600 Euro für Miete und Essen: Studie zeigt bittere Realität für Studierende in Dresden
Dresden. Erst die Zusage der Uni, dann der Wettlauf um ein Zimmer: Für vier von fünf Studierenden in Dresden und Ostsachsen beginnt das Studium mit einem Umzug - und für viele mit blankem Stress. 59 Prozent geben an, zu Studienbeginn unter Druck gestanden zu haben, schnell eine Unterkunft finden zu müssen. Das zeigt eine Befragung im Auftrag des Studentenwerks Dresden, an der von Mitte November bis Mitte Dezember 2025 insgesamt 3.529 Studierende aus Dresden, Görlitz, Zittau und Tharandt teilnahmen, wie das Studentenwerk am Freitag mitteilte.
Studieren mit 600 Euro: Die finanzielle Lage der Studierenden
Die Zahlen zeichnen das Bild einer Generation unter Dauerdruck: 70 Prozent der Befragten verfügen über ein monatliches Gesamtbudget von maximal 1.000 Euro, 22 Prozent müssen sogar mit höchstens 600 Euro auskommen - für Miete, Essen, Bücher und alles andere. Nur rund jeder vierte Befragte erhält BAföG. Die Folgen sind messbar: 56 Prozent sorgen sich wegen steigender Wohnkosten, mehr als ein Viertel verzichtet in anderen Lebensbereichen wie Freizeit oder Ernährung, um die Miete zahlen zu können. Mehr als die Hälfte bewertet den studentischen Wohnungsmarkt als schwierig.
Mathias Fröck, stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender des Studentenwerks und Mitglied im Studierendenrat der TU Dresden, ordnete die Ergebnisse drastisch ein: Viele Studierende zahlten über 50 Prozent ihres Einkommens für die Wohnung, die Mieten in Dresden seien seit 2020 um über 18 Prozent gestiegen.

Eine bezahlbare Wohnung sei kein Luxus, sondern Grundlage, um sich auf das Studium konzentrieren zu können. Fröck sieht darin dringenden Reformbedarf beim BAföG - und Bedarf an weiterer Unterstützung für den Wohnheimbau.
Wohnheim als Rettungsanker: 296 Euro statt 490 Euro Miete
Wie groß der Preisunterschied ist, macht die Umfrage konkret: Ein Wohnheimplatz des Studentenwerks kostet im Durchschnitt 296 Euro - inklusive aller Nebenkosten und Möblierung. Die Spanne reicht von 174 Euro für ein unsaniertes WG-Zimmer bis 420 Euro für ein modernes Einzelapartment. Wer dagegen privat allein wohnt, zahlt laut Befragung durchschnittlich 490 Euro; wer mit Partner, Familie oder in einer privaten WG lebt, im Schnitt 400 Euro. Entsprechend nennen 78 Prozent der aktuellen Wohnheimmieter die günstige Miete als wichtigsten Grund für ihre Wohnform, gefolgt von den Pauschalnebenkosten (65 Prozent) und der günstigen Lage (61 Prozent).
Die Kehrseite des Erfolgs: Die Nachfrage übersteigt das Angebot regelmäßig. Nach Angaben des Studentenwerks kann die Wartezeit auf einen Wohnheimplatz mehrere Monate betragen - insbesondere für die begehrten Einzelapartments und zum Wintersemester. Genau diese Wohnform wünschen sich aber die meisten: 58 Prozent der befragten Mieter würden ein Einzelapartment mit eigener Küche und eigenem Bad bevorzugen - tatsächlich wohnt darin nur gut ein Viertel, 62 Prozent leben in einer WG.
Neubau und Sanierung: Was gegen die Wohnungsnot getan wird
Mit 38 Wohnheimen und rund 6.500 Plätzen in Dresden, Tharandt, Zittau und Görlitz zählt das Studentenwerk zu den größten Anbietern studentischen Wohnraums in Sachsen. Um das Angebot auszubauen, ist ein Neubau an der Fritz-Löffler-Straße in Dresden mit 149 zusätzlichen Wohnplätzen geplant. Parallel laufen Sanierungen - 2025 wurde das Wohnheim Gerokstraße komplett saniert, derzeit werden die Zimmer im Wohnheim Borsbergstraße renoviert. Finanziert werden die Investitionen auch über das Bundesprogramm „Junges Wohnen" und Mittel des Freistaats Sachsen.
Geschäftsführer Michael Rollberg erklärte, bezahlbarer Wohnraum sei für viele Studierende Mangelware und zugleich eine zentrale Voraussetzung für ein erfolgreiches Studium; die Wohnheime leisteten hier einen wichtigen Beitrag.
Hohe Zufriedenheit trotz angespannter Lage
Trotz aller Engpässe stellen die Bewohnerinnen und Bewohner den Wohnheimen ein gutes Zeugnis aus: 96 Prozent der aktuellen und 85 Prozent der ehemaligen Mieter würden sie weiterempfehlen, die Gesamtzufriedenheit liegt bei der Schulnote 2,1. Das Studentenwerk wertet die Ergebnisse als Signal, dass studentisches Wohnen auch künftig besondere Aufmerksamkeit benötige - als Faktor für soziale Teilhabe, Chancengleichheit und Studienerfolg.