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Ostern: Von Palmsonntag bis Auferstehung – Die Geschichte hinter dem Fest

Palmzweige bei der Ankunft von Jesus von Nazareth
Jesus von Nazareth bei der Ankunft in Jerusalem (Bild: KI-generiertes Symbolbild)
Von: DieSachsen News
Kaum ein Fest ist so reich an Geschichte, Symbolik und religiöser Bedeutung wie Ostern. Doch wann beginnt die Ostergeschichte eigentlich – und warum feiern Christen und Juden ihre Feste selten zur gleichen Zeit?

Der Einzug in Jerusalem: Palmsonntag

Die Ostergeschichte beginnt nicht am Sonntag mit dem leeren Grab, sondern bereits eine Woche früher – am Palmsonntag. An diesem Tag soll Jesus von Nazareth auf einem Esel in Jerusalem eingeritten sein. Die Bevölkerung habe ihn mit Palmzweigen und Jubelrufen empfangen, berichten die Evangelien. Der Esel war dabei kein Zufall: Er galt in der Antike als Symbol des Friedens, nicht des Krieges. Jesus habe sich damit bewusst von einem militärischen Messias abgegrenzt.

Die Palmen – oder im nördlicheren Palästina auch Olivenzweige – symbolisierten Triumph und Ehre. Noch heute tragen Gläubige weltweit am Palmsonntag Zweige in die Kirche, in Deutschland häufig Buchsbaumzweige oder Palmkätzchen.

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Die stille Woche: Montag bis Mittwoch

Die Tage zwischen Palmsonntag und Gründonnerstag gelten in der christlichen Tradition als Tage der Konfrontation. Jesus habe im Tempel die Händler und Wechsler vertrieben, habe öffentlich gepredigt und sei dabei zunehmend in Konflikt mit den Hohepriestern und Schriftgelehrten geraten. Die religiösen Eliten Jerusalems hätten in diesen Tagen beschlossen, ihn verhaften zu lassen.

Gründonnerstag: Das letzte Mahl

Am Gründonnerstag versammelte sich Jesus laut den Evangelien mit seinen zwölf Jüngern zum letzten gemeinsamen Abendmahl. Dieses Mahl war kein gewöhnliches Treffen: Es fand im Rahmen des jüdischen Pessachfestes statt – jenem Fest, das an die Befreiung der Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei erinnert. Jesus habe dabei Brot und Wein als Symbole seines Leibes und Blutes gedeutet – die Grundlage des christlichen Abendmahls bis heute.

Nach dem Mahl sei Jesus in den Garten Getsemani gegangen, wo er von seinen Jüngern verraten und verhaftet worden sei. Judas Iskariot habe ihn mit einem Kuss identifiziert.

Der Name „Gründonnerstag" leitet sich übrigens wahrscheinlich nicht von der Farbe Grün ab, sondern vom althochdeutschen Wort „greinen" – weinen, klagen.

Karfreitag: Tod am Kreuz

Karfreitag ist der dunkelste Tag im christlichen Kalender. Nach seiner Verhaftung im Garten Getsemani sei Jesus zunächst vor den Hohen Rat – das oberste jüdische Religionsgericht – geführt worden. Dort hätten ihn Hohepriester und Schriftgelehrte der Gotteslästerung beschuldigt: Jesus habe sich selbst als Sohn Gottes bezeichnet und sich damit in den Augen der jüdischen Gelehrten gottgleich inszeniert. Ein unerträglicher Anspruch für die Hüter des jüdischen Gesetzes – denn nach der Tora war Gotteslästerung ein Vergehen, das den Tod verdiente.

Doch nicht nur die religiöse Dimension habe den Hohen Rat beunruhigt. Jesus sei in Jerusalem wie ein König empfangen worden – mit Palmzweigen, Jubel und messianischen Erwartungen. Diese öffentliche Inszenierung habe die Reli­gions­elite als politische Bedrohung wahrgenommen: Ein selbsternannter König hätte das fragile Gleichgewicht mit der römischen Besatzungsmacht gefährden können. Der Tod Jesu sei in diesem Sinne auch ein politisches Kalkül gewesen – ein Zeichen, dass solche Ansprüche keine Zukunft hätten.

Da der Hohe Rat unter römischer Herrschaft keine Todesurteile vollstrecken durfte, sei Jesus an den römischen Statthalter Pontius Pilatus übergeben worden. Pilatus habe nach den Evangelien keine eigene Schuld in Jesus gefunden – habe dem Druck des Hohen Rates und der aufgebrachten Menge jedoch nachgegeben und die Kreuzigung angeordnet. Ob Pilatus dabei aus politischer Berechnung oder echter Überzeugung handelte, diskutieren Historiker bis heute.

