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Dresden-Gedenken im Schatten von Krieg und Bundestagswahl

Dresden-Gedenken im Schatten von Krieg und Bundestagswahl
Dresden vor dem Gedenken am 80. Jahrestag seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg (Archivbild) / Foto: Robert Michael/dpa
Von: DieSachsen News
Alljährlich im Februar gedenkt Dresden der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg. 80 Jahre danach richtet sich der Blick auf Ursachen und Täter - und auf die Mahnung zu Frieden und Versöhnung.

Kranzniederlegungen, Friedensandachten, Konzerte oder stille Erinnerung - Dresden gedenkt in einer Woche wieder seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg. Am 80. Jahrestag der Luftangriffe vom 13./14. Februar 1945 will die Elbestadt ein besonders starkes Zeichen für Versöhnung und Miteinander setzen; auch angesichts der aktuellen Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten sowie des erstarkten Rechtsextremismus in Deutschland.

Unter dem Motto «Gemeinsam wachsam» sollen sich am Abend wieder Zigtausende die Hände reichen und eine Menschenkette um die Innenstadt bilden - als symbolischer Schutz gegen rechtes Gedankengut. Die Bürgerschaft der Elbestadt ist angesichts erneut gefährdeter Demokratien, Populismus, Rassismus und Antisemitismus weltweit sowie Krieg und Terror aufgerufen, Erinnerung und Mahnung wachzuhalten und sich einzusetzen für ein «Nie wieder!»

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Polizei bereitet sich auf Großeinsätze vor

Die Polizei bereitet sich angesichts «hoher Mobilisierung in allen Lagern» auf größere Einsätze im Stadtgebiet vor, am Gedenktag selbst und dem Samstag danach. Sie rechnet jeweils mit einem rechten Aufzug und Gegenprotest. Aktuell sind fast 20 Veranstaltungen allein für den 13. Februar angemeldet und für den 15. Februar ein rechter Gedenkmarsch. 

Die Versammlungsbehörde erwartet erneut «ein großangelegtes, dynamisches und konfrontatives» Geschehen in der Innenstadt, mit «einer hohen Anzahl von Personen über alle politischen Lager». Angesichts der erhöhten Mobilisierung zu dem besonderen Jahrestag und der Bundestagswahl am 23. Februar rechnet sie mit «einem Zulauf über dem der Vorjahre». 

Die ehemalige Residenzstadt war am 13. Februar 1945 und in den Tagen danach durch alliierte Bomben zerstört worden. Nach Recherchen von Historikern verloren bis zu 25.000 Menschen ihr Leben. Die Rechtsextremen sehen darin ein Kriegsverbrechen der Alliierten und relativieren damit die deutsche Schuld am Ausbruch des Krieges.

Von Kranzniederlegungen bis zu Foren mit Jugendlichen

Der Jahrestag beginnt traditionell mit Kranzniederlegungen auf Friedhöfen der Stadt. An der Frauenkirche, die aus Trümmern und mit Spenden aus aller Welt wiederaufgebaut wurde, können den ganzen Tag über Rosen und Lichter abgestellt werden. Später sollen hunderte kleine Lichter in einem Sandbett auf dem Neumarkt davor wieder eine Riesenkerze bilden - auch in Erinnerung an die Opfer deutscher Bomben 1940 im englischen Coventry und die Millionen Toten nationalsozialistischer Gewaltherrschaft.

Im Rathaus-Plenarsaal treffen sich Jugendliche aus Dresdens Partnerstädten mit Schülern der Stadt, um über Geschichte und die daraus erwachsende Verantwortung zu sprechen. Neben dem Oberbürgermeister werden dazu auch der Herzog von Kent aus dem britischen Königshaus und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) erwartet. 

Stiftung: Dresdner Zerstörung hat Vorgeschichte 

«Der 13. Februar in Dresden darf niemals losgelöst von dem betrachtet werden, was ihm vorausging: vom Rassenwahn, von der Gewalt und Menschenverachtung des nationalsozialistischen Deutschlands», sagten die Geschäftsführungs-Mitglieder der Stiftung Frauenkirche, Maria Noth und Pfarrer Markus Engelhardt. In der «Nacht der Stimmen» unter der Sandsteinkuppel des berühmten Gotteshauses kommen diesmal auch der Lyriker und Essayist Durs Grünbein und der Dean of Coventry, Reverend John Witcombe, zu Wort.

Am Abend lädt die Dresdner Philharmonie vor ihrem Domizil, dem Kulturpalast, wieder zum gemeinsamen Bürgersingen «gegen Hass, Gewalt und für Frieden und Versöhnung» ein. Das städtische Orchester spielt drinnen danach das «War Requiem» von Benjamin Britten, mit dem der Komponist an die Zerstörung der englischen Stadt Coventry 1940 durch die Deutschen erinnern wollte. Die Sächsische Staatskapelle führt zeitgleich in der Semperoper die «Messa da Requiem» von Giuseppe Verdi auf. 

Zuvor gibt es einen ökumenischen Friedensgottesdienst in der Kreuzkirche. Danach läuten stets die Glocken aller Innenstadtkirchen, genau zum Zeitpunkt des ersten Luftangriffs knapp drei Monate vor Kriegsende. 

In der Vergangenheit versuchten Neonazis immer wieder, den Gedenktag für Propaganda zu missbrauchen, ab 2012 überwog dann das friedliche Gedenken der Bürger. Inzwischen nutzen Rechtsextremisten das Datum wieder, um die deutsche Schuld am Krieg zu relativieren und den Alliierten Kriegsverbrechen vorzuwerfen.

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