Angesichts der drohenden Energiekrise und hoher Inflation erwarten Sozialforscher in Sachsen für den Herbst eine neue Protestwelle und Empörungen. «Sachsen wird hierbei ein Hotspot sein», sagte Piotr Kocyba, Protestforscher in Chemnitz, der Deutschen Presse-Agentur. Schon jetzt werde in sozialen Netzwerken die Stimmung von Akteuren wie den rechtsextremen Freien Sachsen und der Identitären Bewegung angeheizt. Zudem will auch die Linke Bürger zu Demonstrationen gegen die geplante Gasumlage auf die Straße rufen. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte in seiner Sommerpressekonferenz gesagt, er glaube nicht, dass es zu Unruhen komme.
Unruhen im Sinne von Barrikaden in den Städten und brennenden Autos sehe er ebenfalls in Deutschland nicht heraufziehen, erklärte Kocyba. Ähnlich äußerte sich der Sozialpsychologe Oliver Decker von der Universität Leipzig. «Zahlreiche öffentliche Debatten und auch Empörung wird es geben. Politische Kämpfe um Verteilungsgerechtigkeit gehören aber zu einer Demokratie», teilte der Experte für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung mit. Massive Unruhen erwartete Decker aber nicht.