Das geplante Hochgeschwindigkeitsnetz zwischen Prag, Dresden und Berlin steht unter massivem finanziellen Druck. Ursprünglich sollte ein weitreichendes Streckensystem entstehen, auf dem Züge mit bis zu 320 km/h mehrere Städte in Tschechien und Deutschland verbinden. Nun mehren sich Hinweise, dass die Pläne deutlich kleiner ausfallen könnten – oder in Teilen auf Eis gelegt werden.
Der Hauptgrund sind die Kosten: Die Investitionen werden inzwischen auf mindestens 1,1 Billionen Kronen (rund 45 Milliarden Euro) beziffert. Gleichzeitig ringt Tschechien mit einem Haushaltsdefizit von etwa 310 Milliarden Kronen. Verkehrsminister Ivan Bednárik kritisierte n einem Interview mit dem ARD Studio Prag die Vorhaben der Vorgängerregierung als überambitioniert. Ein Bau in der bisherigen Dimension würde laut Ministerium jährlich zusätzliche Schulden von 100 bis 150 Milliarden Kronen nach sich ziehen. Unter diesen Bedingungen gilt das Projekt in seiner ursprünglichen Form als kaum finanzierbar.
Eine vollständige Absage ist jedoch nicht beschlossen. Stattdessen richtet sich der Blick nach Brüssel: EU-Fördermittel könnten helfen, zumindest prioritäre Abschnitte umzusetzen. Die Europäische Union treibt schnellere Bahnverbindungen zwischen Hauptstädten voran, auch um Kurzstreckenflüge zu ersetzen. Allerdings sind die Fördertöpfe begrenzt, und die Konkurrenz um Mittel ist groß. Eine Richtungsentscheidung über das weitere Vorgehen wird frühestens im Sommer erwartet.
Besonders offen ist die Zukunft des Erzgebirgstunnels, der als zentraler Baustein für die Verbindung Prag–Dresden gilt. Unabhängig von der Hochgeschwindigkeitsbahn wird er als wichtig eingestuft, weil die bestehende Strecke durch das Elbtal stark ausgelastet ist. Der Tunnel könnte vor allem den Güterverkehr entlasten; die Reisezeiten im Personenverkehr würden hingegen nur moderat sinken.
Zusätzlich wächst der Druck, die Anbindung an Bayern zu verbessern. Entlang der rund 820 Kilometer langen Grenze zwischen Tschechien und Deutschland existiert bislang nur ein leistungsfähiger Bahnübergang bei Děčín. Premierminister Andrej Babiš brachte bei einem Besuch in München eine Modernisierung der Strecke bei Furth im Wald ins Gespräch. Die Verbindung ist teils eingleisig und nicht durchgehend elektrifiziert – ein Ausbau könnte insbesondere dem Güterverkehr neue Kapazitäten eröffnen.