Wenn das mal nicht Schule macht: Zwei Sängerinnen und ein Sänger teilen sich 19 Rollen, eine Musikerin und zwei Musiker bilden ein Minimalorchester mit erstaunlicher Klangfülle. Könnte man sich so etwas an der Semperoper vorstellen? Vielleicht. Aber dafür braucht es neben Können auch einen Hauch positiver Verrücktheit. Und die findet man in Dresden vor allem dort, wo die Serkowitzer Volksoper zuhause ist: in der Saloppe. Hier werden Dinge gewagt, vor denen andere zurückschrecken – etwa Mozart zu remixen und sein Libretto beherzt ins Heute zu übersetzen.
Schon die ersten Zeilen weisen die Richtung: „Hier steh ich nun, ich armer Tor, vor einer Bratwursthütte – die Wurst dahinter, ich davor …“. Das hat mit Lustspielautor Christoph Friedrich Bretzner, von dem die Vorlage zur „Entführung aus dem Serail“ stammt, nur noch entfernt zu tun, mit Goethe auch nur andeutungsweise. Dafür umso mehr mit Wolf-Dieter Gööck, der seit Jahren Stoffe für die Serkowitzer neu erfindet. Seine Fassung entstand bereits 2015 und verlegt die Begegnung unterschiedlicher Kulturen in einen zeitgenössischen Kontext, ohne heute angestaubt zu wirken.