Wann starb Jesus – historisch betrachtet?

Die Frage nach dem genauen Todeszeitpunkt beschäftigt Historiker und Theologen seit Jahrhunderten. Als wahrscheinlichstes Todesjahr gilt 30 oder 33 n. Chr. – beide Daten lassen sich mit den astronomischen Berechnungen des Pessachfestes vereinbaren.

Die Evangelien berichten, Jesus sei gegen die neunte Stunde gestorben – nach antiker Zeitrechnung entspricht das etwa 15 Uhr. Laut Johannes-Evangelium starb er kurz vor Beginn des Sabbats, also noch am Freitagnachmittag. Medizinhistoriker gehen davon aus, dass der Tod am Kreuz durch eine Kombination aus Erschöpfung, Blutverlust und Ersticken eintrat – der Kreuzigung waren Geißelung und das Tragen des Kreuzes vorausgegangen.

Das Wort „Kar" stammt vom althochdeutschen „kara" – Klage, Trauer. Ein stiller, ernster Tag also – kein Feiertag im üblichen Sinne.

Karsamstag: Der Tag dazwischen

Der Karsamstag ist liturgisch der Tag der Stille. Jesus liege im Grab, die Jünger seien in Trauer und Verwirrung. Die Kirche feiert an diesem Tag keine Messe – bis zur Osternacht herrscht liturgische Stille. Dieser Tag steht symbolisch für das Warten, die Ungewissheit, das Leben zwischen Tod und Auferstehung.

Ostersonntag: Die Auferstehung

Am ersten Tag der Woche – einem Sonntag – seien Frauen zum Grab gegangen, um den Leichnam zu salben. Das Grab sei leer gewesen. Die Botschaft der Auferstehung Jesu ist der Kern des christlichen Glaubens: Ohne Ostern, kein Christentum.

Die Osternacht – mit Feuersegen, Taufe und der Verkündigung der Auferstehung gilt als die feierlichste Liturgie des Jahres.

Wann ist Ostern – und warum wechselt das Datum?

Ostern ist kein festes Datum im Kalender, sondern ein sogenanntes bewegliches Fest. Die Regel stammt vom Konzil von Nicäa im Jahr 325 n. Chr.: Ostern wird am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond des Frühlings gefeiert. Das Datum kann zwischen dem 22. März und dem 25. April liegen.

Diese astronomische Formel erklärt, warum Ostern jedes Jahr woanders im Kalender zu finden ist und warum es manchmal früh, manchmal spät im Jahr liegt.

Warum fällt Ostern nicht mit Pessach zusammen?

Hier liegt eine der spannendsten – und auch schmerzhaftesten – Trennungsgeschichten der Religionsgeschichte.

Das jüdische Pessachfest beginnt am 15. Nissan des hebräischen Kalenders und dauert sieben bzw. acht Tage. Das letzte Abendmahl Jesu fand im Umfeld von Pessach statt – historisch und theologisch ist Ostern also tief mit Pessach verbunden.

Und doch fallen beide Feste heute nur selten zusammen. Der Grund ist politisch und historisch: Beim Konzil von Nicäa (325 n. Chr.) beschlossen die christlichen Bischöfe unter Kaiser Konstantin, Ostern vom jüdischen Kalender zu entkoppeln. Die Begründung war theologisch, aber auch von antijüdischen Spannungen geprägt: Man wollte ein eigenständiges christliches Fest – unabhängig von der jüdischen Zeitrechnung.

Der hebräische Kalender ist ein Mondkalender, der gelegentlich durch Schaltmonate korrigiert wird. Der christliche Ostertermin orientiert sich zwar ebenfalls am Mond, folgt aber einer eigenen astronomischen Formel. Dadurch verschiebt sich das Verhältnis beider Feste jedes Jahr neu.

Hinzu kommt: Die orthodoxen Kirchen nutzen noch immer den Julianischen Kalender. Das macht Ostern zu einem Fest mit gleich drei möglichen Terminen pro Jahr: dem westlichen, dem orthodoxen und dem jüdischen Pessach.

Wichtiger Hinweis zur historischen Einordnung:

Die Rolle des Hohen Rates in der Passionsgeschichte ist historisch sensibel. Über Jahrhunderte wurde sie missbraucht, um Juden kollektiv für den Tod Jesu verantwortlich zu machen – mit verheerenden Folgen. Das Zweite Vatikanische Konzil stellte 1965 klar: Eine Kollektivschuld des jüdischen Volkes existiert nicht. Es handelte sich um Entscheidungen einzelner religiöser und politischer Akteure in einem spezifischen historischen Kontext.

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