Die Leipziger Sozialwissenschaftlerin Astrid Lorenz hält das Wahlverhalten der Ostdeutschen mit hohen Zustimmungswerten für die AfD für wenig überraschend. «Seit längerem finden große Teile der ostdeutschen Bevölkerung, dass ihre Positionen in der Politik in Deutschland und Europa zu wenig abgebildet sind», sagte sie am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Viele hielten die Klimaschutzstrategie für unvernünftig und hätten den Eindruck, dass es keine Kontrolle mehr darüber gebe, wer nach Deutschland und Europa komme und dass keine funktionierende Sicherheitsstrategie mehr existiere. «Und sie argumentieren, dass zu wenig und mit falscher Strategie für Friedensverhandlungen in Bezug auf den Krieg in der Ukraine unternommen wird.»
«Dass diese Positionen unterrepräsentiert sind, ist für sie nicht nur ein Ärgernis in der Sache, sondern sie interpretieren dies als Fehlfunktion der Demokratie, die eigentlich dem Willen der Mehrheit folgen solle statt dem Willen einer kleinen Partei - der Grünen», betonte die Professorin. In diesem Klima seien dann auch die Maßnahmen und das öffentliche Auftreten der amtierenden Bundesregierung von Beginn an ganz besonders kritisch gesehen worden. «Viele wollen eine andere Politik mit anderen Parteien, weil sie die Regierenden für abgehoben halten, und wählen entsprechend. Dieser Trend könnte sich bei den Landtagswahlen fortsetzen.» Das Bündnis Sahra Wagenknecht werde in Sachsen wahrscheinlich zum Königsmacher.