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Die Serkowitzer Volksoper spielt Mozart mit einem Hauch von positiver Verrücktheit

Bühnenbild
Ein Quartett zu dritt – geht doch, wenn es auch Platzhalter-Kostüme gibt! (Bild: Ulrich van Stipriaan)
Von: Ulrich van Stipriaan
Die Serkowitzer Volksoper verwandelt Mozarts „Entführung aus dem Serail“ in ein turbulentes Minimaltheater mit drei Stimmen, drei Musikern und viel Bratwurst-Wahnsinn in der Saloppe.

Wenn das mal nicht Schule macht: Zwei Sängerinnen und ein Sänger teilen sich 19 Rollen, eine Musikerin und zwei Musiker bilden ein Minimalorchester mit erstaunlicher Klangfülle. Könnte man sich so etwas an der Semperoper vorstellen? Vielleicht. Aber dafür braucht es neben Können auch einen Hauch positiver Verrücktheit. Und die findet man in Dresden vor allem dort, wo die Serkowitzer Volksoper zuhause ist: in der Saloppe. Hier werden Dinge gewagt, vor denen andere zurückschrecken – etwa Mozart zu remixen und sein Libretto beherzt ins Heute zu übersetzen.

Schon die ersten Zeilen weisen die Richtung: „Hier steh ich nun, ich armer Tor, vor einer Bratwursthütte – die Wurst dahinter, ich davor …“. Das hat mit Lustspielautor Christoph Friedrich Bretzner, von dem die Vorlage zur „Entführung aus dem Serail“ stammt, nur noch entfernt zu tun, mit Goethe auch nur andeutungsweise. Dafür umso mehr mit Wolf-Dieter Gööck, der seit Jahren Stoffe für die Serkowitzer neu erfindet. Seine Fassung entstand bereits 2015 und verlegt die Begegnung unterschiedlicher Kulturen in einen zeitgenössischen Kontext, ohne heute angestaubt zu wirken.

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Dabei bleibt der gesellschaftliche Bezug letztlich Beiwerk. Im Zentrum steht weiterhin Mozarts Geschichte: Belmonte versucht, seine Verlobte Konstanze aus den Händen des Bassa Selim zu befreien. Der hält sie zwar gefangen, ist aber keineswegs der Bösewicht der Geschichte. Diese Rolle übernimmt eher der Aufseher Osmin. Dazu kommen Belmonte-Diener Pedrillo und natürlich allerlei Verwicklungen rund um Liebe, Freiheit und Missverständnisse.

Die Serkowitzer Volksoper macht daraus ein Spiel im Spiel. Auf einem Jahrmarkt ist die eigentliche Truppe verschwunden, die das Stück aufführen sollte. Also springt ein auf Puppenspiel spezialisiertes Gaukler-Trio ein und übernimmt kurzerhand sämtliche Rollen. Das führt zwangsläufig zu rasanten Rollenwechseln und einem äußerst unterhaltsamen Durcheinander.

Fanny Lamers, Neuzugang im Ensemble, Dorothea Wagner und Cornelius Uhle meistern diese Herausforderung mit sichtbarer Spielfreude. Damit das Publikum bei den ständigen Identitätswechseln den Überblick behält, haben Ausstatterin Arina Balas und Ausstatter Joshua Tewes-McCoy raffinierte Kostüm-Lätzchen entwickelt, die blitzschnell gewechselt werden können. Das funktioniert erstaunlich gut – selbst dann, wenn ein Quartett plötzlich von drei Personen dargestellt wird.

Dass die drei hervorragend singen können, versteht sich fast von selbst. Die Serkowitzer setzen seit Jahren auf professionelle Künstlerinnen und Künstler, die neben ihrer Qualität auch Freude am Experiment mitbringen. Gleiches gilt für die Musi nad Labem: Michael Schütze am Piano, Karina Müller an Violine und Percussion sowie Daniel Rothe an Klarinetten, Saxophon und Percussion ersetzen ein ganzes Orchester mit bemerkenswerter Effektivität.

Begonnen hatte der Abend mit der „Basic Bitch der BBQ-Gerichte, der Rostbratwurst“, und natürlich schließt sich am Ende der Kreis. Nach Mozart, Ragtime, Biene Maja und zahlreichen weiteren musikalischen Anspielungen folgt ein furioser Bratwurst-Epilog auf die Melodie von Frank Sinatras „My Way“. Das Publikum dankt mit vier Minuten Applaus – völlig verdient.

Infos

  • Es geht um die Wurst, besucht am 15. Juni in der Saloppe.
  • Weitere Termine: Montag, 29. Juni 2026 | Montag, 10. August 2026 | Montag, 17. August 2026 | Sonntag, 23. August 2026* (zwei Vorstellungen: eine auch um 15 Uhr) | Montag, 31. August 2026 | Montag, 7. September 2026 | Mittwoch, 9. September 2026 | Montag, 14. September 2026 | Mittwoch, 16. September 2026
  • Beginn jeweils 19.30 Uhr (Einlass ab 19 Uhr), am 23. August zusätzlich 15 Uhr (Einlass ab 14:30 Uhr)
  • Ort: Sommerwirtschaft Saloppe, Brockhausstraße 1, 01099 Dresden
  • Preise im empfohlenen Vorverkauf 19 € – 36 € / ermäßigt 13 € – 19 € (keine zusätzlichen Gebühren)
  • serkowitzer-volksoper.de
Ulrich van Stipriaan
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Ulrich van Stipriaan

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