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Sichtbare Windräder kosten Zustimmung zur Energiewende

Sichtbare Windräder: Für manche Fortschritt, für andere Störung.
Wo Windkraft ins Blickfeld rückt, kann sich das Wahlverhalten der Menschen vor Ort verändern. © pixabay/Dorothée Quennesson
Von: Wissensland
Ein Windrad vor der eigenen Haustür verändert mehr als nur die Aussicht. Eine Leipziger Studie zeigt, dass sichtbare Windräder die Zustimmung zur Energiewende schwächen können – vor allem auf dem Land und bei fehlender finanzieller Beteiligung der Anwohner.

Ein Windrad in der Nähe des eigenen Zuhauses kann den Blick auf das Thema Windenergie verändern. Für die einen ist es ein Zeichen des Fortschritts, für die anderen stört es das Landschaftsbild. Werden Windräder sichtbar, kann das einen Effekt auf das Wahlverhalten haben. Das zeigt eine neue Studie der Universität Leipzig.

Obwohl der Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland grundsätzlich von einer großen Mehrheit unterstützt wird, erleben Menschen in der Nähe von Windrädern die Energiewende unmittelbar. Forschende der Universität Leipzig haben untersucht, wie sich sichtbare Windräder zwischen 1998 und 2021 auf das Wahlverhalten ausgewirkt haben. Sobald Windräder erstmals von einem Wohnort aus zu sehen sind, kann die Unterstützung für erneuerbare Energien sinken. Dieser Zusammenhang zeigte sich allerdings erst in den jüngeren Untersuchungszeiträumen.

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28.000 Windräder im Blick

Für ihre Analyse kombinierten die Forschenden Daten zu mehr als 28.000 Windrädern mit Geodaten und Wahlergebnissen. So berechneten sie, ob ein Windrad von einem Wohngebiet sichtbar war, und verfolgten, wie sich die Unterstützung veränderte, sobald eine Gemeinde erstmals eine Anlage sehen konnte.

Ein besonderer Vorteil der Studie: Verglichen wurden Gemeinden, die Windräder lediglich in benachbarten Orten sehen konnten, mit geografisch nahe gelegenen Gemeinden ohne Sichtkontakt. So ließ sich der Einfluss der Sichtbarkeit von anderen Faktoren wie wirtschaftlichen Vorteilen oder zusätzlichen Steuereinnahmen unterscheiden.

"Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die visuelle Wahrnehmung von Windenergieanlagen die Einstellungen zur Energiewende beeinflussen kann", sagt Vincent F. Stegmaier, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Leipzig. Der Zusammenhang sei im Zeitverlauf stärker geworden, parallel zur wachsenden Polarisierung der Debatte über Windenergie.

Ländliche Regionen besonders betroffen

Anfangs hatte die Sichtbarkeit von Windrädern noch keinen messbaren Effekt. In jüngeren Zeiträumen sank der Stimmenanteil von Parteien, die erneuerbare Energien unterstützen, sobald ein Windrad erstmals sichtbar wurde. Besonders deutlich zeigte sich das in ländlichen Regionen und dort, wo organisierter Widerstand gegen Windkraftprojekte bestand. Finanzielle Beteiligung und wirtschaftliche Vorteile milderten negative Reaktionen teilweise ab.

"Unsere Ergebnisse bedeuten nicht, dass Menschen erneuerbare Energien grundsätzlich ablehnen", sagt Prof. Melanie Krause, die die Studie mit Stegmaier verfasst hat. Menschen reagierten eher negativ, wenn sie Veränderungen des Landschaftsbildes wahrnehmen, ohne gleichzeitig von den Vorteilen zu profitieren oder Einfluss auf die Standortwahl der Anlagen zu haben.

"Der Erfolg der Energiewende hängt davon ab, dass die gesellschaftliche Unterstützung erhalten bleibt", sagt Stegmaier. Lokale Beteiligung und breiter verteilte Vorteile könnten Klimaziele mit den Sorgen der Menschen um ihr Landschaftsbild in Einklang bringen.


Originalpublikation:
Vincent F. Stegmaier, Melanie Krause: Headwind in sight? Wind turbine visibility spillovers and support for renewable energy policy,
Journal of Environmental Economics and Management, Volume 139, 2026.

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