Für viele Menschen ist das Nervengift Botulinumtoxin vor allem ein Mittel gegen Falten. Tatsächlich wird der Wirkstoff heute längst auch gegen chronische Migräne, Muskelkrämpfe, Spastiken nach Schlaganfällen oder krankhaften Speichelfluss eingesetzt. Die steigende Nachfrage sorgt auch in Sachsen-Anhalt für Investitionen.
Der Pharmakonzern Merz baut seinen Standort in Dessau-Roßlau für mehr als 100 Millionen Euro aus. Mit einer neuen Verpackungslinie sowie Investitionen in Produktion, Verpackung und Logistik reagiert das Unternehmen auf die weltweit gestiegene Nachfrage. Dort wird ein Botulinumtoxin-Präparat des Unternehmens hergestellt.
«Der medizinische Bereich wird eigentlich so ein bisschen vergessen. Alle reden nur von der Falte», sagt Merz-Group-Chef Philip Burchard. Dabei könne Botulinumtoxin schwer kranken Patienten oft erheblich helfen. Menschen mit einem verkrampften Hals könnten nach einer Behandlung den Kopf wieder gerade halten, Schlaganfallpatienten den Arm wieder besser bewegen oder Parkinson-Patienten ihren krankhaften Speichelfluss verlieren. «Die Lebensqualität und auch die Schmerzreduktion ist absolut enorm im medizinischen Bereich», sagt Burchard.