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Von der menschlichen Dummheit

Hohle Platane
Aus dem Inneren einer sehr, sehr alten Platane nach oben fotografiert… (Bild: Ulrich van Stipriaan)
Von: Ulrich van Stipriaan
Eine uralte Platane vor dem Kloster Agios Nektarios auf Rhodos ist innen hohl und begehbar. Bei einem Besuch erlebt der Autor dort eine Szene, die sinnbildlich für menschliche Dummheit steht.

Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, soll Einstein mal gesagt haben – wobei er sich beim Universum nicht wirklich sicher sei. Die Sinnhaftigkeit dieser Aussage, ob wahr oder eher nicht und nur gut erfunden sowie von der Band Erdmöbel besungen, kann man im Urlaub eigentlich überall gut beobachten. Ich fand die finale Bestätigung in Sachen Dummheit auf Rhodos, aber die Geschichte fängt gar nicht mal so dumm an.

Platane vor dem Kloster Agios Nektarios auf Rhodos
Platane vor dem Kloster Agios Nektarios auf Rhodos (Bild: Ulrich van Stipriaan)

Es gibt da nämlich vor dem Kloster Agios Nektarios eine alte Platane. Die ist so alt, dass sich die Altersdeuter mit Jahresringen überbieten. Am Baum selbst hängt ein Schild, wonach dieser prächtige Baum 1.500 Jahre alt sei. Im prinzipiell recht zuverlässigen Müller-Reiseführer Rhodos überbietet der Autor Hans-Peter Siebenhaar diese Angabe um einen Tausender und glaubt zu wissen, dass „hier“ schon Paulus der Apostel übernachtet habe. Über den Stammesumfang dieser orientalischen Platane (platanus orientalis) sind sich die Informanten auch nicht einig, wobei der Wirt der gegenüberliegenden Taverne Krioneri auf der erwähnten Tafel den „Umfang an der Basis“ mit 12 Metern angibt, während User Christoph bei Monumental Trees den „Stammumfang in 1,30 m Höhe mit mehr als 5,50 m“ angibt. Ich habe nicht nachgemessen, weder unten noch weiter oben.

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Im Inneren der Platane mit der 360-Grad-Kamera (Bild: Ulrich van Stipriaan)

Das Alter dieses prächtigen Baums ist aber nur ein Hingucker. Denn obendrein ist diese oben wunderbar buschig grünende Platane innen hohl. Sie ist so hohl, dass man da prima reingehen kann, die Öffnung ist groß genug, der Innenraum allemal. Warum die Platane hohl ist? „Die Höhlung im Inneren ist auf ein Feuer in der Vergangenheit zurückzuführen“, steht auf dem Schild des Tavernen-Nachbarn. Die Google-KI erläutert es anders: „Die Platane vor dem Kloster Agios Nektarios auf Rhodos ist durch einen natürlichen biologischen Alterungsprozess hohl. Der hohle Raum im Inneren des riesigen, vermutlich über 2000 Jahre alten Baumes entstand dadurch, dass das ältere, innenliegende Kernholz (das abgestorbene Xylem) verrottete und im Laufe der Jahrhunderte durch Pilze abgebaut wurde.Dieser natürliche Vorgang ist bei sehr alten Bäumen keine Seltenheit:Stabilitätserhaltung: Bäume wie die Morgenländische Platane lagern ihre Nährstoffe und leiten Wasser ausschließlich in den äußeren, lebenden Ringen direkt unter der Rinde (dem Splintholz).“ So oder so: gemütlich ist es da drinnen, es gibt einen Ausguck nach oben (mit Blick aufs frische Grün) und auch Löcher für Umgebungsgucker. Ich hatte die 360-Grad-Kamera dabei – die verzerrt naturgemäß alles (dicke Arme!), zeigt dafür aber die komfortable Höhle in ihrem Ausmaß ganz gut. Und ja, nicht nur optisch wie auf dem Bild kommt man sich da ganz klein vor…

Innen hohl scheinen auch die Köpfe mancher Mitmenschen zu sein, womit wir bei dem eingangs angedeuteten Thema wären. Denn bei einem zweiten Besuch der Platane sahen wir, wie es drinnen qualmte. Eigentlich qualmte nicht „es“, sondern „sie“ – eine Touristin hatte sich das lauschige Plätzchen ausgesucht, um ihrer Nikotinsucht nachzugehen oder die Zeit ein wenig totzuschlagen. Ihr Begleiter (wir hatten beide schon am Kloster gesehen und wussten das zuzuordnen) stand draußen vor dem Baum und sah desinteresssiert zu. Ob er denn vielleicht Einfluss auf seine Partnerin nehmen könne, nicht im Baum zu rauchen, fragten wir ihn höflich – Bäume seien ja prinzipiell ein vorzügliches Baumaterial, und Waldbrände durch zumeist menschliche Verursacher kennt man auf Rhodos ja – und nur wenige lieben das (doch doch, die gibt’s…). Er ging zu ihr, redete kurz – und achselzuckend kam Sie aus dem zugequalmten Naturquartier heraus. Ach sooo, Zigaretten könnten Feuer verursachen?!? Na da…

Ulrich van Stipriaan
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Ulrich van Stipriaan

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