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Wie Krebszellen überleben lernen

Nicht nur Gene entscheiden, ob ein Tumor wächst: Bindegewebe und Fibroblasten spielen von Anfang an eine aktive Rolle.
Frühe Tumorzellen formen ihr Umfeld aktiv um: Fibroblasten und Immunzellen helfen ihnen dabei, eine schützende Nische zu bauen. © Skrupskelyte, G. et al., Nature
Von: Wissensland
Warum überleben manche winzigen Tumoren, während andere verschwinden? Forschende aus Dresden und Cambridge haben eine überraschende Antwort: Krebszellen bauen sich ihre eigene Schutzzone.

Jeder Mensch trägt im Laufe seines Lebens veränderte Zellen in sich. Die meisten davon sterben ab oder werden vom Körper beseitigt. Aber manche schaffen es, sich zu halten und zu wachsen. Warum? Das hat ein internationales Forschungsteam unter Dresdner Beteiligung jetzt herausgefunden und in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht.

Tumorzellen senden Notsignale

Beteiligt sind die Universität Cambridge, die Medizinische Fakultät der Technischen Universität Dresden (TUD) und das Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG) in Dresden. Die Forschenden untersuchten frühe Stadien von Speiseröhrenkrebs an Mäusen. Ihr Befund ist überraschend klar.
Sobald eine frühe Tumorzelle entsteht, sendet sie Stresssignale ins umliegende Gewebe.

Diese Signale aktivieren bestimmte Bindegewebszellen, sogenannte Fibroblasten. Die reagieren ähnlich wie bei einer Wunde: Sie bauen ein stützendes Gerüst aus dem Protein Fibronektin um den winzigen Tumor herum. So entsteht eine Art Schutzzone, die die Forschenden als „präkanzeröse Nische" bezeichnen. Tumoren mit dieser Nische überleben. Tumoren ohne sie verschwinden. Dass nicht nur Gene darüber entscheiden, ob ein Tumor wächst, sondern auch sein Umfeld, ist in der Krebsforschung seit Jahren bekannt. Neu ist, dass dieser Mechanismus so früh einsetzt, noch bevor der Tumor die erste Zellschicht verlässt.

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Prof. József Jászai und Prof. Mirko HH Schmidt vom Institut für Anatomie sowie Prof. Daniela Aust vom Institut für Pathologie des Universitätsklinikums Dresden stellten menschliche Gewebeproben von Patienten mit Speiseröhrenkrebs bereit. Die Proben zeigten dieselben Strukturen wie im Mausmodell. Das stärkt die Bedeutung des Ergebnisses für den Menschen.

„Die Identifizierung präkanzeröser Nischen als Voraussetzung für das Überleben früher Tumorzellen ist ein wichtiger Befund für künftige Krebstherapien", erklärt Prof. Esther Troost, Dekanin der Medizinischen Fakultät der TUD. Speiseröhrenkrebs zählt weltweit zu den gefährlichsten Krebsarten, weil er häufig erst spät erkannt wird. Genau hier könnte die Entdeckung helfen. Präkanzeröse Nischen könnten künftig als frühe biologische Marker dienen und die Diagnose verbessern. Bis dahin ist aber noch weitere Forschung nötig.


Originalpublikation:
Skrupskelyte, G. et al. Precancerous niche remodelling dictates nascent tumour persistence. Nature; 4 March 2026.

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