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Tesco zieht sich nach 30 Jahren aus Tschechien zurück

Tesco zieht sich nach 30 Jahren aus Tschechien zurück
Ein Tesco-Markt in Most. Foto: Peter Stehlik PS-2507
Nach drei Jahrzehnten verabschiedet sich Tesco aus Tschechien und der Slowakei. Käufer ist der niederländische Handelskonzern Ahold Delhaize, der in Tschechien bereits die Albert-Märkte betreibt. Durch die Übernahme könnte Albert zum Marktführer des Landes aufsteigen.

Prag. Für den Lebensmittelhandel in Tschechien zeichnet sich eine der größten Veränderungen der vergangenen Jahre ab. Die britische Supermarktkette Tesco verkauft ihr Geschäft in Tschechien und der Slowakei an den niederländischen Handelskonzern Ahold Delhaize. Der betreibt in Tschechien bereits die Albert-Supermärkte. Auch die tschechische Convenience-Kette Žabka gehört zum Verkaufsumfang.

Der Unternehmenswert der Transaktion liegt bei rund 1,2 Milliarden Euro. Einschließlich der Leasingverbindlichkeiten ergibt sich ein Wert von etwa 1,7 Milliarden Euro. Die Tesco-Geschäfte in Tschechien und der Slowakei kommen zusammen auf einen Jahresumsatz von rund 3,5 Milliarden Euro und beschäftigen mehr als 14.000 Menschen.

Insgesamt umfasst die Übernahme mehr als 360 von Tesco selbst betriebene Supermärkte, Hypermärkte und kleinere Geschäfte sowie mehr als 100 Franchise-Standorte. Allein in Tschechien betreibt Tesco derzeit 184 Geschäfte und einen Online-Lebensmittelhandel. Hinzu kommen 113 Žabka-Filialen.

Albert könnte zum Marktführer werden

Für Ahold Delhaize bedeutet der Zukauf einen erheblichen Wachstumsschritt. In Tschechien betreibt der Konzern bereits knapp 350 Märkte unter der Marke Albert. Nach Abschluss und Integration der Tesco-Filialen erwartet Ahold Delhaize, dass das gemeinsame Geschäft gemessen am Marktanteil zur führenden Lebensmittelhandelsmarke in Tschechien wird. Gleichzeitig steigt das Unternehmen erstmals in den slowakischen Markt ein.

Bis es so weit ist, dürfte allerdings noch einige Zeit vergehen. Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die Wettbewerbsbehörden. Ahold Delhaize rechnet mit einem Abschluss im vierten Quartal 2027.

Für die Kunden sollen die übernommenen Standorte anschließend modernisiert werden. Ahold Delhaize kündigt unter anderem erneuerte Märkte, modernisierte technische Bereiche sowie eine Angleichung von Sortiment und Kundenbindungsangeboten an. Wie und wann die Tesco-Märkte konkret auf Albert umgestellt werden, ist bislang jedoch nicht bekannt.

Tesco konzentriert sich auf Großbritannien und Irland

Mit dem Verkauf endet eine rund 30-jährige Geschichte. Tesco kam 1996 nach Tschechien. Die Trennung von den tschechischen und slowakischen Aktivitäten ist zugleich Teil eines längerfristigen Rückzugs des britischen Konzerns aus internationalen Märkten. Tesco hatte sich in den vergangenen Jahren unter anderem bereits aus Südkorea, Thailand und Malaysia zurückgezogen. Das Unternehmen will sich nun noch stärker auf sein Kerngeschäft in Großbritannien und Irland konzentrieren.

Ganz beendet ist die Tesco-Geschichte in Mitteleuropa allerdings noch nicht. Das Geschäft in Ungarn gehört nicht zur vereinbarten Transaktion. Tesco erklärte, weiterhin alle Optionen für dessen Zukunft zu prüfen.

Der Verkauf bringt Tesco voraussichtlich rund 1,2 Milliarden Euro Nettoerlös vor Steuern und weiteren Transaktionskosten. Den größten Teil davon will der Konzern nach Abschluss der Übernahme über zusätzliche Aktienrückkäufe an seine Anteilseigner zurückgeben.