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Tschechien erwägt Verkauf des Sprengstoffherstellers Explosia

Tschechien erwägt Verkauf des Sprengstoffherstellers Explosia
Der Sprengstoff- und Munitionshersteller Explosia in Pardubice ist seit 2002 vollständig in tschechischem Staatsbesitz – Ministerpräsident Babiš brachte nun einen möglichen Verkauf ins Gespräch. Foto: Homepage Explosia
Von: News aus Tschechien
Der tschechische Ministerpräsident Andrej Babiš hat einen möglichen Verkauf des staatlichen Sprengstoff- und Munitionsherstellers Explosia ins Gespräch gebracht. Frankreich und weitere europäische Unternehmen haben demnach bereits Interesse bekundet – die Opposition ist dagegen.

Der tschechische Ministerpräsident Andrej Babiš erwägt den Verkauf des staatlichen Sprengstoff- und Munitionsherstellers Explosia aus Pardubice. Das erklärte Babiš gegenüber CT24 nach einem Besuch im Unternehmen. Frankreich, vertreten durch Präsident Emmanuel Macron, sowie weitere europäische Unternehmen hätten bereits Interesse bekundet. Der Erlös aus einem möglichen Verkauf könnte laut Babiš zur Erfüllung tschechischer NATO-Verpflichtungen genutzt werden. Persönlich befürworte er den Verkauf. „Sollten wir Explosia verkaufen, müsste dies zu äußerst günstigen Bedingungen für den Staat geschehen", sagte er.

Explosia ist seit 2002 vollständig in Staatsbesitz und wird vom Ministerium für Industrie und Handel gehalten. Das Unternehmen ist seit 1920 in Pardubice ansässig und hatte seinen Umsatz zuletzt verfünffacht. Auch der tschechische Rüstungskonzern Czechoslovak Group (CSG) des Geschäftsmanns Michal Strnad hatte in der Vergangenheit Interesse bekundet. Ein CSG-Sprecher erklärte, Explosia erfülle weiterhin die Kriterien für potenzielle Übernahmen – weitere Aussagen seien zum jetzigen Zeitpunkt jedoch spekulativ.

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Die Opposition lehnt einen Verkauf entschieden ab. Die Vorsitzende des Sicherheitsausschusses, Jana Černochová (ODS), warnte: „Strategische Kapazitäten werden heutzutage nicht mehr einfach aufgegeben, nur weil jemand viel Geld dafür bietet." Explosia müsse als Säule der tschechischen Verteidigungsselbstversorgung weiterentwickelt werden. Piraten-Chef Zdeněk Hřib warf der Regierung vor, Haushaltslöcher durch den Verkauf eines sicherheitsrelevanten Unternehmens stopfen zu wollen. Auch der ehemalige Industrieminister Lukáš Vlček sprach von einem Fehler: „Explosia ist profitabel und verfügt über einen gut ausgearbeiteten Investitionsplan. Ich sehe keinen Grund, warum der Staat sich davon trennen sollte."

Babiš entgegnete, Explosia sei erst dann wirklich strategisch wichtig, wenn eine tatsächliche vertragliche Beziehung zur tschechischen Armee bestehe – die seiner Ansicht nach derzeit nicht existiere. Er habe den Unternehmensgeschäftsführer beauftragt, der Armee eine Kooperationsvereinbarung vorzulegen. Explosia selbst wollte sich zu einem möglichen Verkauf nicht äußern und verwies auf den Alleinaktionär, das Ministerium für Industrie und Handel.

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