Logo Die Sachsen News
Nachrichten / STIPvisiten

Armin Imgraben, Winzergenossenschaft Britzingen: Unser In-Getränk ist der Sekt!

Sektflaschen Reben
Armin Imgraben, Winzer und Vorstandsvorsitzender der Winzergenossenschaft Britzingen (Bild: Ulrich van Stipriaan)
Von: Ulrich van Stipriaan
Einblick in die Winzergenossenschaft Britzingen: Wie die Genossenschaft seit 1979 Sekttradition pflegt, Gutedel und Burgunder weiterentwickelt, mit PIWIs und Bag-in-Box experimentiert und regional nachhaltig vermarktet.

 

Andere mögen Mischgetränke mit Wein, im Markgräflerland aber gilt: ein Sekt sollte es sein. Es gibt da mehrere Schuldige (was ein zu hartes Wort in diesem Zusammenhang ist, wie man sehen wird) – einer davon sind die Winzerinnen und Winzer der Genossenschaft in Britzingen. Deren Sekte gibt es schon ewig (genauer: seit 1979), aber seit drei Jahren sind sie aufgenommen in den Olymp der deutschen traditionellen Sektmacher – als einzige Winzergenossenschaft unter lauter individuellen Sektmacherinnen und Sektmachern. Aber in Britzingen können sie nicht nur Sekt (der mittlerweile einen Anteil von 20% ausmacht, Tendenz steigend), sondern auch ganz normale Weine. Gutedel als Brot-und-Butter-Wein im Markgräflerland natürlich, aber auch Burgunder – weiß wie rot. Über all das (und noch viel mehr…) reden Matthias Gräfe (Wein & fein) und Ulrich van Stipriaan (STIPvisiten) mit Armin Imgraben, Winzer und Vorstandsvorsitzender der Winzergenossenschaft Britzingen.

Armin Imgraben ist einer der rund 45 Winzer in der Genossenschaft, die damit zu den kleineren in Baden gehört. Rund sechs Hektar Rebfläche bewirtschaftet er gemeinsam mit seiner Familie, darunter auch im Muggardt – der besten Lage, die lange brach lag und nun in gemeinsamer Arbeit von vier Winzern die Grundlage für allerfeinsten Spätburgunder liefert. Aber da Winzer und Vorstandsvorsitzender sein den Armin Imgraben nicht auslasten, ist er noch anderweitig aktiv – zum Beispiel in der Kommunalpolitik oder bei der Dorfladengenossenschaft. Imgraben bezeichnet sich selbst als „freischaffenden Künstler“ und sagt im Gespräch, dass er den ein oder anderen Wein gerne gemütlich abends auf der Terrasse genießen kann…

Mehr aus dieser Kategorie

Bemerkenswert ist der hohe Anteil an Haupterwerbsbetrieben in der Winzergenossenschaft: rund ein Dutzend Mitglieder arbeitet vollständig im Weinbau und verantwortet etwa 80 Prozent der insgesamt 200 ha Fläche. Diese Struktur ermöglicht eine enge Verzahnung zwischen Weinbau und Kellerwirtschaft. Man kennt sich, und der Kellermeister weiß gezielt, welche Betriebe für bestimmte Qualitäten oder Selektionen in Frage kommen. Die Auszahlung der Traubengelder folgt konsequent der Qualität – ein Mechanismus, der innerhalb der Genossenschaft als zentraler Anreiz für differenziertes Arbeiten im Weinberg verstanden wird.

Britzingen liegt in der Vorbergzone des Schwarzwalds – davon profitieren die Rebflächen mit einem Übergang von leichteren Lössböden zu schwereren Lehmstrukturen, was eine gewisse stilistische Bandbreite ermöglicht. Die prägenden Einzellagen sind Britzinger Sonnhole, Rosenberg und der Badenweiler Römerberg. Das Klima stellt die Betriebe vor ähnliche Herausforderungen wie in anderen Teilen Badens: zunehmende Häufung heißer Jahre, aber auch Risiken durch Spätfrost, Hagel oder Trockenperioden. Entsprechend gewinnt ein differenziertes Lesemanagement an Bedeutung, auch durch gezielte Anreize für frühzeitige Lese, um Reifeverläufe optimal zu steuern.

