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Tschechien: Zahl der Todesfälle auf Bahnstrecken sinkt deutlich

Tschechien: Zahl der Todesfälle auf Bahnstrecken sinkt deutlich
Symbolbild Tschechische Bahnen / pixabay kerut
Die Zahl der Todesfälle auf Tschechiens Bahnstrecken ist in den ersten neun Monaten des Jahres um rund 20 Prozent gesunken. Ein wesentlicher Grund ist der Rückgang von Suiziden. Mit einer neuen Präventionskampagne sollen Menschen in psychischen Krisen frühzeitig Unterstützung finden.

Auf Tschechiens Bahnstrecken sind in den ersten neun Monaten des Jahres deutlich weniger Menschen ums Leben gekommen als im Vorjahreszeitraum. Von Januar bis Ende September wurden 129 Todesfälle registriert, im gleichen Zeitraum 2025 waren es noch 161. Nach Angaben des tschechischen Verkehrsministeriums entspricht das einem Rückgang um rund 20 Prozent und dem niedrigsten Stand der vergangenen fünf Jahre.

Einen wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung hat die rückläufige Zahl von Suiziden. Sie machen weiterhin den größten Teil der tödlichen Vorfälle im tschechischen Schienenverkehr aus. Verkehrsminister Ivan Bednárik betonte deshalb die Bedeutung frühzeitiger Unterstützung für Menschen in psychischen Krisensituationen.

Ein Suizidversuch im Gleisbereich könne nicht nur tödlich enden, sondern auch schwere Verletzungen und dauerhafte gesundheitliche Folgen verursachen. Um solche Vorfälle möglichst zu verhindern, will das Verkehrsministerium die Zusammenarbeit mit Organisationen aus dem Bereich der psychischen Gesundheit weiter ausbauen.

Anlässlich des Welttags der psychischen Gesundheit am 10. Oktober startete eine neue Phase der Präventionskampagne „Nááádech, výýýdech“, auf Deutsch etwa „Einatmen, ausatmen“. Sie soll Menschen in schwierigen Lebenssituationen ermutigen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Die Kampagne wird auf Dutzenden Bahnhöfen in Tschechien sowie in sozialen Netzwerken sichtbar sein. Im Mittelpunkt stehen Informationen über bestehende Beratungsangebote und Möglichkeiten, bei psychischen Belastungen Unterstützung zu erhalten.

Entwickelt wurde die Herbstkampagne gemeinsam mit dem Nationalen Institut für psychische Gesundheit (Národní ústav duševního zdraví), der Organisation Cesta z krize und dem Verein Nepanikař.

Beworben wird unter anderem die kostenlose tschechische Krisenhotline unter der Telefonnummer 116 123. Außerdem macht die Kampagne auf die App „Nepanikař“ aufmerksam. Die in Tschechien entwickelte Anwendung richtet sich insbesondere an junge Menschen und bietet Hilfestellungen beim Umgang mit Panikattacken und anderen psychischen Belastungen.

Bereits im Frühjahr wurden im Rahmen der Präventionsmaßnahmen erste Hinweisschilder an besonders gefährdeten Stellen entlang der Bahnstrecken angebracht. Nun sollen an Dutzenden weiteren Standorten zusätzliche Schilder installiert werden. Sie weisen auf die Telefonnummer der psychologischen Krisenhilfe hin.

Auch die staatliche Bahnverwaltung Správa železnic beteiligt sich an den Maßnahmen. Ihr Generaldirektor Tomáš Tóth wertet den Rückgang der Todesfälle als positives Signal. Gleichzeitig betont er, dass die Präventionsarbeit fortgesetzt werden müsse.

Ziel sei es, Menschen in psychischen Krisen daran zu erinnern, dass professionelle Unterstützung verfügbar ist. Dazu sollen die Zusammenarbeit mit Fachorganisationen, Informationsangebote an Bahnhöfen und konkrete Hilfsmaßnahmen vor Ort stärker miteinander verbunden werden.

Magdalena Lukasová vom Nationalen Institut für psychische Gesundheit weist darauf hin, dass es keine einheitliche Unterstützungsform gebe, die für alle Betroffenen gleichermaßen geeignet sei. Besonders für junge Menschen seien deshalb niedrigschwellige und leicht erreichbare Hilfsangebote wichtig.

Nach den vorliegenden Angaben sterben in Tschechien jährlich etwa 200 Menschen im Zusammenhang mit dem Schienenverkehr. Mehr als drei Viertel dieser Todesfälle sind auf Suizide zurückzuführen.

Neben den menschlichen Tragödien haben solche Vorfälle auch erhebliche Auswirkungen auf den Bahnverkehr. Nach einem tödlichen Ereignis muss der Zugverkehr im Durchschnitt für etwa eineinhalb Stunden unterbrochen werden.

Mit der Ausweitung der Kampagne und zusätzlichen Hinweisen auf psychologische Hilfsangebote wollen das Verkehrsministerium und die Bahnverwaltung die Prävention langfristig stärken. Der Rückgang der Todesfälle in den ersten neun Monaten wird dabei als ermutigende Entwicklung betrachtet, ohne dass sich daraus bereits eine dauerhafte Trendwende ableiten lässt.

Weitere Informationen zu psychischer Gesundheit und Präventionsangeboten bieten das Nationale Institut für psychische Gesundheit und die Initiative Nepanikař.