Magic Table Dinnershow im VEN: Von echten und virtuellen Zauberern
Braucht es Zauberer, um einen zauberhaften Abend zu erleben? Wir machten die Probe aufs Exempel – auf Einladung und daher ein wenig injeladen – nich uffgefordert, wie der Herr Tucholsky es vor über 100 Jahren schon so charmant formuliert hatte. Aber damit kann ich ja umgehen. Die Media Night galt dem Magic Table, einem Format mit Zauberei aus dem Projektor überm Tisch einerseits und zauberhaftem Essen aus der Küche des VEN, in der (nach einer Unterbrechung im Kempinski) Marcel Spahn wieder den Ton angibt.
Über die Rückkehr freut sich das Team, allen voran der (noch relativ neue) Hoteldirektor Ernesto Denaro. Nichts ist besser als eine eingespielte Mannschaft, die sich verträgt! Und eine Mannschaft, die sich auch auf der Menükarte komplett zeigt: Marcel Spahn und drei weitere für die Küche, Susann Schaffel und drei weitere für den Service. Eine schöne, wertschätzende Idee in zwei Zeilen! Den Zauber am Tisch besorgen Thommy Ten und Amélie van Tass. Das Duo tritt auch als „The Clairvoyants“ auf und – it’s magic! – an mehreren Orten der Welt gleichzeitig am Tisch. Sie können das nicht, weil sie Zauberer sind, sondern digitale Gastgeber. Sie kommen aus dem Projektor überm Tisch, wie auch vieles andere eine farbenfrohe Projektion der Wirklichkeit ist.

Die sekundengenau vorbereiteten Tricks funktionieren natürlich – das österreichische Profi-Zauberduo hat schließlich jahrelange Las-Vegas-Erfahrung. Es würde genau so funktionieren, wenn die beiden leibhaftig vor einem stünden. So weit ist also alles gut. Andererseits fand ich befremdlich, wenn aus dem Mikrofon die Aufforderung zum Beifall kommt und (man kennt ja die vornehme Zurückhaltung seiner Pappenheimer) gleich danach die Ansage, es doch mal lauter zu versuchen. Ich habe, sturer alter Bock, mich der Maschine an dieser Stelle verweigert – und aus Testgründen auch bei anderen sinnlosen Mitmachaktionen. Ich lass‘ mir doch von einer Maschine nicht den Abend gestalten. Jedenfalls nicht durchgehend. Selbstverständlich platzierte ich mein Weinglas exakt an der Stelle, die mir der Projektor vorgeschlagen hatte – er (!) wird sich schon was dabei gedacht haben. Genau, ich brauchte den Platz; Karten gemischt, zerrissen, wieder zusammengelegt und mich übers passende Ergebnis gefreut wie ein Kind habe ich mich natürlich auch. Oder den Finger von einem selbst gewählten farbigen (virtuellen…) Schlüssel zum nächsten bewegt und dann dennoch auf dem richtigen vorhergesagten gelandet: fabelhaft kurzweilige magische Mathematik!

Zwischen den Zaubereien brachten echte Menschen echtes Essen, das wiederum echte Menschen in der Küche zubereitet hatten. Diese Verteilung von wirklichem Leben und vorgegaukelten gefiel mir, andersherum (mit echten Zauberern und Küchen-KI mit Service-Robotern) hätte dann doch einiges gefehlt: die Geschmackssicherheit des Kochs, die Herzlichkeit der Bedienung – sie sind nicht zu ersetzen. Fünf Gänge bekamen wir, und sie waren in gewohnter Spahn-Manier farbenfroh, auf den Punkt gegart (wo nötig – wie beim Kalb im Hauptgang), fein abgeschmeckt und immer für eine Überraschung gut (das eigentliche Dessert war unter der Haube aus weißer Schokolade). Ganz unauffällig im Neü versteckt und dennoch zweifelsohne ein Highlight: Die Rote-Bete-Bouillon mit Gemüseperlen, Zuckerschoten und Finger Limes. Sehr subtil (und einen gewissen Zauber kann Rote Bete ja auch verursachen – merkt man aber erst später…).
Einmal noch zurück zur Zauberei. Ein Kartentrick ohne Karten in der Hand, aber mit Bildern auf dem Tisch. Ähnlich wie die Schlüsselnummer: anfangen, fast wo man will und dann dennoch zu einem Ergebnis kommen, das die Zauberer kennen. Soweit, so erwartbar, dafür zahlen wir ja Eintritt (129 € für die Zauberei, die Getränke und das Menü). Dass ich als „brillanter Manipulator“ enttarnt wurde, war dann aber doch schon, äh: irritierend. Aber wahrscheinlich ist das wie beim Horoskop, da fühlt man sich ja auch immer irgendwie ertappt. Jedenfalls fand ich heraus, dass man (ich) als brillanter Manipulator den auch auf den Hauptgangteller projizierten Spruch ja mal fürs Foto ein wenig zurechtschneiden könnte, um mehr schmeichelhaft zu wirken. Weswegen ich nun „…ein brillanter Man…“ bin. So geht man dann doch gerne heim.
Info
Tickets 129 Euro, Kinder 69 Euro)
Dauer: ca drei Stunden
Termine: 12.–14./20./26.–28. November, 4./5./10.–12./17.–19. Dezember sowie Januar bis März jeweils donnerstags bis samstags.
themagictable.com/de/dresden
Ven Restaurant & Bar
Rampische Straße 9
01067 Dresden
Tel. +49 351 795151021
ven-dresden.de
[Besucht am 3. November 2026]