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Simson-Mopeds: AfD wehrt sich gegen Kritik

Die Schwalbe ist eines der berühmtesten Modelle der Simson. (Archvibild) / Foto: Jan Woitas/dpa
Die Schwalbe ist eines der berühmtesten Modelle der Simson. (Archvibild) / Foto: Jan Woitas/dpa

Thüringens AfD-Chef Björn Höcke schwärmte im Wahlkampf von der Simson und kurvte mit einer S51 durchs Land. Dass das als politische Vereinnahmung kritisiert wird, findet er befremdlich.

Das Simson-Moped als Politikum: Erst kritisierten die Nachfahren der jüdischen Familie Simson die Vereinnahmung der Marke durch die AfD - jetzt wehrt sich der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke. Höcke hat sich wiederholt auf Maschinen der ostdeutschen Traditionsmarke ablichten lassen und sie in Wahlkampfreden erwähnt. Nun nannte er die Äußerungen der Nachfahren der Familie «befremdlich».

«Die Nutzung von Alltagsobjekten als 'Vereinnahmung' zu deuten, ersetzt Argumente durch Symbolhysterie», meinte Höcke. «Gerade hier sollte das 'Nie wieder!‘ gelten: keine Kollektivzuweisung, keine Gesinnungsverdächtigung, keine politische Erbschuld.» Die Wendung «nie wieder» wird seit dem Zweiten Weltkrieg meist im Zusammenhang mit «nie wieder Faschismus» oder «nie wieder Krieg» verwendet. Höcke deutet sie hier um.

In der NS-Zeit entrechtet

Die Familie Simson war in der NS-Zeit drangsaliert, verfolgt und 1936 zum Verkauf der Fabrik in Suhl gezwungen worden, wo später zu DDR-Zeiten die Simson-Mopeds gebaut wurden. Die Nachfahren leben heute in den USA. Der Sprecher der Familie, Dennis Baum, hatte erklärt: «Wir empfinden jegliche Verbindung mit der AfD als abstoßend und als eine Beleidigung unseres Namens.» 

Die zu DDR-Zeiten in Suhl produzierten Mopeds der Marke Simson wie die Schwalbe oder die S51 sind für viele Liebhaber Kult - meist unabhängig von politischen Ansichten. Die AfD nutzte das beliebte Fahrzeug nicht nur in Wahlkämpfen, sondern auch für den Verkauf von Produkten in ihrem Fanshop auf Tiktok.

«Eine große Tragödie»

Baum erklärte, die Familie lehne extremistische Ideologien ab und wolle «die Inbesitznahme unseres Namens durch die AfD nicht hinnehmen». Sie empfinde es als beleidigend, im Zusammenhang mit einer Partei genannt zu werden, die «überwiegend extremistisch» sei. Der Name Simson dürfe unter keinen Umständen zum Symbol der AfD werden. 

Man habe eine große Tragödie erlebt, die vor allem durch Intoleranz gegenüber der jüdischen Bevölkerung geprägt gewesen sei, betonte Baum. «Deshalb betrachten wir die Benutzung unseres Namens durch die AfD als eine Verhöhnung unserer Geschichte.»

Waffen- und Fahrzeugfabrik

Das Werk in Thüringen war von den Brüdern Moses und Loeb Simson gegründet worden und hatte sich als Waffenhersteller etabliert. Zugleich widmete sich das Unternehmen dem Fahrzeugbau und entwickelte unter anderem den Rennwagen Simson Supra. In der NS-Zeit wurde die Familie zum Verkauf gezwungen. Zu DDR-Zeiten wurde die Fabrik dann zum Volkseigenen Betrieb und produzierte Mopeds zunächst im Auftrag der sowjetischen Militäradministration.

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