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Nach dem Feuer kommen die Pilze

Pionier auf verbrannter Erde: Der Breitsporige Brandstellenbecherling (Anthracobia platyspora) gehört zu den ersten Lebewesen, die nach einem Waldbrand den Boden besiedeln.
Kleiner Pilz, große Wirkung: Der Breitsporige Brandstellenbecherling (Anthracobia platyspora) wächst nur auf stark verbrannten Böden – und hilft dem Wald dabei, sich selbst zu heilen. © Alexander Karich
Von: Wissensland
Nach den Waldbränden 2022 in der Sächsischen Schweiz und der Gohrischheide haben Forscher des IHI Zittau zusammen mit Kollegen zwei bisher unbekannte Pilzarten entdeckt. Die kleinen Brandstellen-Becherlinge helfen dabei, dass sich der Wald ganz von selbst erholen kann. Sie geben der Wissenschaft neue Einblicke in die Selbstheilungskräfte der Natur.

Fast vier Jahre ist es her, dass in der Sächsischen Schweiz und in der Gohrischheide große Waldflächen in Flammen standen. Was danach kam, interessiert die Wissenschaft bis heute. Denn verbrannte Erde ist nicht einfach totes Land. Sie ist der Anfang neuer ökologischer Prozesse. Und dabei spielen winzige Pilze eine überraschend große Rolle.

Forscher des Internationalen Hochschulinstituts (IHI) Zittau, das zur Technischen Universität Dresden gehört, haben auf den Brandflächen zwei Pilzarten entdeckt, die wissenschaftlich bislang noch nicht beschrieben worden waren. Die Pilze gehören zur Gruppe der sogenannten Brandstellen-Becherlinge. Das sind kleine, napf- oder becherförmige Pilze, die typischerweise auf stark verbrannten Böden wachsen.

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Was die Pilze auf den Brandflächen machen

Die neu entdeckten Arten ernähren sich vermutlich von zuckerhaltigen Pflanzensäften, die durch die Hitze aus beschädigten Bäumen austreten. Diese pyrophilen Pilze, also Arten, die Feuerstandorte bevorzugen, können damit eine wichtige Rolle bei der natürlichen Wiederbesiedlung spielen. Fachleute sprechen von Sukzession, der schrittweisen Rückkehr von Pflanzen, Pilzen und anderen Organismen in ein gestörtes Ökosystem.

In der ersten Phase nach einem Brand sind es vor allem Moose und bestimmte Pilzarten, die den verbrannten Boden besiedeln. Eine genaue Erfassung dieser Arten gibt Hinweise darauf, wie sich ein Wald nach einem Feuer langfristig entwickelt und regeneriert.

Zusammenarbeit macht die Entdeckung möglich

Die Funde sind das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit. Neben dem Team des IHI Zittau waren Dr. Annika Busse vom Nationalpark Sächsische Schweiz und Dr. Torsten Bittner vom Naturschutzgebiet Gohrischheide beteiligt, sowie der belgische Mykologe Nicolas van Vooren. Seit den großen Waldbränden im August 2022 untersuchen sie gemeinsam verschiedene Aspekte der Feuerökologie und die natürliche Regeneration der betroffenen Flächen.

Die Forschung zeigt: Auch stark verbrannte Wälder sind Ausgangspunkt neuer ökologischer Entwicklungen. Und selbst unscheinbare Pilze können dabei eine wichtige Rolle spielen.

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