Neunjährige DSC-Schwimmerin kämpft gegen Krebs
Es sind die Momente, in denen alles andere unbedeutend erscheint, in denen Menschen, die sich kaum kennen, plötzlich zu engen Verbündeten werden. Die Schwimmabteilung des Dresdner SC zählt über 1000 Mitglieder - aber vermutlich alle kennen jetzt eine neunjährige Nachwuchs-Athletin.
Karla kämpft um viel mehr als um Medaillen und gute Zeiten, die kleine Schwimmerin ringt um ein längeres Leben. Im April wurde bei dem Mädchen kurz nach der Bezirksmeisterschaft "Akute lymphatische Leukämie" (ALL) diagnostiziert. Bei ALL kommt es im Normalfall zu einer rasch fortschreitenden Knochenmarkinsuffizienz, einem Mangel an roten Blutzellen und Blutplättchen.
Dabei hatte sich Karla mit ihren Eltern erst kurz zuvor entschlossen, ihren Trainingsort aus ihrer Heimatstadt Riesa ins Nachwuchszentrum des Dresdner SC zu verlegen, um hier noch intensiver trainieren zu können. Wie ihr ein Jahr älterer Bruder.
Intensiv ist jetzt aber die Betreuung, die Karla nach ihrer Diagnose braucht. Der Dresdner SC hat deshalb Anfang Oktober über Karlas Trainer Anton Müller und Franz Hahn einen Spendenaufruf über die spezialisierte Plattform Gofundme gestartet, um die Familie bei organisatorischen und finanziellen Herausforderungen zu entlasten und zu unterstützen.
Sachsens Schwimmsport hält zusammen
Denn je nach Chemotherapie-Block und Aufenthalten im Uniklinikum Dresden pendeln die Eltern mit Karla zwischen Riesa und Dresden. "Das Leben der Familie ist wirklich von heute auf morgen umgekrempelt worden, aber sie meistert das bärenstark", sagt Dirk Oehme, Leiter des Schwimm-Nachwuchszentrums des DSC.
Bislang hat die Spendenaktion, an der sich bislang über 300 Menschen beteiligten, fast 12.000 Euro eingebracht und steht damit knapp vor dem Erreichen des Spendenziels von 14.000 Euro. "Die Spender kommen aus vielen Vereinen in Sachsen. Da hat der sächsische Schwimmsport echt zusammengehalten, das ist schon grandios", sagt der erfahrene Trainer.
Das Geld wird dringend benötigt, denn die ungeplanten Ausgaben häufen sich. Einige Behandlungen und therapeutische Maßnahmen werden nicht zu 100 Prozent von der Krankenkasse übernommen, die verbleibenden Kosten muss die Familie von Karla selbst tragen und ohnehin erst einmal alles vorstrecken.
Auch für Karlas Schulunterricht müssen innovative Lösungen her. Die gebürtige Riesaerin kann je nach gesundheitlicher Verfassung über einen Unterrichts-Avatar am Schulunterreicht teilnehmen und dadurch mit ihrer Klasse weiterhin verbunden bleiben. Doch die bisher ausgeschöpften Möglichkeiten reichen nicht aus, betont der Verein auf der Gofundme-Seite, "um Karla eine ausreichend flexible und individuelle Lernbegleitung zu bieten, die sich an ihre wechselnden Behandlungszeiten, Krankenhausaufenthalte und ihre Tagesform anpasst".
Mit Tangoklängen gegen den Krebs
Karla benötige deshalb zwingend neben der Unterstützung der Schule einen Lernbegleiter, der Inhalte begleitet, Fragen klärt und hilft, den Anschluss an den Schulstoff nicht zu verlieren. Karlas Eltern können aufgrund ihrer Berufstätigkeit diese Begleitung nicht dauerhaft übernehmen.
Auch deshalb hat der Dresdner SC ein außergewöhnliches Benefiz-Event aus dem Boden gestampft. An diesem Samstag (7. November) findet von 15.30 bis 16.30 im Multifunktionsraum des Heinz-Steyer-Stadions ein Benefizkonzert mit einem Quintett der Sächsischen Staatskapelle statt. Die Musiker spielen ohne Honorar und präsentieren in ihrem Vortrag schwungvolle Tangoklänge. Der Zugang über den Haupteingang des Steyer-Stadions ist ausgeschildert, der kleine Saal bietet Platz für ca. 250 Menschen.

Und die Aktion wird auch von einer Dynamo-Legende unterstützt. Ralf Minge. Ehrenspielführer der Schwarz-Gelben und hauptberuflich Abteilungsleiter des Sportparks Ostra, wird den Nachmittag eröffnen. "Ich kenne Ralf Minge aus dem Förderverein Leistungssport Dresden und er hat sofort gesagt: Das machen wir". erzählt Oehme. Der Förderverein übernimmt die Saalmiete für das Benefizkonzert. Sämtliche Spendeneinnahmen werden Karlas Familie zur Verfügung gestellt. Das erkrankte Mädchen wird nach jetzigem Stand auch selbst dabei sein können.
Im Moment kämpft sich Karla durch eine Antikörpertheraphie. "Sie war am Montag in der Schwimmhalle mit einem Rucksack und einer Maske, um Infektionen zu vermeiden. Sie darf mal ganz vereinzelt wieder unter Leute. Sie ging entweder mit zwei Stoppuhren in der Hand am Beckenrand entlang oder an der Hand einer Co-Trainerin, Karla hat es richtig genossen, wieder mal bei uns zu sein. Das geht schon zu Herzen", sagt Dirk Oehme.
Die Heilungschancen stehen recht gut. Bei einer frühen Erkennung der Erkrankung liegen sie für Kinder bei entsprechend intensiver Chemotherapie bei 80 Prozent.