Abgerissene Finger oder Hände, schwerste Verbrennungen im Gesicht, zerstörte Augen. Was Ärzte in der Silvesternacht auf den OP-Tisch bekommen, kennen sie eigentlich nur aus der Kriegschirurgie. «Es sind Verletzungen, wie sie an der Front in der Ukraine passieren. Wir wissen, wie sie aussehen, da wir hier ukrainische Soldaten interdisziplinär versorgen», sagt Professor Adrian Dragu, Direktor der Abteilung für Plastische und Handchirurgie am Universitätsklinikum Dresden.
Verletzungen vor allem an Händen und im Gesicht
Manchmal haben Patienten Verletzungen an Händen und im Gesicht - an den Stellen, die nicht durch Bekleidung geschützt sind. Vor allem alkoholisierte Männer im Alter unter 25 Jahren sind betroffen. Auch Kinder sind die Leidtragenden, etwa wenn sie in den Tagen nach dem Jahreswechsel mit Blindgängern spielen. Nicht selten passieren Unfälle mit selbstgebastelter Pyrotechnik. In den vergangenen Jahren habe es mehrere Patienten gegeben, die sich dabei die ganze Hand wegsprengten, sagt Fülling.
Bis heute behandelt der Oberarzt einen Mann, der 2024 durch einen Böller mehrere Finger verlor - allerdings nicht am Silvestertag. Er hatte mit Kugelbomben Wühlmäuse in seinem Garten in die Luft jagen wollen. Jetzt werden ihm Prothesen angepasst. In den meisten Fällen lassen sich abgetrennte Gliedmaßen wieder annähen, wenngleich die Funktionsfähigkeit in der Regel danach eingeschränkt bleibt.
Am besten lassen sich Replantationen - das chirurgische Wiederanfügen amputierter Extremitäten oder Gewebeteile - vornehmen, wenn man es mit einer glatten Durchtrennung ohne größere Schäden am Gewebe zu tun habe, erklärt Fülling. «Das ist der Idealfall. Aber bei Explosionen geht häufig Gewebe verloren oder es ist an der Wunde verbrannt.» Mitunter müsse man dann aus anderen Körperregionen Gewebe verpflanzen.