190 Jahre sind ja nicht gerade ein rundes Jubiläum – aber hej: wer weiß denn, was in zehn Jahren ist? Man muss doch die Feste feiern, wie sie fallen! Also auf zum Grafen Wackerbarth und dessen Nachfolgern, wo man sich der 190jährigen sächsischen Sekttradition verpflichtet fühlt und das entsprechend feiert. 250.000 Flaschen Sekt entstehen im Durchschnitt jährlich in den Kellern am Fuße des Wackerbarth-Berges – aber mit den guten Qualitäten segeln die Wackerbarther in ihrer Heimat oft noch unterm Radar. Also auf zur Fortbildung ins gutseigene Gasthaus, wo es natürlich die Weine und Sekte immer gibt, man aber während der Kochsternstunden unter dem Motto Sekt & Sterne einen geführten Einblick in die Vielfalt der Flaschengärsekte (das heißt so!) bekommt.
1836 lautet also die magische Zahl. Das war die Zeit, in der man noch ziemlich hemmungslos dem Vorbild des ächten Champagners nachahmte. Pioniere waren Kessler im württembergischen Esslingen, Grempler im schlesischen Grünberg (heute Zielona Góra) und dann schon Bussard in Radebeul – alle mit tatkräftiger Unterstützung von Kellermeistern, die man in der Champagne abgeworben hatte. Aber was soll's: schmecken sollte es – und es schmeckte! Auch die drei sächsischen Weinbergbesitzer, die 1836 den Actienverein zur Fabrikation moussierender Weine gründeten (aus dem dann später die Sektkellerei Bussard wurde, die noch viel später in den 1970ern zu Wackerbarth kam), holten sich mit dem Kellermeister Johann Joseph Mouzon Hilfe aus Reims. Dessen Können wirkt nach, auch wenn heute (EU-Recht will das so) der Begriff Champagner nur den Schaumweinen aus der Champagne vorbehalten ist – als Dresdner kennt man das ja, beim Stollen ist das nicht viel anders…