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Geschwister aus Dresden fordern die KI-Welt heraus

Drei Personen lächeln hinter einem Tisch mit drei modernen Server-Gehäusen in Holzoptik. Im Hintergrund hängen Aufsteller mit dem Firmenlogo Mindspace.
Sichere KI ohne Cloud-Zwang: Giannina und Carlo Pfefferkorn von Mindspace Solutions präsentieren mit Theodor Glöer (v.l.) den in Dresden gefertigten KI-Server HELION. Das Gerät verarbeitet sensible Daten direkt im Firmennetzwerk. Foto: meeco Communication Services
Künstliche Intelligenz nutzen, ohne dass sensible Firmendaten in eine US-Cloud wandern: Darauf setzen zwei junge Dresdner mit ihrem Start-up. Ihr KI-Server arbeitet komplett im eigenen Firmennetz, ohne Internetverbindung.

Dresden. Viele Unternehmen würden künstliche Intelligenz gern einsetzen, scheuen aber den Weg über die großen Anbieter. Denn wer ChatGPT und ähnliche Dienste nutzt, schickt seine Anfragen in der Regel in eine Cloud, meist auf Servern US-amerikanischer Konzerne. Für sensible Planungs-, Forschungs- oder Personaldaten ist das heikel, manchen Firmen ist es vertraglich sogar untersagt. Genau hier setzt das Dresdner Start-up Mindspace Solutions an. Sein KI-Server mit dem Namen HELION arbeitet ohne Cloud und ohne Internetverbindung, allein im Firmennetzwerk des Kunden.

Zwei Geschwister, ein Scheideweg

Hinter der Firma stehen Giannina und Carlo Pfefferkorn, Schwester und Bruder, 26 und 22 Jahre alt. Sie hat Kommunikationswissenschaft und Soziologie an der TU Dresden studiert und im Marketing erlebt, wie die KI-Welle Unternehmen erfasste und viele überforderte. Er arbeitete sich als Informatikstudent tief in die Technik ein. Jahrelang tauschten sich beide über das Thema aus, bis sie an einem Punkt die Grundsatzfrage stellten: Lässt sich diese Technologie mit all ihren Vorteilen nutzen, oder überwiegen am Ende die Risiken?

Ihre Antwort war, selbst einzusteigen. „Gerade aufgrund unseres Alters wollen wir hier unseren Beitrag leisten und die Region unterstützen", sagen die Geschwister, beide aus Unternehmerfamilien. Mitte des vergangenen Jahres entschieden sie sich, neben Beratung und Schulung auch ein eigenes Produkt zu entwickeln. Mit Fördermitteln der Europäischen Union und des Freistaates Sachsen brachten sie den Server innerhalb des ersten Jahres nach der Gründung auf den Markt.

Der Reiz: Die Daten bleiben im Haus

Das Prinzip ist bewusst einfach gehalten. Stecker in die Steckdose, Laptop auf, loslegen, so beschreibt die Firma die Einrichtung. Ein Onboarding führe neue Nutzer Schritt für Schritt durch die Installation, eine eigene IT-Abteilung brauche es dafür nicht. Weil der Server nicht am Internet hängt, sei ein Datenabfluss „nicht nur unerwünscht, sondern technisch ausgeschlossen", sagt Carlo Pfefferkorn.

Dass die Idee im Alltag trägt, erprobt Mindspace gemeinsam mit der Dresdner Filmproduktion Blackfire Medien. Deren Geschäftsführer Theodor Glöer steuerte Praxiswissen bei. Seine Branche ist ein gutes Beispiel für den Bedarf: „Oft produzieren wir Werbefilme für Produkte, die noch gar nicht auf dem Markt sind. Das ist hochsensibel, denn unsere Planung darf nicht über die Cloud laufen", sagt Glöer. Mit einer lokalen KI lasse sich Zeit sparen, ohne Verträge und Sicherheitsstandards zu verletzen.

Drei Größen, gefertigt in Dresden

Die Geräte tragen nach Firmenangaben die CE-Kennzeichnung und sind in drei Größen erhältlich, gestaffelt nach der Zahl der Nutzer, vom kleineren Modell für Teams bis zu einer Variante für rund 100 Personen. Die Preise liegen zwischen 6.500 und 15.000 Euro, größere Modelle sind in Entwicklung. Gefertigt werden die Server nach Angaben des Unternehmens in eigener Produktion in Dresden.

Für die Gründer geht es um mehr als ein einzelnes Gerät. Sie wollen auch kleineren Firmen Werkzeuge an die Hand geben, die bisher den großen Anbietern vorbehalten schienen. „Mit einem transparenten und sicheren Produkt wollen wir die Angst vor der KI und ihren berechtigten Risiken nehmen", sagt Giannina Pfefferkorn.