Logo Die Sachsen News
Nachrichten / Wissensland

Sauberes Fliegen: TU Dresden startet fliegendes Testlabor in der Lausitz

Testflüge für die Zukunft: Das neue Forschungsflugzeug der TU Dresden erprobt künftig über Sachsen Antriebe, die ohne fossile Kraftstoffe auskommen sollen.
Solch ein Forschungsflugzeug vom Typ Diamond Aircraft DA62 MPP gehört nun der TU Dresden. An Bord steckt Technik, die das Fliegen klimafreundlich machen soll. © Diamond Aircraft Industries GmbH
Von: Wissensland
Fliegen ohne Kerosin – geht das? Die TU Dresden testet in Kamenz, wie klimafreundliche Antriebe in der Luft wirklich funktionieren. Ein neues Forschungsflugzeug soll helfen, die Lücke zwischen Labor und Realität zu schließen.

Fliegen gehört heute zum Alltag der Menschen. Wir fliegen in den Urlaub, auf Geschäftsreise oder besuchen die Verwandtschaft in Übersee. Doch Flugzeuge verbrennen enorme Mengen Kerosin und belasten damit das Klima. Forschende der Technischen Universität Dresden (TUD) suchen nach Lösungen, wie es besser geht. Dafür haben sie jetzt am Flugplatz Kamenz in der Lausitz ein neues Forschungsflugzeug in Betrieb genommen.

Das Besondere an diesem Flugzeug ist sein Zweck. Es ist kein Passagier- und kein Transportflugzeug, sondern ein fliegendes Testlabor. An Bord lassen sich neue Antriebe erproben, zum Beispiel elektrische Motoren, Wasserstoffantriebe oder Kombinationen aus beidem. Bisher wurden solche Technologien vor allem am Boden getestet. Jetzt können Wissenschaftler untersuchen, wie sie sich unter echten Bedingungen in der Luft verhalten.

Mehr aus dieser Kategorie

Hightech an Bord

"Mit dem Forschungsflugzeug schließen wir die entscheidende Lücke zwischen Theorie und praktischer Anwendung", sagt Prof. Maik Gude vom Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik der TUD. „Bei der nachhaltigen Luftfahrt geht es nicht nur um das Triebwerk, sondern um die ganzheitliche Integration von Antriebssystemen in das Flugzeug." Das neue Forschungsflugzeug sei weit mehr als eine Testplattform, ergänzt Prof. Johannes Markmiller vom Institut für Luft- und Raumfahrttechnik. "Es ist der entscheidende Schlüssel, um das enorme Potenzial fossilfreier Antriebe zu erschließen und die Vision einer klimaneutralen Luftfahrt Realität werden zu lassen."

Das Flugzeug ist ein zweimotoriges Spezialflugzeug vom Typ Diamond Aircraft DA62 MPP. Es wurde speziell für Forschungs- und Vermessungsaufgaben entwickelt. An Nase, Rumpf und Flügeln lassen sich austauschbare Gehäuse, sogenannte Pods, befestigen. Darin stecken Hightech-Sensoren und Kameras. So können Forschende genau messen, was im Zusammenspiel von Antrieb, Struktur und Energiesystemen passiert. Das Flugzeug schafft bis zu zehn Stunden Flugzeit und ermöglicht umfangreiche Messungen unter realen Bedingungen.

Kamenz wird zum Luftfahrt-Knotenpunkt

Weltweit wird an klimafreundlichen Flugantrieben geforscht, etwa mit Strom oder Wasserstoff. Viele Tests finden bisher jedoch nur am Boden statt. Das Dresdner Forschungsflugzeug ermöglicht erstmals Versuche unter realen Flugbedingungen. Bis zur breiten Anwendung ist es dennoch ein weiter Weg. Technische Fragen und Infrastruktur sind noch offen. Das Projekt FoFlu ist daher ein wichtiger Zwischenschritt. Es wird mit 4,6 Millionen Euro gefördert, finanziert von der Europäischen Union und dem Freistaat Sachsen. Das Flugzeug selbst kostete rund drei Millionen Euro.

Der Flugplatz Kamenz soll künftig mehr sein als ein Startpunkt für Testflüge. Er entwickelt sich zum Mittelpunkt einer neuen Luftfahrtforschungsregion in Ostdeutschland. Dafür wurde die Plattform OST4Aviation gegründet, die Wissenschaft und Industrie enger zusammenbringen soll. Geplant ist außerdem eine eigene Tankstelle für nachhaltige Flugkraftstoffe und Wasserstoff direkt vor Ort. Fliegen soll eines Tages ohne fossile Brennstoffe wie Kerosin möglich sein. Die Testflüge liefern dafür wichtige Daten.

Wissensland
Artikel von

Wissensland

Wissensland ist für die Inhalte selbst verantwortlich. Es gilt der Kodex der Plattform. Die Plattform prüft und behandelt Inhalte gemäß den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere nach dem NetzDG.

METIS