Karten von Konflikten wirken oft objektiv und eindeutig. Doch was auf ihnen zu sehen ist und was nicht, ist selten neutral. Dahinter stecken Entscheidungen, Perspektiven und politische Deutungen. Das Leibniz-Institut für Länderkunde in Leipzig hat jetzt eine Plattform veröffentlicht, die genau das sichtbar macht.
Der Online-Atlas "Visualising Conflict/Peace" ist ab sofort frei zugänglich. Er entstand im Rahmen des Forschungsnetzwerks "Conflict and Cooperation in Eastern Europe", kurz KonKoop. Forschende aus Geografie, Politikwissenschaft, Geschichte und Anthropologie haben ihn gemeinsam entwickelt – über Ländergrenzen hinweg.
Ein Atlas, der wächst
Das Projekt versteht sich als "lebendig". Es ist bewusst offen und erweiterbar angelegt. Neue Fallstudien und neue Perspektiven sollen hinzukommen. Der Atlas lädt dazu ein, Karten nicht nur zu nutzen, sondern sie auch zu hinterfragen. Das ist wichtiger, als es auf den ersten Blick scheint. Karten beeinflussen, wie wir über Konflikte denken. Sie entscheiden mit darüber, was sichtbar wird und was uns verborgen bleibt. Ein Atlas, der diese Entscheidungen offenlegt, kann helfen, Karten und politische Darstellungen kritischer zu betrachten.
Nicht erst seit dem Krieg in der Ukraine zeigt sich, wie wichtig Karten für das Verständnis von Konflikten geworden sind. Täglich kursieren Karten zu Frontverläufen, Einflusszonen oder territorialen Ansprüchen. Forschende weisen jedoch zunehmend darauf hin, dass solche Darstellungen nie vollkommen neutral sind. Der Leipziger Atlas steht auch international im Kontext einer wachsenden Debatte über kritische Kartografie. Wissenschaftler hinterfragen dabei die Vorstellung, Karten seien wertfreie Abbilder der Wirklichkeit. Stattdessen untersuchen sie, wie Karten politische Sichtweisen prägen und Konflikte unterschiedlich darstellen können. Der neue Atlas aus Leipzig macht genau diese Perspektiven sichtbar. Er ist auf Englisch verfügbar und online kostenfrei nutzbar.
Weitere Informationen unter:
https://visualisingconflictpeace.de