Mehrheit in Tschechien will unabhängige öffentlich-rechtliche Medien
Prag. In Tschechien sprechen sich 68 Prozent der Erwachsenen dafür aus, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen Česká televize (ČT) und der Rundfunk Český rozhlas (ČRo) unabhängig von staatlicher oder privater Kontrolle bleiben. Das geht aus einer Umfrage des Instituts STEM/MARK hervor, die im Auftrag des Tschechischen Fernsehens durchgeführt wurde.
Bei der Finanzierung zeigt sich allerdings ein anderes Bild: 54 Prozent der Befragten bevorzugen eine Finanzierung aus dem Staatshaushalt statt der bisherigen Rundfunkgebühren. Davon wollen 23 Prozentpunkte die geplante Änderung möglichst schnell in der derzeit vorgesehenen Form umsetzen. Weitere 31 Prozentpunkte befürworten den Wechsel nur unter der Voraussetzung, dass eine stabile Finanzierung und die Unabhängigkeit der Sender gesichert werden.
Für die Beibehaltung der Rundfunkgebühren sprechen sich 34 Prozent aus. Zwölf Prozent sind unentschlossen. Die geplante Abschaffung der Gebühren sorgt bei den Beschäftigten von ČT und ČRo für Sorgen um die redaktionelle Unabhängigkeit. Für Dienstag, den 3. November, haben sie deshalb einen Streik angekündigt.
Auch die Bewertung öffentlicher Proteste fällt unterschiedlich aus. Während 54 Prozent entsprechende Aktionen für legitim beziehungsweise gewaltfrei halten, widersprechen 22 Prozent dieser Einschätzung. Besonders groß ist die Unterstützung unter Anhängern der Opposition.
Die Umfrage wurde am 29. Oktober unter 814 Befragten durchgeführt. Sie zeigt, dass eine Mehrheit zwar eine andere Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bevorzugt, gleichzeitig aber dessen Unabhängigkeit bewahren möchte.