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Wie ein Gel die Krebsforschung verändern könnte

Forschende des Leibniz IPF aus Dresden untersuchen, wie sich Tumorgewebe in künstlichen Modellen realistisch nachbilden lässt.
Wie entstehen Tumore? Neue Hydrogel-Modelle aus Dresden sollen helfen, Krebsprozesse besser zu verstehen. © KI-generiert mit ChatGPT
Von: Wissensland
Forschende am Leibniz-Institut für Polymerforschung Dresden nutzen Hydrogele, um Tumoren im Labor nachzubauen. Das könnte wichtige Einblicke für die Krebsforschung ermöglichen.

Wie aus gesunden Zellen Krebs entsteht, ist noch immer nicht vollständig verstanden. Eine Forschungsgruppe aus Dresden arbeitet daran, genau diese Prozesse besser sichtbar zu machen. Ihr Werkzeug ist ein Gel.

Prof. Daniela Lössner und ihr Team am Leibniz-Institut für Polymerforschung Dresden haben ein sogenanntes Hydrogel entwickelt. Das ist ein weiches, wasserreiches Material, das sich ähnlich verhält wie echtes Körpergewebe. In dieses Gel betten die Forschenden Krebszellen ein und beobachten, was passiert. So entsteht ein Modell, das wichtige Eigenschaften eines echten Tumors nachbildet.

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Warum ein künstliches Tumormodell?

Echte Tumoren zu erforschen ist schwierig. Im lebenden Körper lassen sich viele Prozesse kaum gezielt beobachten oder verändern. Im Labor dagegen können die Wissenschaftler genau steuern, welchen Bedingungen sie das Tumorgewebe aussetzen. Das Hydrogel lässt sich so anpassen, dass es die Umgebung eines Tumors nachahmt. Einschließlich der chemischen Signale, die Zellen untereinander austauschen.

Das Team kombiniert dabei Laborarbeit mit Computermethoden. Große Datenmengen werden ausgewertet, um besser zu verstehen, wie Tumore wachsen und mit ihrer Umgebung interagieren. Daraus lassen sich Rückschlüsse darauf ziehen, welche biologischen Prozesse Tumorwachstum beeinflussen.

Bessere Tests, neue Möglichkeiten

Dieser Ansatz könnte auch praktische Vorteile haben. Wenn Medikamente nicht nur an einfachen Zellkulturen, sondern an realistischeren Gewebsmodellen getestet werden, könnten die Ergebnisse besser auf den menschlichen Körper übertragbar sein. Das könnte helfen, Therapien gezielter zu entwickeln und Tierversuche zu reduzieren. In der Krebsforschung gewinnen dreidimensionale Gewebemodelle zunehmend an Bedeutung. Viele klassische Zellkulturen bilden die komplexe Umgebung eines Tumors nur unzureichend ab. Hydrogele gelten deshalb als interessante Werkstoffe, weil sie Eigenschaften menschlichen Gewebes nachahmen können. Forschende erhoffen sich davon genauere Einblicke in das Verhalten von Tumoren und bessere Möglichkeiten, neue Medikamente unter realistischeren Bedingungen zu untersuchen.

Der Förderverein des IPF hat die Arbeit der Gruppe nun mit dem Innovationspreis 2025 ausgezeichnet. Daniela Lössner forschte gemeinsam mit Dr. Ali Nadernezhad, Dr. Sandra Hauser und Dr. Verena Kast. Die Auszeichnung würdigt einen Ansatz, der Materialwissenschaft und Krebsforschung miteinander verbindet, um Tumorprozesse genauer untersuchen zu können.

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