Ein Windrad in der Nähe des eigenen Zuhauses kann den Blick auf das Thema Windenergie verändern. Für die einen ist es ein Zeichen des Fortschritts, für die anderen stört es das Landschaftsbild. Werden Windräder sichtbar, kann das einen Effekt auf das Wahlverhalten haben. Das zeigt eine neue Studie der Universität Leipzig.
Obwohl der Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland grundsätzlich von einer großen Mehrheit unterstützt wird, erleben Menschen in der Nähe von Windrädern die Energiewende unmittelbar. Forschende der Universität Leipzig haben untersucht, wie sich sichtbare Windräder zwischen 1998 und 2021 auf das Wahlverhalten ausgewirkt haben. Sobald Windräder erstmals von einem Wohnort aus zu sehen sind, kann die Unterstützung für erneuerbare Energien sinken. Dieser Zusammenhang zeigte sich allerdings erst in den jüngeren Untersuchungszeiträumen.
Ländliche Regionen besonders betroffen
Anfangs hatte die Sichtbarkeit von Windrädern noch keinen messbaren Effekt. In jüngeren Zeiträumen sank der Stimmenanteil von Parteien, die erneuerbare Energien unterstützen, sobald ein Windrad erstmals sichtbar wurde. Besonders deutlich zeigte sich das in ländlichen Regionen und dort, wo organisierter Widerstand gegen Windkraftprojekte bestand. Finanzielle Beteiligung und wirtschaftliche Vorteile milderten negative Reaktionen teilweise ab.
"Unsere Ergebnisse bedeuten nicht, dass Menschen erneuerbare Energien grundsätzlich ablehnen", sagt Prof. Melanie Krause, die die Studie mit Stegmaier verfasst hat. Menschen reagierten eher negativ, wenn sie Veränderungen des Landschaftsbildes wahrnehmen, ohne gleichzeitig von den Vorteilen zu profitieren oder Einfluss auf die Standortwahl der Anlagen zu haben.
"Der Erfolg der Energiewende hängt davon ab, dass die gesellschaftliche Unterstützung erhalten bleibt", sagt Stegmaier. Lokale Beteiligung und breiter verteilte Vorteile könnten Klimaziele mit den Sorgen der Menschen um ihr Landschaftsbild in Einklang bringen.
Originalpublikation:
Vincent F. Stegmaier, Melanie Krause: Headwind in sight? Wind turbine visibility spillovers and support for renewable energy policy,
Journal of Environmental Economics and Management, Volume 139, 2026.