Die Gebäude wachsen sichtbar in die Höhe, parallel werden bereits die ersten Forschungsanlagen beschafft. Am Industriestandort Schwarze Pumpe nimmt mit CircEcon eines der größten Forschungsprojekte des Lausitzer Strukturwandels Gestalt an. Vier sächsische Hochschulen entwickeln dort gemeinsam Verfahren für ein besseres Recycling von komplexen Produkten aus Luftfahrt, Schienenfahrzeugbau oder Windkraftanlagen. Ziel ist eine Kreislaufwirtschaft, die auch im industriellen Maßstab funktioniert.
Die Hochschule Zittau/Görlitz (HSZG), die TU Dresden, die TU Chemnitz und die TU Bergakademie Freiberg arbeiten dafür im Projekt CircEcon eng zusammen. In der Forschungsfabrik entwickeln sie neue Verfahren, mit denen sich alte Produkte Schritt für Schritt zerlegen, sortieren und zu neuen Rohstoffen verarbeiten lassen. Besonders schwierig sind dabei Materialien, die aus Metallen, Kunststoffen und Fasern fest miteinander verbunden sind. Genau dafür wollen die Forschenden neue Lösungen entwickeln.
Vom Abfall zum neuen Rohstoff
Die Hochschule Zittau/Görlitz übernimmt mehrere zentrale Aufgaben innerhalb des Materialkreislaufs. Zunächst sollen Maschinen ausgediente Produkte künftig automatisch zerlegen und wiederverwendbare Bauteile entnehmen. Anschließend erkennen intelligente Sensorsysteme unterschiedliche Materialien und sortieren sie beispielsweise nach Aluminium, Kunststoff oder anderen Werkstoffen.
Die getrennten Kunststoffe verarbeiten Forschende der TU Dresden und der TU Chemnitz anschließend zu neuen hochwertigen Recyclingmaterialien. Was sich nicht mehr sortieren lässt, wird thermochemisch weiterverarbeitet. Dabei entstehen unter anderem energiereiche Gase und fester Kohlenstoff, die erneut genutzt werden können. Ziel ist es, möglichst alle Bestandteile eines Produkts im Kreislauf zu halten und so den Einsatz neuer Rohstoffe deutlich zu verringern.
Dabei arbeiten die Hochschulen eng mit Unternehmen aus der Region zusammen. Gemeinsam entwickeln sie neue Maschinen und Verfahren, die später auch in der Industrie eingesetzt werden können.
"Ich freue mich, dass es uns gelungen ist, Firmen zu gewinnen, denen das Recycling ebenso wichtig ist wie uns. Hier treffen Forschergeist und lösungsorientierter Lieferantenpragmatismus aufeinander und lassen innovative Anlagen entstehen“, sagt Jens Friedrich, Professor für Umwelt- und Recyclingtechnik an der HSZG und Leiter des Demontage-Bereichs im Projekt CircEcon.