Betroffene von sexualisierter Gewalt in der Evangelischen Kirche und Diakonie fordern eine zügige und angemessene Aufarbeitung und Anerkennung ihrer Leidensgeschichte. «Sexualisierte Gewalt und Missbrauch sind schwerste Verbrechen. Kein Geld, keine Summe, keine Richtlinie kann wiedergutmachen, was Menschen angetan wurde», sagte Nancy Janz, Sprecherin der Betroffenenvertretung im Beteiligungsforum der Kirche, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Eine angemessene Anerkennung könne jedoch etwas lindern. «Sie kann ein Stück Würde zurückgeben, weil sie ausdrückt: Wir sehen, was geschehen ist. Wir übernehmen Verantwortung. Das erwarten wir von Kirchen und Diakonien.»
«Einheitlichkeit ist hier keine Frage, sondern ein Muss.»
«Diese Richtlinie ist ein Meilenstein. Aber nur, wenn sie tatsächlich umgesetzt wird, und zwar einheitlich», sagte Janz und warnte davor, die Anerkennungsrichtlinie in föderalen Einzelwegen zerfallen zu lassen. «Dass jede Landeskirche, jeder Landesverband wieder eigene Grenzen zieht. Nichts wäre fataler. Einheitlichkeit ist hier keine Frage, sondern ein Muss.»
«Macht, die sich nicht bewegt, ist Missbrauch», bringt es Janz auf den Punkt. Die Betroffenenvertretung werde auch als Alibi genutzt. Die nach außen betonte Beteiligung stoße innen immer wieder an Grenzen. «Wenn wir etwa um die Anerkennung unserer Expertise, Formulierungen, Sitzungszeiten oder Zuständigkeiten feilschen müssen», so Janz: «Wir brauchen kein Mitgefühl, sondern die Übernahme von Verantwortung. Sonst kommen wir nicht weiter.»
Thema darf nicht weiter an Gremien delegiert werden
Janz: «Wir erwarten, dass die Menschen in den Machtpositionen in den Kirchen und den Diakonieverbänden ins Handeln kommen und das Thema nicht weiter an Gremien, Verfahren oder Fachstellen delegieren. Daran hakt es immer wieder.» Das größere Engagement der Diakonie im Beteiligungsforum sei ein starkes Zeichen. «Wir hoffen sehr, dass die Chance daraus genutzt wird und das Gefeilsche um Formulierungen und Summen nicht noch größer wird.»