Glanz und Geheimnisse: Die Bilanz der Dresdner Wirtschaftsförderung 2025
Dresden. Wer wissen will, wie es um den Wirtschaftsstandort Dresden steht, bekommt vom Amt für Wirtschaftsförderung eine Antwort: zwölf Unternehmensansiedlungen im Jahr 2025. Drei Seiten Pressemitteilung. Kein einziger Arbeitsplatz in Zahlen.
Die Strahlkraft des Standorts, so teilt die Behörde mit, sei international spürbar. Anfragen aus Taiwan, Japan und Singapur. Messen in Hannover und München. Als Treiber gilt die ESMC-Halbleiterfabrik im Dresdner Norden - ein Gemeinschaftsunternehmen von TSMC, Infineon, Bosch und NXP, derzeit im Bau. Wirtschaftsbürgermeister Jan Pratzka erklärte, global agierende Unternehmen betrachteten eine Niederlassung in Dresden mittlerweile als „absolut notwendig".
Vier namentlich genannte Unternehmen stehen hinter dieser Aussage: Mitutoyo aus Japan mit einem neuen Kompetenz-Center im TechnologieZentrum Dresden-Süd, Marketech International Corp. aus Taiwan, Elemental Scientific Inc. aus den USA - beide Zulieferer der Halbleiterfertigung - sowie das Recyclingunternehmen Pfaffelhuber in Cossebaude. Die übrigen acht Ansiedlungen nennt die Mitteilung nicht.
Drei von zwölf
Wie viele der zwölf Ansiedlungen tatsächlich auf internationale Akquise zurückgehen, fragte die „DieSachsenNews" beim Wirtschaftsbürgermeister nach. Die Antwort: drei. Direkt zurückzuführen auf Dienstreisen nach Taiwan und Singapur. Rund die Hälfte aller eingehenden Anfragen stamme aus dem Ausland - wie viele davon zu Ansiedlungen führen, blieb offen.
Wie viele Arbeitsplätze entstanden sind, nannte die Stadt ebenfalls nicht. Unternehmen begännen „meist mit wenigen Mitarbeitern vor Ort", hieß es. Die Investitionsvolumina: „mehrere einhunderttausend bis mehrere Millionen Euro". Die ESMC-Fabrik soll zum Vergleich rund 2.000 direkte Stellen schaffen.
23,6 Millionen - aber für wen?
Ob Fördermittel geflossen sind, wollte die Stadt nicht beantworten. Man sei selbst „kein Fördermittelgeber". Zuständig sei die Sächsische Aufbaubank.
Die SAB antwortete auf Anfrage: Zu konkreten Vorhaben keine Auskunft, Bank- und Verwaltungsgeheimnis. Was sie nennen konnte: Für den gesamten ehemaligen Regierungsbezirk Dresden - fünf Landkreise plus Stadtgebiet - flossen 2025 gut 23,6 Millionen Euro in Unternehmensansiedlungen, je zur Hälfte von Bund und Freistaat. Genutzt wurden die GRW-RIGA-Richtlinie und die Richtlinie Regionales Wachstum. Welcher Anteil davon auf die zwölf Dresdner Ansiedlungen entfällt, lässt sich aus der Auskunft nicht ableiten.
Einen messbaren Return on Investment könne die Stadt nicht ermitteln, hatte Pratzkas Büro zuvor mitgeteilt.
Die Energiefrage bleibt offen
Zum Wasserverbrauch der ESMC-Fabrik lieferte die Stadt eine konkrete Zahl: Von 100 Litern Wasserentnahme aus der Elbe fließen rund 90 Liter gereinigt zurück, etwa 500 Meter flussabwärts. Den Energieverbrauch der Fabrik und seine Vereinbarkeit mit den kommunalen Klimaschutzzielen ließ der Geschäftsbereich unbeantwortet.
Breite Basis, keine Belege
Das Risiko einer Abhängigkeit von der Halbleiterbranche sieht die Stadt nicht. Man sei breit aufgestellt: Life Sciences, Softwarebranche, Robotics, Mittelstand, Handwerk. Zahlen zur Branchenverteilung legte die Behörde nicht vor. 2022/23 verzeichnete die Halbleiterbranche einen Nachfrageeinbruch infolge globaler Überkapazitäten.
Das Projekt Wirtschaftsstandort Dresden läuft weiter. Wann ausgewertet wird - und nach welchen Kriterien - teilte die Stadt nicht mit.