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KI-Giganten treffen sich in Dresden: Anthropic und OpenAI mit Keynotes bei Brains on Silicon

Publikum Main Stage Brains on Silicon
Publikum Main Stage Brains on Silicon (Bild: Veranstalter)
Von: Thomas Wolf
Zwei der schärfsten Konkurrenten im weltweiten KI-Geschäft stehen im September in Dresden auf derselben Konferenzbühne. Anthropic setzt am ersten Tag der Brains on Silicon einen der ersten inhaltlichen Akzente, OpenAI eröffnet am zweiten Tag die Hauptbühne. Auch Google ist dabei. Für Veranstalter Stefan Queißer ist das Line-up ein Coup für Dresden.

Am 14. und 15. September 2026 wird das Internationale Congress Center Dresden für zwei Tage zu einem Treffpunkt der internationalen KI-Branche. Mehr als 100 Speaker stehen inzwischen im Programm der zweiten Brains on Silicon, verteilt auf vier Bühnen und 94 Programmpunkte. Die Veranstalter rechnen mit mehr als 1.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Besonders auffällig sind zwei Namen: Anthropic, Entwickler des KI-Modells Claude, und OpenAI, das Unternehmen hinter ChatGPT. Beide kämpfen derzeit um Unternehmen, Entwickler, Talente und die technologische Führung bei leistungsfähigen KI-Modellen. In Dresden treten sie an zwei aufeinanderfolgenden Tagen auf.

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Anthropic macht am Montag den Anfang, OpenAI startet Tag zwei

Der erste Konferenztag beginnt am Montag, 14. September, um 9.30 Uhr. Nach der Eröffnung, einem kurzen Grußwort des sächsischen Wirtschaftsministers Dirk Panter und dem Auftritt von Thuy-Ngan Trinh von A11 übernimmt um 9.55 Uhr Roman Howe die Hauptbühne. Howe leitet bei Anthropic das Geschäft für Deutschland, Österreich und die Schweiz sowie Mittel- und Osteuropa. Der Titel seines Vortrags ist im aktuellen Programm noch als „Roman's Session“ geführt. Anthropic gehört damit direkt zur Eröffnungsphase der Konferenz.

Am Dienstag ist die Rollenverteilung noch eindeutiger. Sarah Kemether aus dem Go-to-Market-Team von OpenAI eröffnet um 9.30 Uhr das Programm auf der Hauptbühne. Ihr Vortrag trägt den Titel „AI Adoption statt AI Diskussion: Wie Unternehmen KI erfolgreich nutzen“. Kemether arbeitet im DACH-Raum mit Unternehmen an der Einführung generativer KI. Vor OpenAI war sie bei Google und Microsoft tätig.

Für Brains-on-Silicon-Veranstalter Stefan Queißer ist es nach eigenen Angaben etwas Besonderes, beide Unternehmen nach Dresden geholt zu haben. Die Namen geben der noch jungen Konferenz internationales Gewicht. Queißer beschreibt den Anspruch der Veranstaltung so: „Angewandte KI auf Topniveau passiert nicht nur in Berlin, München oder im Silicon Valley: sondern auch hier in Dresden. Diese Signalwirkung wollen wir senden.“

DIE SACHSEN NEWS hatte bereits im Juni über die zweite Ausgabe der Brains on Silicon und die wachsende internationale Besetzung berichtet. Damals waren OpenAI und Anthropic noch nicht die beiden Namen, die das Programm nun besonders prägen.

OpenAI gegen Anthropic: Der KI-Wettbewerb kommt nach Dresden

Dass ausgerechnet OpenAI und Anthropic an zwei aufeinanderfolgenden Tagen auftreten, ist mehr als prominente Namenspflege für das Programm. Zwischen den beiden US-Unternehmen läuft einer der härtesten Konkurrenzkämpfe der Technologiebranche. Es geht um leistungsfähigere Modelle, KI-Agenten, Programmierung, Unternehmenskunden und enorme Summen für Rechenleistung.

Reuters beschrieb den Wettbewerb im Juni unter Berufung auf einen Branchenexperten als „all-out war“. Neue Modelle des einen Anbieters erhöhen regelmäßig den Druck auf den anderen. Der Konflikt reicht inzwischen bis zur Darstellung der eigenen Geschäftszahlen. OpenAI hat die Umsatzdarstellung von Anthropic intern kritisiert, Anthropic verteidigt seine Bilanzierung.

Besonders im Geschäft mit Unternehmen hat Anthropic kräftig aufgeholt. Im April berichtete Reuters, dass die von Anthropic gemeldeten annualisierten Umsätze rechnerisch sogar über denen von OpenAI lagen. Die Zahlen sind wegen unterschiedlicher Bilanzierungsmethoden nur eingeschränkt vergleichbar. Als ein Treiber gilt Claude Code, mit dem Anthropic stark bei Entwicklern und Unternehmen gewachsen ist. OpenAI wiederum richtet einen größeren Teil seiner Produktstrategie auf Unternehmenskunden und Coding-Anwendungen aus.

Damit bekommen Besucher der Brains on Silicon zwei Perspektiven auf denselben Markt. Roman Howe vertritt Anthropic, Sarah Kemether OpenAI. Beide kommen aus dem kommerziellen Teil ihrer Unternehmen und sprechen damit genau über jene Frage, die viele deutsche Firmen derzeit beschäftigt: Wie wird aus einem leistungsfähigen KI-Modell ein Werkzeug, das im Unternehmen tatsächlich eingesetzt wird?

