Ein Unfall im Kernkraftwerk oder ein Zwischenfall im Labor: Radioaktive Stoffe können in den menschlichen Körper gelangen – durch Einatmen, Verschlucken oder über Wunden. Gelangen sie einmal in den Körper, lagern sie sich in Organen oder Knochen ein. Die Folgen können gravierend sein. Doch was tun? Weltweit gibt es bislang nur ein einziges zugelassenes Medikament für solche Fälle. Das wirkt jedoch nur gegen einen Teil der radioaktiven Elemente.
Jason Ross forscht genau an diesem Problem. Der Doktorand der Technischen Universität Dresden (TUD) und Gastwissenschaftler am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) arbeitet daran, neue Wirkstoffe zu entwickeln, die radioaktive Stoffe aus dem Körper entfernen. Für seine Arbeit erhält er nun das renommierte Roy-G.-Post-Stipendium.
Ein Team aus zwei Ländern
Allein forscht Ross nicht. Das Projekt ActiDecorp verbindet Forschende aus Deutschland und Frankreich. Die TUD und das HZDR arbeiten zusammen mit der Université de Strasbourg, der Université Bourgogne Europe in Dijon und der französischen Strahlenschutzbehörde ASNR in Paris. Während in Dresden die grundlegenden chemischen Untersuchungen stattfinden, werden in Straßburg neue Chelatstrukturen hergestellt und in Dijon auf ihre Stabilität geprüft. In Paris testen Wissenschaftler die vielversprechendsten Kandidaten dann am Tiermodell.
Die Forschung hat Bedeutung weit über die Medizin hinaus – etwa für die Sanierung kontaminierter Böden oder neue Technologien zur Erkennung radioaktiver Stoffe in der Umwelt.