Jedes vierte Kind in Prag wendet sich in psychischer Not zuerst an eine künstliche Intelligenz – bevor es Hilfe bei einem Menschen sucht. Das zeigt eine aktuelle Studie des Prager Zentrums für Soziale Dienste (Centrum sociálních služeb Praha), in die fast 11.000 Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe einbezogen wurden. Die Erhebung wird seit 2016 jährlich durchgeführt und beobachtet, wie sich Wohlbefinden, Risikoverhalten und Suchtmittelkonsum unter Prager Jugendlichen entwickeln.
90 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler nutzen KI, ein Viertel davon täglich. Für die meisten ist sie ein Lernwerkzeug – aber 24 Prozent greifen in emotionaler Not zuerst auf KI zurück. Diese Gruppe zeigt laut Studie deutlich schlechtere psychische Gesundheitswerte und höhere Angstsymptome als jene, die sich zuerst an Menschen wenden. „KI ist für Kinder attraktiv, weil sie sofort verfügbar ist, nicht bewertet und jederzeit ansprechbar ist. Sie kann aber echte Beziehungen und Fachkompetenz nicht ersetzen", erklärte Roman Petrenko, Forschungsleiter des Zentrums. Mehr als die Hälfte der Befragten hat in der Schule keine erwachsene Person, der sie sich anvertrauen könnten, 54,3 Prozent haben Angst, mit einem ernsthaften Problem zu einer Lehrkraft zu gehen.