Traditionell spielt der Gutedel eine zentrale Rolle im Markgräflerland. Aber die Sorte gilt auch als vergleichsweise krankheitsanfällig und weist eine relativ begrenzte Lebensdauer der Anlagen auf. Burgundersorten bleiben länger stehen und gewinnen an Bedeutung, den Weißburgunder schätzt Imgraben perspektivisch als wichtigste Zukunftssorte der Region ein. Ergänzend arbeitet die Genossenschaft auch mit pilzwiderstandsfähigen Sorten (PIWIs), deren Marktdurchdringung allerdings noch begrenzt ist und kommunikative Vermittlung erfordert.

Die Genossenschaft ist kein zertifizierter Ökobetrieb, orientiert sich jedoch an Kriterien eines umweltschonenden Weinbaus. Im Keller wie im Vertrieb liegt der Fokus auf einer klassischen, eher traditionellen Stilistik. Die Vermarktung erfolgt überwiegend im süddeutschen Raum, mit einzelnen Absatzmärkten darüber hinaus, etwa in Norddeutschland oder der Schweiz.

Ein wichtiger Bestandteil des Sortiments ist der Sekt. Rund 20 Prozent der Produktion entfallen auf insgesamt etwa 15 verschiedene Cuvées. Die Sekttradition reicht bis in das Jahr 1979 zurück und ist eng mit dem langjährigen Kellermeister Hermann Zenzen verbunden, der die Entwicklung maßgeblich geprägt hat. Heute ist die Genossenschaft ein stolzes Mitglied im Verband der traditionellen Sektmacher.

Neben klassischen Flaschenformaten erprobt die Genossenschaft auch alternative Verpackungen. So wird Weißburgunder unter anderem in der Bag-in-Box angeboten, was sowohl unter Nachhaltigkeitsaspekten als auch im Hinblick auf Konsumsituationen – etwa bei Freizeit- und Outdoor-Anlässen – auf Resonanz stößt. Im Podcast probierten wir den Rosé und den Weißburgunder aus der Bag-in-Box. Am Abend gab’s dann mehr, das kann man nachlesen (auch, was man jeweils dazu essen könnte)!

Einige Eckpunkte des Gesprächs

  • [00:32] unser Gast aus dem Markgräflerland: Armin Imgraben von der Winzergenossenschaft Britzingen
  • [14:59] Baden drittgrößtes Anbaugebiet (15.500 ha Rebfläche)
  • [21:51] Weiterentwicklung bei den Piwis
  • [31:54] Etikett: wer ist das hoch zu Ross?
  • [36:10] neuer Wein und neue Verpackung (auf Wunsch!): Weißburgunder in der Bag-in-Box
  • [45:06] wie kam das mit dem Sekt?

Infos

[Aufgenommen am 1. April 2026 vor der Pressekonferenz zur BW Classics, die dieses Jahr am 18. und 19. April 40 Winzer aus den beiden Anbaugebieten Baden und Württemberg ins Dresdner Congress-Center bringt]

Winzergenossenschaft Britzingen Markgräflerland e.G.
Markgräfler Straße 25–29
D‑79379 Müllheim-Britzingen

Tel. +49 7631–17 710
britzinger-wein.de

Ulrich van Stipriaan
Artikel von

Ulrich van Stipriaan

Ulrich van Stipriaan ist für die Inhalte selbst verantwortlich. Es gilt der Kodex der Plattform. Die Plattform prüft und behandelt Inhalte gemäß den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere nach dem NetzDG.

Social Media