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Vogelküken nach Hitzewelle in Not - Helfer am Limit

Vogelküken nach Hitzewelle in Not - Helfer am Limit
Rund 50 Mauerseglerküken werden aktuell in der Vogel- und Igelpflegestation in Bad Elster versorgt. / Foto: Katrin Mädler/dpa
Von: DieSachsen News
Geld, Personal und freie Plätze fehlen: Sachsens Wildtierauffangstationen schlagen Alarm. Nach der extremen Hitze brauchen viele Vogelküken Hilfe.

Die Jungvögel kletterten an den Nest-Rand, um der Hitze in ihrem Domizil zu entkommen - und stürzten ab. Während der Hitzewelle Ende Juni gerieten auf diese Weise hunderte junge Wildvögel in Sachsen in Not. 

Bei Corinna Heinrich steht seitdem das Telefon nicht mehr still. Aus Nestern gesprungene Mauersegler und andere geschwächte Jungvögel füllen die Vogel- und Igelpflegestation in Bad Elster im Vogtland. Die Tiere müssen tagsüber alle paar Stunden gefüttert werden. Bundesweit seien viele Wildtierpflegestationen voll belegt oder stünden kurz vor einem Aufnahmestopp, berichtet Heinrich.

Die Extrem-Hitze jüngst habe «das Fass zum Überlaufen gebracht», erklärt Heinrich. Rund 50 Mauerseglerküken hat sie in den vergangenen Tagen aufgenommen. Dabei seien die meist privat betriebenen und fast ausschließlich über Spenden finanzierten Wildtierpflegestationen ohnehin schon am Limit gewesen. «Immer mehr geben auf.» Die zeitaufwendige Pflege sei für viele neben Beruf, Familie und gesundheitlichen Belastungen nicht mehr zu schaffen gewesen. 

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So betreibt Corinna Heinrich die einzige verbliebene Auffangstelle für kleine Wildtiere in weiten Teilen Südwestsachsens und bis ins bayrische Oberfranken. «Wenn ich aufhören würde, müsste ich ständig daran denken, was mit den Tieren passiert.» 

Hitze sorgt für großes Vogel-Leid in den Städten

Besonders dramatisch sei die Lage zuletzt in den aufgeheizten Großstädten mit Temperaturen um die 40 Grad Celsius gewesen, erläutert Karsten Peterlein, Leiter der Wildvogelhilfe Leipzig. In den vier Tagen der Hitzewelle im Juni seien über 500 Meldungen zu gefundenen Mauerseglerküken eingegangen. 76 Tiere konnten aufgenommen werden. «Die anderen mussten wir abweisen, es ist eine Katastrophe.» Es fehle schlicht an Zeit, Personal und Geld. Viele Jungvögel kletterten wegen der Hitze an den Nest-Rand, stürzten ab und benötigten Hilfe.

Bei Corinna Heinrich bestimmt nun die Pflege der jungen Mauersegler den Tag. Jeder einzelne Vogel muss in die Hand genommen werden. Ein falscher Griff könnte den Schnabel verletzen. Die Aufzucht eines Mauerseglers verschlinge rund 50 Euro an Futterkosten, berichtet sie. In ihrer Station leben aber auch Igel, Fledermäuse und weitere Wildtiere. Spenden sind dringend notwendig. «Ich kann die Kosten für Tierarzt und Futter einfach nicht allein stemmen.»

Eine dauerhafte staatliche Förderung der meisten Wildtierpflegestationen gibt es in Sachsen nicht, sagt René Sievert vom Naturschutzbund Sachsen (Nabu). «Die Menschen, die Wildtiere finden, sind oft verzweifelt. Sie telefonieren lange und finden trotzdem keine Ansprechpartner.» Außerhalb der Dienstzeiten seien Behörden aus den Bereichen Jagd, Forst oder Naturschutz oft nicht erreichbar. «Dann landen die Menschen zwangsläufig bei den ehrenamtlichen Wildtierpflegestellen», so Sievert. Vielen sei nicht bewusst, dass die Helfer die Tiere neben Beruf und Familie versorgen. Die Kapazitäten seien sehr begrenzt.

Der Nabu bemühe sich intensiv um Information und Aufklärung, damit Hilfe möglichst reibungslos vermittelt werden kann, erläutert Sievert. Seit kurzem helfe zusätzlich die bundesweite Wildtier-SOS-App Findern bei der Einschätzung, ob ein Tier Hilfe braucht und an wen sie sich wenden können.

Emotionale Belastung für Helfer

Dass selbst erfahrene Betreiber zeitweise ausfallen, verschärfe die Situation, ergänzt Tobias Rietzsch von der Wildtierauffangstation in Rödlitz (Landkreis Zwickau). Bei ihm ist es stiller als in den Vorjahren. Aus gesundheitlichen Gründen kann er momentan keine Tiere aufnehmen. Die Anfragen reißen jedoch nicht ab. Immer wieder melden sich auch Tierärzte, Feuerwehren und Behörden bei ihm. «Vom Land Sachsen kamen bisher keine Signale, uns bei unserer Arbeit zu unterstützen.» Viele Helfer könnten aus moralischen Gründen kaum Nein sagen. Als Beispiel nennt Rietzsch einen Falkner, der seit Jahren ankündige, aufhören zu wollen. Inzwischen sei er über 90 Jahre alt. Doch wenn das Telefon klingele, mache er doch weiter. «Wir wollen ja helfen», sagt Rietzsch.

Dass Finder oft lange nach einer geeigneten Pflegestelle suchen müssen, war einer der Auslöser für die Gründung des Netzwerks Wildtierhilfe Sachsen vor drei Jahren, erklärt Geschäftsführerin Simone Schulz. Es will Pflegestellen, Tierärzte, Behörden und Naturschutzakteure zusammenbringen. Die Idee sei an der Tierklinik der Universität Leipzig entstanden. «Auch, weil die Zahl schwer verletzter Tiere zunimmt.»

Heute gehören dem Netzwerk rund 150 Mitglieder an. Es unterstützt die ehrenamtlichen Pflegestellen unter anderem mit Fortbildungen und Resilienz-Seminaren, die Helfer auch psychisch entlasten sollen. Denn Aufnahmestopps und der Wegfall von Pflegestellen belasteten die Wildtierhelfer enorm. Zugleich seien in Sachsen aber auch neue Initiativen entstanden oder Helfer teilten sich die Versorgung, so Schulz.

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