Es geht eigentlich nur um eine Kleinigkeit, nix Großes: eine Briefmarke. Eine Briefmarke, liebe digital natives, „ist die Bestätigung eines postalischen Beförderungsunternehmens über die Zahlung des aufgedruckten Betrages“ (schreibt die Wikipedia). Die gibt es immer noch, auch wenn immer weniger Menschen Briefe (oder Postkarten) zur Kommunikation nutzen: 9,4 Milliarden wurden wurden 2025 befördert (vor 20 Jahren waren es noch rund 16 Milliarden Briefsendungen), davon die meisten Werbung – und da ist dann sicher keine Briefmarke drauf, sondern eine „Daten-Verarbeitung-Freimachung“. Sachen gibt’s… Wenn nun also auf Schloss Wackerbarth eine Briefmarke von der Sächsischen Staatsministerin für Kultur und Tourismus Barbara Klepsch vorgestellt wurde, dann ist das schon was ganz Besonderes. Stammleserinnen und -leser ahnen es, weil schon drüber geschrieben wurde: die Wackerbarths feiern ein Jubiläum! Nicht besonders rund, aber ein bissl schon: 190 Jahre Sekttradition in Sachsen. Die Briefmarke ist limitiert, in Anlehnung an das Gründungsjahr gibt es 1836 Stück, Nennwert 95 Cent – das reicht für eine Postkarte oder einen Standardbrief.
Und das genau 190 Jahre, nachdem 1836 drei visionäre Winzer in Radebeul einen „Actienverein zur Fabrikation moussierender Weine“ gegründet hatten und damit nicht nur den Grundstein für die erste Sektkellerei Sachsens, sondern auch für eine der ältesten Sektmanufakturen Europas legten, wenn auch with a little help aus der Champagne: aus Reims kam der erste Kellermeister, Johann Joseph Mouzon. Er brachte den Sachsen das Rütteln bei, wie man es klassischerweise mit der Hand an den Rüttelpulten macht. In seiner Tradition hat auch die Ministerin Barbara Klepsch einen weiteren Teil ihrer beruflich bedingten Ausbildung zu einer wissenden Ministerin abgehakt: nach der Traminer-Lese im vergangenen November ließ sie sich jetzt vom Füllmeister Thomas Milster in die Kunst des Rüttelns einweisen. Die normale Ausbildung umfasst mehr Feinheiten, sie dauert vier Jahre – die Ministerin legte nach vier Minuten (noch sehr vorsichtig) Hand an. Aber sie fand Gefallen und rüttelte sich durchs ganze Pult, vom bequemen Oben nach dem durchaus unbequemeren Unten.