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Licht surft auf Magnetwellen

Dresdner Physikerinnen und Physiker messen im Labor, wie Lichtteilchen von Magnetwellen mitgerissen und beschleunigt werden – ein Phänomen, das bisher niemand kannte.
Im Labor des Exzellenzclusters ctd.qmat in Dresden untersuchen Forschende, wie winzige Lichtteilchen auf Magnetwellen surfen – eine Entdeckung mit großem Potenzial für die Technik von morgen. © Kilian Neddermeyer
Von: Wissensland
Forschende am Dresdner Exzellenzcluster ctd.qmat haben entdeckt, dass winzige Lichtteilchen in Quantenmaterialien von Magnetwellen mitgerissen und extrem beschleunigt werden. Das Phänomen war bislang unbekannt und könnte ein wichtiger Schritt zu schnelleren, effizienteren Datentechnologien der Zukunft sein.

Licht und Magnetismus hängen in der Physik eng zusammen. Forschende in Dresden haben nun entdeckt, dass sie in bestimmten Quantenmaterialien noch enger wechselwirken als bislang bekannt. Dabei beobachtete ein internationales Team im Exzellenzcluster ctd.qmat an der Technischen Universität Dresden einen bislang unbekannten Effekt: Winzige lichtangeregte Teilchen wurden von magnetischen Wellen durch ein extrem dünnes Kristallmaterial getragen und dabei stark beschleunigt.

Diese Teilchen entstehen, wenn ein Laserpuls Elektronen im Material anregt. Für kurze Zeit verhalten sich die angeregten Elektronen und die Lücken, die sie hinterlassen, wie ein neues gemeinsames Teilchen. Zerfällt dieses wieder, sendet es Licht aus. Fachleute nennen solche Teilchen Exzitonen. "Dass die Bewegung optischer Teilchen magnetisch beeinflusst werden kann, ist neu. Bisher wusste man nur, dass der Transport von Elektronen durch die magnetische Ordnung in einem Quantenmaterial gesteuert werden kann“, erklärt Florian Dirnberger, der verantwortlich für das Forschungsprojekt war. Die Entdeckung könne neue technologische Möglichkeiten eröffnen, so Dirnberger.

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Wie ein Stein im See

Das untersuchte Material heißt Chromium-Schwefel-Bromid. Bei extremer Kälte, etwa minus 141 Grad Celsius, wird es magnetisch. Dann beginnen die Elektronen in seinem Inneren zu schwingen und suchen eine gemeinsame Ausrichtung. Trifft ein Laserpuls das gekühlte Material, geraten diese Schwingungen in Bewegung. Doktorandin Sophia Terres vergleicht das Phänomen mit einem Stein, den man in einen See wirft: "Wenn wir das gekühlte Material mit einem Laserpuls anregen, fangen die Elektronen-Spins an zu schwingen und bewegen sich wellenförmig nach außen.“

Was das Dresdner Team im Hightech-Labor mit hochsensitiver Messtechnik dann beobachtete, war bislang unbekannt. Die leuchtenden Exzitonen bewegten sich nicht zufällig durch das Material. Sie wurden von diesen Spin-Wellen getragen und beschleunigt. "Die leuchtenden Quasiteilchen surfen auf den Spin-Wellen, was sie sogar extrem beschleunigt. Wir haben noch nie eine so schnelle Exzitonen-Bewegung gemessen“, sagt Terres.

Was das für morgen bedeutet

Heute nutzen Computer und Smartphones elektrische Signale, um Daten zu übertragen. Das erzeugt Wärme und kostet Energie. Schaltkreise, die auf Licht statt auf Strom setzen, könnten das ändern. "Schaltkreise, die auf Licht basieren, sind schneller und transportieren Informationen verlustfreier als aktuelle Technologien“, sagt Dirnberger. Wenn man solche Lichtschaltkreise zusätzlich magnetisch steuern könnte, würden sich neue Möglichkeiten für sogenannte Hybridtechnologien ergeben, also Systeme, die optische und magnetische Effekte miteinander verbinden.

Forschende arbeiten international daran, elektronische Bauteile künftig durch lichtbasierte oder spinbasierte Systeme zu ergänzen, die schneller arbeiten und weniger Energie verbrauchen könnten. Besonders die Verbindung von Magnetismus und optischen Effekten gilt als vielversprechend für zukünftige Quantencomputer, Datenspeicher und neuartige elektronische Bauteile. Die Dresdner Experimente liefern dafür nun einen neuen physikalischen Ansatz.

Die Ergebnisse des ctd.qmat-Teams wurden in der Fachzeitschrift Nature Nanotechnology veröffentlicht. Das Exzellenzcluster verbindet die Universitäten Würzburg und Dresden. Rund 300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus mehr als 30 Ländern arbeiten dort an neuen Quantenmaterialien und möglichen Technologien der Zukunft.

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