündelt. Das ergänzende Zero Emissions Fab Gate richtet sich gezielt an die Herausforderungen moderner Chipfabriken - von Abgas- und Abwasserbehandlung über Wasserwiederverwendung bis hin zu resilienten Infrastrukturkonzepten für die nächste Fabrikgeneration. Damit setzt die Branche ein Signal: Technologische und ökologische Ambitionen müssen künftig gemeinsam gedacht werden.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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