Auf dem Rad, hoch zu Pferd oder auch in zivil: Die Polizei ist in Leipzigs Wäldern wieder auf der Suche nach Bärlauch-Dieben. «Die Täter kommen aus ganz Deutschland angereist, um im Auwald Bärlauch zu entnehmen», sagte der Leiter des Leipziger Polizeireviers Südost, Mario Luda. Dabei würden sie nicht nur die Knollen herausziehen, sondern auch das empfindliche Ökosystem gefährden.
In diesem Februar wurden bereits zwei Gruppen gestellt, die jeweils mehr als 40 Kilogramm Bärlauchknollen ausgegraben und zum Abtransport bereitgestellt hatten. Für das Sammeln der Pflanze gelten jedoch strenge Regeln. Erlaubt ist ein sogenannter Handstrauß pro Person. Bewegt man sich in Naturschutzgebieten, ist sogar ein gepflücktes Blatt bereits zu viel. Dort gilt das Bundesnaturschutzgesetz.
Polizei: Bärlauch ist keine geschützte Pflanze
Die Polizei durchstreift mittlerweile den Auwald mit dem Rad, in zivil und sogar auf dem Pferd. Die Beamten der Reiterstaffel haben laut Luda wegen des hohen Sitzes einen guten Überblick und können auch in unwegsames Gelände vordringen und bei Bedarf Verstärkung rufen.
Laut Polizei werden am häufigsten die Wurzelknollen ausgegraben. Sie gelten im osteuropäischen Raum als Delikatessen, ihnen wird auch eine Heilwirkung zugeschrieben. «Der Bärlauch ist keine geschützte Pflanze», betonte Polizeisprecher Olaf Hoppe. Es liegt zumeist eine Ordnungswidrigkeit vor, wenn mehr als einen Handstrauß entnommen wird. «Es wird erst eine Straftat, wenn ausgegraben wird und besonders geschützte Pflanzen entnommen werden.»
Bisher 85 Tatverdächtige ermittelt
Seinen Angaben zufolge hat der Diebstahl in den vergangenen Jahren enorm zugenommen. Bis zu einer Tonne der Knollen und Blätter hatten die Täter aus den Leipziger Wäldern entnommen. 85 Tatverdächtige wurden ermittelt. Sie fahren mit ihren Autos in die kleinen Wege des Auwaldes, entnehmen die Pflanzen und fahren wieder weg, wie Hoppe erläuterte. Da das Gebiet so groß sei, sei man auch auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen.
Anwohner Nikolaus Ihms ist oft mit seinem Hund und Rad im Auwald unterwegs und will künftig die Polizei informieren, wenn er Diebe beobachtet. «Das darf nicht sein, das ist unsere Natur.» Er selbst hat auch schon mal ein paar Blätter gerupft und mit der Butter vermischt. «Für Mundraub ist es ja auch in Ordnung, aber nicht zum Ausschlachten der Wälder», betonte er.
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