Das passt zum Konferenzmotto „Closing the implementation gap“. Die Brains on Silicon will 2026 weniger über theoretische Möglichkeiten sprechen und stärker zeigen, wie KI in Geschäftsprozesse, Software und industrielle Anwendungen gelangt.

Google, GitHub, Infineon und Richard Socher stehen ebenfalls im Programm

OpenAI und Anthropic sind die aufmerksamkeitsstärksten Namen, das Programm reicht aber deutlich weiter. Auch Google schickt eine Vertreterin nach Dresden. Livia von Mitschke-Collande, Industry Leader Retail Ads bei Google, spricht am Montag um 15.30 Uhr auf der Hauptbühne darüber, wie sich Daten und Handel verändern, wenn Maschinen stärker an Kaufentscheidungen und Produktsuche beteiligt sind.

Dazu kommen Führungskräfte und Fachleute aus Unternehmen wie SAP, Deutsche Telekom, Microsoft, GitHub, Flix, Fielmann und Infineon. Pierre Tempel, Director Product Management bei GitHub, spricht über Softwareentwicklung mit agentischen Teams. Flix-CTO Hanna Huber ist am ersten Tag dabei. Uwe Gäbler von Infineon zeigt am Dienstag unter dem Titel „From Fab to Future“, wie Künstliche Intelligenz die Halbleiterindustrie verändert.

Gerade Gäblers Auftritt verbindet das KI-Thema mit Dresdens industrieller Basis. Auf einer eigenen Bühne geht es am zweiten Tag um „AI on Silicon“ und „Physical AI“. Dort stehen neue Rechnerarchitekturen, neuromorphes Computing, Photonik und Robotik im Mittelpunkt. René Jäkel vom ScaDS.AI Dresden/Leipzig spricht über skalierbare KI und effizientes Computing. Markus Höfling vom Dresdner Robotikunternehmen Wandelbots zeigt Physical AI in der praktischen Anwendung.

Ein international bekannter Name mit Dresdner Wurzeln ist ebenfalls dabei. Richard Socher, Gründer von You.com und früherer Chief Scientist bei Salesforce, wird am Montag ab 17 Uhr zu einem Remote-Interview zugeschaltet. Den Schlusspunkt auf der Hauptbühne setzt am Dienstag Tech-Analyst und Investor Philipp Klöckner mit einem 45-minütigen Slot.

Das Programm ist damit breiter als eine klassische Konferenz über Chatbots und Sprachmodelle. KI-Agenten treffen auf Halbleiter, Robotik, Unternehmenssoftware, Handel, Medien, öffentliche Verwaltung und Forschung.

Dresden wird für internationale Tech-Unternehmen sichtbarer

Dass OpenAI, Anthropic und Google auf einer Konferenz in Dresden auftreten, passt zu einer wirtschaftlichen Verschiebung, die sich seit Jahren beobachten lässt. Dresden ist inzwischen Europas größter Mikroelektronikstandort. Nach Angaben der Landeshauptstadt wird jeder dritte in Europa gefertigte Mikrochip in Dresden produziert.

2026 kamen weitere Milliardeninvestitionen hinzu. Infineon eröffnete am 2. Juli seine neue Smart Power Fab. Das Unternehmen investierte rund fünf Milliarden Euro und schafft etwa 1.000 zusätzliche Arbeitsplätze. Die neue Fabrik verdoppelt die Produktionskapazität von Infineon am Standort Dresden. Ein Teil der dort gefertigten Leistungshalbleiter wird für die Stromversorgung von KI-Rechenzentren gebraucht.

Parallel wächst im Dresdner Norden die ESMC-Fabrik. Hinter dem Projekt stehen der taiwanische Chipkonzern TSMC sowie Bosch, Infineon und NXP. Die Produktion soll 2027 beginnen. DIE SACHSEN NEWS hat den aktuellen Ausbau des Dresdner Chipstandorts und die neuen Arbeitsplätze bereits ausführlich beschrieben.

Auch die Beschäftigtenzahlen zeigen die Größenordnung. In Sachsens Mikroelektronik- und ICT-Branche arbeiteten zuletzt rund 82.500 Menschen. Innerhalb eines Jahres kamen etwa 1.500 Stellen hinzu. Silicon Saxony hat inzwischen mehr als 700 Mitglieder und bezeichnet die Region als Europas größtes Hightech-Cluster. Internationale Zulieferer aus Japan, Taiwan und den USA haben zuletzt ihre Aktivitäten in Sachsen ausgebaut oder neue Standorte angekündigt.

Brains on Silicon erweitert dieses industrielle Profil um ein sichtbares KI-Format. Dresden produziert Chips, betreibt Spitzenforschung und baut gleichzeitig eine Community für die Anwendungen auf, die auf dieser Hardware laufen. Für Unternehmen aus Sachsen bietet die Konferenz damit einen ungewöhnlich kurzen Weg zu einigen der Firmen, die den weltweiten KI-Markt derzeit bestimmen.

Die Geschichte der Veranstaltung selbst ist noch kurz. Die erste Brains on Silicon fand 2025 mit rund 1.000 Fachbesuchern statt. Entstanden ist sie aus der Dresdner KI-Community und kleineren Netzwerktreffen. DIE SACHSEN NEWS hat diese Entwicklung 2025 von den ersten Community-Treffen bis zur Konferenz nachgezeichnet. Ein Jahr später stehen OpenAI, Anthropic und Google im Programm.

Thomas Wolf
Artikel von

Thomas Wolf

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