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Wie Karten unseren Blick auf Konflikte prägen

Karten prägen, wie wir Konflikte sehen. Der Atlas des Leipziger IfL lädt ein, das zu hinterfragen.
Nicht neutral, sondern Interpretation: Die neue Plattform des Leibniz-Instituts für Länderkunde macht sichtbar, welche Entscheidungen hinter jeder Karte stecken. © IfL/Screenshot
Von: Wissensland
Eine Karte zu einem Konflikt wirkt objektiv. Doch wer entscheidet, was darauf zu sehen ist? Ein neuer Online-Atlas des Leibniz-Instituts für Länderkunde in Leipzig zeigt Konflikte in Osteuropa aus verschiedenen Perspektiven und macht transparent, wie solche Karten entstehen.

Karten von Konflikten wirken oft objektiv und eindeutig. Doch was auf ihnen zu sehen ist und was nicht, ist selten neutral. Dahinter stecken Entscheidungen, Perspektiven und politische Deutungen. Das Leibniz-Institut für Länderkunde in Leipzig hat jetzt eine Plattform veröffentlicht, die genau das sichtbar macht.

Der Online-Atlas "Visualising Conflict/Peace" ist ab sofort frei zugänglich. Er entstand im Rahmen des Forschungsnetzwerks "Conflict and Cooperation in Eastern Europe", kurz KonKoop. Forschende aus Geografie, Politikwissenschaft, Geschichte und Anthropologie haben ihn gemeinsam entwickelt – über Ländergrenzen hinweg.

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Konflikte auf der Karte

Der Atlas versammelt Fallstudien aus dem östlichen Europa, dem Westbalkan, dem Südkaukasus und Zentralasien. Nutzer können darin Konflikte und Friedensprozesse auf verschiedenen Ebenen erkunden. Von lokalen Konflikten bis hin zu internationalen Verflechtungen ist alles dabei. Besonders ist, was die Plattform über sich selbst verrät. Sie zeigt nicht nur Karten, sie erklärt auch, wie diese entstanden sind. Welche Daten flossen ein? Welche Entscheidungen haben die Darstellung geprägt? Wessen Perspektive ist sichtbar und wessen nicht?

„Wir wollen zeigen, dass Karten keine neutralen Abbilder von Konflikten sind, sondern Interpretationen und zugleich Teil der politischen und gesellschaftlichen Realität, von der sie geprägt werden und die sie mitprägen", sagt IfL-Forscherin Dr. Mela Žuljević, die den Atlas maßgeblich mitentwickelt hat. Die Darstellungen könnten helfen, unterschiedliche Sichtweisen sichtbar zu machen und kritisches Nachdenken anzuregen, so die Forscherin weiter.

Ein Atlas, der wächst

Das Projekt versteht sich als "lebendig". Es ist bewusst offen und erweiterbar angelegt. Neue Fallstudien und neue Perspektiven sollen hinzukommen. Der Atlas lädt dazu ein, Karten nicht nur zu nutzen, sondern sie auch zu hinterfragen. Das ist wichtiger, als es auf den ersten Blick scheint. Karten beeinflussen, wie wir über Konflikte denken. Sie entscheiden mit darüber, was sichtbar wird und was uns verborgen bleibt. Ein Atlas, der diese Entscheidungen offenlegt, kann helfen, Karten und politische Darstellungen kritischer zu betrachten.

Nicht erst seit dem Krieg in der Ukraine zeigt sich, wie wichtig Karten für das Verständnis von Konflikten geworden sind. Täglich kursieren Karten zu Frontverläufen, Einflusszonen oder territorialen Ansprüchen. Forschende weisen jedoch zunehmend darauf hin, dass solche Darstellungen nie vollkommen neutral sind. Der Leipziger Atlas steht auch international im Kontext einer wachsenden Debatte über kritische Kartografie. Wissenschaftler hinterfragen dabei die Vorstellung, Karten seien wertfreie Abbilder der Wirklichkeit. Stattdessen untersuchen sie, wie Karten politische Sichtweisen prägen und Konflikte unterschiedlich darstellen können. Der neue Atlas aus Leipzig macht genau diese Perspektiven sichtbar. Er ist auf Englisch verfügbar und online kostenfrei nutzbar.


Weitere Informationen unter:
https://visualisingconflictpeace.de

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