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Trockenheit legt versunkenen Friedhof am Lipno-Stausee frei

Trockenheit legt versunkenen Friedhof am Lipno-Stausee frei
Der niedrige Wasserstand am Lipno-Stausee hat in Untermoldau Grabsteine eines früheren Friedhofs freigelegt – Historiker haben zwölf davon geborgen. Foto: Museum Fotoateliér Seidel | Facebook
Der niedrige Wasserstand am Lipno-Stausee hat die Grabsteine eines früheren Friedhofs in Untermoldau freigelegt. Historiker haben zwölf davon geborgen und wollen nun die Lebensgeschichten der Verstorbenen rekonstruieren.

Die anhaltende Trockenheit hat am Lipno-Stausee Spuren eines Ortes sichtbar gemacht, der seit Jahrzehnten unter Wasser liegt. In Untermoldau (Dolní Vltavice) kamen Grabsteine eines früheren Friedhofs zum Vorschein. Historiker haben gemeinsam mit Denkmalschützern und den zuständigen Wasserbehörden zwölf dieser steinernen Relikte aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geborgen. Das geht aus Angaben der beteiligten Fachleute hervor.

Der niedrige Wasserstand ermöglicht in diesem Jahr Einblicke in Orte, die seit dem Ende der 1950er Jahre nicht mehr zugänglich waren. Der Friedhof in Untermoldau war Mitte der 1950er Jahre aufgelöst worden. Ein Teil der Verstorbenen wurde nach Schwarzbach (Černá v Pošumaví) umgebettet, die Grabsteine wurden anschließend hinter der Friedhofsmauer gesammelt. Seit rund zehn Jahren, genauer seit 2016, beschäftigen sich Historiker intensiver mit den Überresten der Landschaft, die mit dem Bau des Lipno-Stausees verschwand.

Das Museum Fotoateliér Seidel in Böhmisch Krumau (Český Krumlov) versucht nun, den Inschriften auf den Steinen konkrete Biografien zuzuordnen. Dabei greift es auf einen Bestand von rund 150.000 Glasplatten und Negativen aus der Zeit seit dem späten 19. Jahrhundert zurück. Einen ersten Zusammenhang konnten die Mitarbeiter bereits herstellen: Zu einem Mädchen, das im Alter von drei Jahren an einer Blinddarmentzündung starb, fanden sie Aufnahmen ihres Vaters und weiterer Angehöriger. Museumsdirektorin Zdena Mrázková beschreibt die Arbeit als ein Mosaik aus Namen, Fotografien und familiären Verbindungen. Am Ende könnte daraus eine Gedenkausstellung entstehen – möglicherweise direkt in Untermoldau.

Der Ort blickte auf eine Geschichte zurück, die bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts reichte. Untermoldau verfügte über eine Kirche, ein Pfarrhaus und eine Schule und lag an der Handelsverbindung zwischen Budweis (České Budějovice) und Passau. Mehr als 400 Menschen lebten dort, die Mehrheit von ihnen gab in Volkszählungen die deutsche Nationalität an. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie vertrieben. Mit dem Bau des Lipno-Staudamms verschwand schließlich auch der Ort selbst.