Jedes vierte Prager Kind wendet sich in psychischer Not zuerst an KI
Jedes vierte Kind in Prag wendet sich in psychischer Not zuerst an eine künstliche Intelligenz – bevor es Hilfe bei einem Menschen sucht. Das zeigt eine aktuelle Studie des Prager Zentrums für Soziale Dienste (Centrum sociálních služeb Praha), in die fast 11.000 Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe einbezogen wurden. Die Erhebung wird seit 2016 jährlich durchgeführt und beobachtet, wie sich Wohlbefinden, Risikoverhalten und Suchtmittelkonsum unter Prager Jugendlichen entwickeln.
90 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler nutzen KI, ein Viertel davon täglich. Für die meisten ist sie ein Lernwerkzeug – aber 24 Prozent greifen in emotionaler Not zuerst auf KI zurück. Diese Gruppe zeigt laut Studie deutlich schlechtere psychische Gesundheitswerte und höhere Angstsymptome als jene, die sich zuerst an Menschen wenden. „KI ist für Kinder attraktiv, weil sie sofort verfügbar ist, nicht bewertet und jederzeit ansprechbar ist. Sie kann aber echte Beziehungen und Fachkompetenz nicht ersetzen", erklärte Roman Petrenko, Forschungsleiter des Zentrums. Mehr als die Hälfte der Befragten hat in der Schule keine erwachsene Person, der sie sich anvertrauen könnten, 54,3 Prozent haben Angst, mit einem ernsthaften Problem zu einer Lehrkraft zu gehen.
Beunruhigend ist auch der Anstieg beim Kratom-Konsum: Während im Vorjahr 8 Prozent der Schüler Erfahrungen mit der Substanz angaben, sind es in diesem Jahr bereits 14 Prozent. 13,3 Prozent der Befragten zeigen ein Risiko für Social-Media-Abhängigkeit, 22 Prozent nutzen E-Zigaretten wiederholt oder täglich. Das allgemeine Wohlbefinden hat sich leicht verbessert: 50,2 Prozent der Schülerinnen und Schüler berichten von einem guten bis sehr guten Wohlbefinden – nach einem Tiefstand von 54 Prozent im Jahr 2022. Gleichzeitig weisen 19,5 Prozent ein sehr niedriges psychisches Wohlbefinden auf, ein Drittel zeigt mittlere bis schwere Angstsymptome und fast ein Fünftel depressive Symptome.
Erstmals befragte Prag in einem Pilotprojekt auch 236 Lehrkräfte in Prag 9 zu ihrem eigenen Wohlbefinden. Die Ergebnisse zeigen Unterstützungsbedarf unter anderem bei der Kommunikation mit Eltern, dem Umgang mit schwierigen Situationen im Unterricht und der eigenen psychischen Gesundheit.