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Sprachmodelle können unsere Entscheidungen entschlüsseln

Ob Kaffee oder Geldanlage: Jede Entscheidung hat ihre eigenen Gründe.
Warum entscheiden wir uns so und nicht anders? Eine neue Studie geht dieser Frage auf den Grund. @ pixabay/Tumisu
Von: Wissensland
Warum treffen wir bestimmte Entscheidungen? Ein Forschungsteam aus Dresden, Berlin und Basel nutzt große Sprachmodelle, um den Gründen hinter unseren alltäglichen und großen Entscheidungen auf die Spur zu kommen.

Warum wählen die einen morgens Tee, die anderen Kaffee? Warum spekuliert der Nachbar an der Börse, man selbst verlässt sich aber lieber aufs sichere Sparbuch? Warum also treffen wir in unserem täglichen Leben bestimmte Entscheidungen? Forschende der TU Dresden, des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und der Universität Basel sind solchen Fragen nachgegangen.

Für ihre Untersuchung kombinierten sie Verhaltensexperimente mit mathematischen Modellen und eigenen Erklärungen der Studienteilnehmenden. Unterstützung erhielten sie von großen Sprachmodellen, kurz LLM. Das sind KI-Systeme, die Sprache analysieren und erzeugen können.

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Glücksspiele verraten, wie wir denken

Die Teilnehmenden der Studie spielten Glücksspiele. Nach jeder Entscheidung erklärten sie in eigenen Worten, warum sie so gewählt hatten. Das Wissenschafts-Team glich diese Erklärungen mit bekannten Theorien der Entscheidungsforschung ab. Daraus entstand eine lange Liste möglicher Gründe. Manche wollten das beste Ergebnis erzielen, andere vor allem einen großen Verlust vermeiden.

Hier kamen die Sprachmodelle ins Spiel. Sie durchsuchten die Antworten und erkannten, welche Gründe jeweils genannt wurden. Gleichzeitig prüften die Forschenden mit mathematischen Modellen, ob die Entscheidungen dazu passten.

"Unser Verständnis des menschlichen Verhaltens, einschließlich der Entscheidungsfindung, lässt sich vertiefen, indem wir Menschen bitten, ihre Denkprozesse näher zu erläutern", sagt Dr. Kamil Fuławka, Erstautor der Studie und Forscher am Center Synergy of Systems (SynoSys) der TUD. Die Analyse solcher Daten erfordere strenge Verfahren. Genau dabei könnten LLMs heute helfen, erklärt der Wissenschaftler.

Erklärungen liefern wichtige Hinweise

Die Kombination aus Entscheidungen, eigenen Erklärungen und KI-Auswertung zeigte, dass die Aussagen der Teilnehmenden wertvolle Hinweise auf ihre Denkprozesse liefern. Ein weiteres Ergebnis der Studie: Menschen treffen Entscheidungen nicht immer nach demselben Muster. Welche Überlegungen sie dabei leiten, hängt von der jeweiligen Situation ab. Mal spielt die Aussicht auf das bestmögliche Ergebnis eine größere Rolle, mal der Wunsch, einen möglichen Verlust zu vermeiden.

Die eigenen Erklärungen werden so zu einer wertvollen Informationsquelle. "Viele wichtige Entscheidungen – von der Finanzplanung über medizinische Entscheidungen bis hin zu sozialen Dilemmata, dem Einsatz von Technologie und der öffentlichen Politik – beinhalten komplexe Abwägungen, die sich nicht allein durch die Beobachtung von Entscheidungen vollständig verstehen lassen", erläutert Fuławka. Solche Erklärungen seien in genau diesen Bereichen besonders wertvoll, betont er.

Die Studie zeigt zudem, wie LLMs Forschenden künftig helfen können, solche Erklärungen in großem Maßstab auszuwerten. Damit eröffnen sich neue Wege, menschliche Entscheidungen in realistischeren und komplexeren Situationen genauer zu untersuchen.


Originalveröffentlichung:
K. Fuławka, R. Hertwig, & D.U. Wulff, Large language models accurately identify decision reasons in verbal reports, Proc. Natl. Acad. Sci. U.S.A. 123 (27) e2526798123

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