Bei möglichen Koalitionsverhandlungen in Erfurt oder Dresden will BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht einem Medienbericht zufolge selbst mitmischen: Sie werde nach den Wahlen mit am Tisch sitzen, kündigte die 55-Jährige in einem Gespräch mit dem «Spiegel» an. «Wenn in Sachsen und Thüringen verhandelt wird, werden wir diese Gespräche in enger Abstimmung mit unseren Spitzenkandidatinnen und Spitzenkandidaten führen, und natürlich werde ich mich auch persönlich einbringen», sagte sie demnach.
Wagenknecht: «persönlich einbringen»
Thüringens CDU-Spitzenkandidat Mario Voigt bekräftigte seine Linie in der Koalitionsfrage: «Solange Sahra Wagenknecht aus dem Saarland heraus die Ansagen für Thüringen macht, haben wir mit dem BSW keine Gesprächsgrundlage.»
Wagenknecht reagierte bei X mit den Worten: «Das BSW Thüringen bekommt keine Ansagen aus dem Saarland, ich komme immer gern nach Erfurt, Thüringen ist meine Heimat, hier bin ich aufgewachsen, hier habe ich Familie, hier bin ich immer gern.» Wagenknecht ist in Jena geboren, hat einen Teil ihrer Kindheit in der Region verbracht und dort auch studiert. Am Montag ist ein Wahlkampfauftritt in ihrer Geburtsstadt geplant.
Fragezeichen am Regierungswillen
Wagenknecht hatte zuletzt erneut ihre Bedingungen für mögliche Koalitionen angeführt. Der dpa sagte sie, die Mehrheit der Bürger lehne die Stationierung von US-Raketen in Deutschland ab. «Wir verlangen damit lediglich, dass die Landesregierung das vertritt, was zwei Drittel der Menschen wollen.» Es sei das Wesen der Demokratie, dass sich der Mehrheitswille des Volkes auch in der Politik durchsetzen sollte. «Das tagelange Kasperletheater der anderen Parteien, dass wir unerträgliche Bedingungen formulieren würden, sollte damit beendet sein.»
Maier wies darauf hin, dass es nicht unüblich sei, Fragen, die nicht auf Landesebene entschieden werden, in Koalitionsverträgen auszuklammern. «Frau Wagenknecht hat kein Interesse an Thüringen. Sie hat nur ihre eigenen Interessen im Blick und die richten sich natürlich auf die Bundestagswahl», sagte Maier. Er stellte infrage, ob Wagenknecht überhaupt will, dass sich ihre Partei an Landesregierungen in Sachsen oder Thüringen beteiligt. «Das kann man gar nicht anders deuten aus meiner Sicht», sagte er. Wenn sie es wollte, würde sie sich zurückhalten, argumentierte er.
Auch mehrere Thüringer Landräte meldeten sich zu Wort. «Wer den Menschen aber in einem Landtagswahlkampf Glauben macht, dass diese Wahl die Fragen von Krieg und Frieden entscheidet, der täuscht die Wähler», erklärten 17 Landräte und Oberbürgermeister in einer Mitteilung. Man erwarte Antworten auf Thüringer Probleme.