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Fr1da-Studie wächst: Diabetes bei Kindern erkennen, bevor er ausbricht

Gesund – und trotzdem gefährdet? Bei Typ-1-Diabetes beginnt die Erkrankung oft Jahre vor den ersten Anzeichen. Die Dresdner Fr1da-Studie sucht genau danach.
Frühzeitig testen lassen: Ein einfacher Bluttest beim Kinderarzt kann Typ-1-Diabetes erkennen, lange bevor die Kleinen Symptome zeigen. © pixabay/Joshua Choate
Von: Wissensland
Ein einfacher Bluttest beim Kinderarzt kann Leben verändern. Die Dresdner Studie Fr1da sucht nach frühen Zeichen von Typ-1-Diabetes. Lange bevor Kinder krank werden. Die Ergebnisse überzeugen. Jetzt wird das Angebot auf zwölf Bundesländer ausgeweitet.

Ein Kind spielt, lacht, fühlt sich kerngesund. Und trotzdem kann eine Erkrankung bereits im Körper beginnen. Bei Typ-1-Diabetes entwickelt sich die Krankheit oft Jahre, bevor erste Symptome auftreten. Eine Studie aus Dresden will genau das sichtbar machen.

Fr1da heißt das Programm, das Familien die Möglichkeit bietet, ihre Kinder zwischen zwei und zehn Jahren auf frühe Zeichen von Typ-1-Diabetes testen zu lassen. Getragen wird es in Sachsen vom Zentrum für Regenerative Therapien Dresden (CRTD) der Technische Universität Dresden und dem Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden. Ab Mai 2026 wächst die Studie. Fünf weitere Bundesländer kommen hinzu, darunter Brandenburg, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Damit ist Fr1da in insgesamt zwölf Bundesländern verfügbar.

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Wie funktioniert der Test?

Beim Typ-1-Diabetes greift das eigene Immunsystem die Zellen in der Bauchspeicheldrüse an, die Insulin produzieren. Insulin ist lebenswichtig: Es sorgt dafür, dass der Körper Zucker aus dem Blut in die Zellen aufnehmen kann. Lange bevor Kinder Symptome entwickeln, sind im Blut bestimmte Antikörper des Immunsystems nachweisbar, sogenannte Autoantikörper. Genau danach sucht Fr1da. Der Test erfolgt über eine einfache Blutprobe in der Kinderarztpraxis.

Seit 2021 sind in Sachsen 196 Kinder- und Jugendarztpraxen beteiligt. Mehr als 11.700 Kinder wurden hier untersucht. Bei 50 von ihnen fanden die Forschenden ein Frühstadium der Erkrankung. Bundesweit waren es bisher über 240.000 getestete Kinder mit mehr als 730 Frühbefunden.

Was bringt das den betroffenen Familien?

Der Unterschied ist erheblich. Kinder, bei denen Fr1da ein Frühstadium erkennt, werden in spezialisierten Kinderkliniken weiter untersucht. Dort bestimmen Ärzte, in welchem Stadium sich die Erkrankung befindet, und legen einen individuellen Vorsorgeplan fest. So sollen schwere Komplikationen möglichst vermieden werden. Dazu gehört vor allem die diabetische Ketoazidose. Das ist eine lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung, die entsteht, wenn dem Körper plötzlich Insulin fehlt. In Deutschland tritt sie bei mehr als 20 Prozent der neu diagnostizierten Kinder auf. Bei Kindern, die durch Fr1da erkannt wurden, waren es nur 2,5 Prozent.

"Mit Fr1da sehen wir Typ-1-Diabetes nicht erst dann, wenn Kinder akut erkranken, sondern deutlich früher", sagt Anette-Gabriele Ziegler, wissenschaftliche Leiterin der Studie und Direktorin des Instituts für Diabetesforschung bei Helmholtz Munich. Das schaffe Zeit für Aufklärung, Vorsorge und, wenn nötig, medizinische Intervention.

Früherkennung gewinnt an Bedeutung

Typ-1-Diabetes ist mit etwa einem betroffenen Kind pro 250 keine seltene Erkrankung. Fachleute gehen davon aus, dass viele Fälle erst erkannt werden, wenn bereits schwere Symptome auftreten. Programme wie Fr1da sollen das ändern und langfristig dazu beitragen, die Krankheit früher zu erkennen und besser zu behandeln. Für Dresden bedeutet die Ausweitung der Studie auch neue Infrastruktur. Ein zweites Zentrallabor entsteht, um die steigende Zahl an Tests zu bewältigen. Familien und Praxen werden von einer Koordinationsstelle in Dresden unterstützt.

Mit der Ausweitung auf zwölf Bundesländer erreicht die Studie nun einen großen Teil der Bevölkerung. Langfristig könnte sie als Modell dafür dienen, Früherkennung stärker in die Regelversorgung zu integrieren.

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